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Eine Kooperation der Sektionen Baden-Baden/ Rastatt,
Pro-Interplast, Ruhrgebiet/ NRW e.V. und
pro interplast Seligenstadt e.V. mit
Youth for Social Welfare/ Indien.
Im Spätjahr 2002 bat mich Herr Prof. Lemperle die Organisation
eines Interplasteinsatzes in Indien für ihn zu übernehmen,
da er zu diesem Zeitpunkt verhindert sei.
Damals etwas ungläubig nahm ich die Bitte unter Vorbehalt an,
da es für mich die Premiere eines solchen Einsatzes würde.
Nach Indien, Assam, Sibsagar, auf der Landkarte suchend war es wirklich
einer der hintersten Winkel Indiens, östlich von Bangladesch,
weit im Nordosten.

Empfang in der Governmental Lodge durch Herrn
Saikia
Das empfindliche Gepäck wurde von vielen helfenden
Händen abenteuerlich auf das Busdach gepackt und mit eiem Seil
vertäut. Und so kamen wir unvorbereitet mit dem indischen Verkehr
in Berührung. Einer Mischung aus organisiertem Wahnsinn, Hupen,
Lächeln und permanent überhöhter Geschwindigkeit.
Erst später stumpften wir durch die tägliche Fahrt zum
Krankenhaus etwas ab. In dieser Nacht jedoch, ins Ungewisse, in
die fremde Nacht und den Nebel rasend, schien es höchst bedrohlich
und so lagen spätestens hier zum erstem Mal die Nerven blank.
Nach 13 quälenden Stunden Busfahrt über mehr oder weniger
befestigte Landstrassen trafen wir endlich auf das kleine Empfangskomitee,
Herrn Saikia mit Freunden und Helfern und Blumen in den Händen,
nachdem diese 16 Stunden auf der
Strasse auf uns gewartet hatten. Die Erleichterung war groß,
denn von dieser Stunde an hatten wir mit Herrn Saikia und seiner
Organisation Youth for Social Welfare wieder Anschluss an die Struktur,
die uns den örtlichen Einsatz ermöglicht und vorbereitet
hatte, einen Mann, der sich mit seinen Freunden unendliche
Mühe gab, jeden Wunsch von unseren Lippen abzulesen und zu
erfüllen.
Nach 4 Stunden Ruhepause begann am Morgen des 13.01.03 ein offizieller
Empfang mit nicht enden wollenden ministeriellen Ansprachen und
Lobsagungen, die ich übermüdet nurim Halbschlaf überstand,
um dann endlich das Krankenhaus zu besichtigen, unsere geplante

offizielle Empfangszeremonie
Dieses zu beschreiben, fällt mir auch jetzt mit
Abstand noch schwer und eigentlich können nur Bilder ausdrücken,
was man einfach nicht für möglich hält, dass nur
noch eine Baracke oder ein Feldlazarett als Negativsteigerung vorstellbar
scheint.
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| Stromverteiler |
Sterilisation |
Es wurde uns schell bewusst, dass wir keinen Faden
oder Handschuh zuviel mitgeschleppt hatten, weil nichts wirklich
Sauberes oder Funktionierendes vorhanden war.
Die erste Patientensichtung vermittelte ähnliche Gefühle,
es waren über 100 Patienten aus
umliegenden Gemeinden und Regionen für uns ausgewählt
worden, die Ärmsten der Armen
mit unglaublich entstellenden Verbrennungsnarben und Kontrakturen,
mit allergrößten Erwartungen in Ihren Augen. Darüberhinaus
Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, auch noch bei Erwachsenen mit nur zum
Teil erfolgtem Lippenverschluss, wie man sie in unseren Breiten
an Ausmaß und Fülle nicht antrifft.
So begannen wir schon am Morgen den 14.01.03 an zwei Operationstischen
die Arbeit. Und Dank unseren Schwestern, die alle Siebe und Materialien
auf das Beste zusammengestellt, organisiert und improvisiert hatten,
erstaunlich reibungslos, bis in den Abend; um dann bei Stromausfall
mit Taschenlampen und Kerzen weitere Patienten zu sichten, vorzubereiten
und zu visitieren.
Dieser Tagesablauf prägte unseren Aufenthalt und ich muss mit
großem Respekt vor jedem
einzelnen des Teams sagen, dass ich nicht zu träumen gewagt
hätte, mit welchem Enthusiasmus und Durchhaltevermögen
im Angesicht der Not jeder einzelne sich einbrachte, ohne Proteste,
bis zur Erschöpfung. Der Dank der Menschen war Ansporn und
die größte Belohnung zugleich.
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| Beide Fünferteams an 2 OP-Tischen
in einem OP-Saal |
Patientenvorstellung bei Kerzenlicht
und Taschenlampe |
Und so gelang es mit Unterstützung eines pensionierten
plastischen Chirurgen, der hinzu-
gereist war und einige Lippenverschlüsse durchführte,
an insgesamt 51 Patienten zumeist mehrfache ausgedehnte und langwierige
OP´s durchzuführen, an 7 OP-Tagen; trotz aller Erschwernisse
wie z. B. durchgebrannten Glühbirnen der OP-Lampen, die Herr
Dr. Horner in genialer Weise durch organisierte LKW-Birnen ersetzte,
oder dem fehlenden Aufwachraum, den Herr Dr. Hagenah als Anästhesist
neben der Narkose im Flur improvisierte.
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| Beidseitige LKG_Spalte |
nach dem beidseitigen Lippenverschluß |
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| Rechte Hand von Verbrennungskelloiden
und
Kontrakturen überzogen und funktionslos |
nach Kelloidabtragung, Kontrakturlösung
und
Spalthauttransplantation |
Nach einer Pause am Sonntag den 19.01.03 mit kleinen Ausflügen
in die Stadt und Umgebung, zu Ahom- Königstempeln und- gräbern
und in die Realität der Armut, mit einem bebenden musikalischen
Abend einer lokalen Volkloretanzgruppe, setzen wir
unsere Bemühungen bis zum Abend des 21.01.03 fort, bis zur
letzten Minute.
Aufgrund des ständig feuchtkalten nebligen Klimas und der
unsicheren Flugverbindungen mussten wir unsere Rückreise rechtzeitig
antreten, am frühen Morgen des 22.01.03; diesmal
mit Jeeps und einem LKW für das Gepäck und wie täglich
und inzwischen vertraut, mit je zwei Soldaten, Kalaschnikows im
Anschlag zu unserem Schutz.
Der schnelle Abschied fiel jedoch schwer, viele Patienten, die nicht
versorgt werden konnten,
blieben traurig und enttäuscht zurück, die vielen dankbaren
Helfer, alle waren wir nicht glücklich wie schnell die Tage
vergangen waren; aber alle trösteten sich mit der Aussage und
dem Glauben daran, dass dieser erste Schritt nur der Anfang sei
einer weiteren wachsenden
Zusammenarbeit.
So traten wir die Rückreise durch Assam an, jetzt bei Tag
, vorbei an Reisfeldern und durch endlose Teeplantagen und den Kaziranga-Nationalpark.
Ein Erlebnis, das wohl unbeschreiblich bleiben wird, nach all dem
Trubel, dem Lärm und der Rastlosigkeit, absolute Stille in
einer sich selbst überlassenen Natur, einem Paradies gleichend,
wo ein Elefant in der Ferne badet, und der Mensch aus Demut innehält,
nichts ordnet und nichts beschränkt.
Eine morgendliche Frühstücks-Bootsfahrt auf dem Bramaputra,
der Lebensader Assams, ein
nochmaliges typisches Assam-Abendessen, Geschenke über Geschenke
und Dank ohne Ende, Großzügigkeit wo wir uns hinwandten.
Die nüchterne Realität holte uns erst wieder ein bei
den Verhandlungen bezüglich unseres
Übergepäcks mit British Airways in Kalkutta; denn trotzdem
wir alles Verbrauchsmaterial als Geschenk zurückgelassen hatten,
waren es immer noch über 500 kg und somit Unsummen Übergepäcks
und diesmal keine Frau Deseke, kein wirklichen Wohlwollen, sture
Bürokraten.
Nur mit Tricks wie Umladung in das Handgepäck und der Großzügigkeit
von Herrn Saikia, der uns schützend bis Kalkutta begleitet
hatte, kamen wir mit einem " blauem Auge" zum Heimflug.

Abschied von den Patienten
Auf Indien im Abflug herunterblickend mischten sich die Gefühle
der Erschöpfung mit
der Bewunderung dieser Menschen und des Landes, der Freundlichkeit
der meisten die wir
getroffen hatten, der Bescheidenheit und der Würde, die sie
trotz Ihrer Armut und ihrem getragenen Leid ausstrahlten.
Ein schwerer Abschied !
Und in die müden Gesichter des Teams blickend fielen mir voller
Bewunderung die Worte Saint Exuperys ein: Eine Gemeinschaft ist
nicht eine Summe von Interessen, sondern die Summe an Hingabe.
Die unendliche Hingabe dieser "eigentlich Fremden" war
es, die Sie mir nicht mehr fremd erscheinen ließ!

Das Team! Abschied in Düsseldorf
Danke an: Dr. med. Franz Jostkleigrewe, Duisburg, Plastische und
Verbrennungschirurgie.
Dr. med. Karli Döring, Chemnitz, Plastische und MKG-Chirurgie.
Dr. med. Jürgen Hagenah, Lüdenscheid, Anästhesiologie.
Dr. med. Gerd Horner, Werl, Gynäkologie und Geburtshilfe.
Dr. med. Hartmut Lotz, Schwalm-Eder, Anästhesiologie
Heike Geller, Lüdenscheid, OP-Schwester.
Renate Plesken, Solingen, OP-Schwester.
Gisela Blöhm, Duisburg, Anästhesieschwester.
Claudia Engel, Schwalm-Eder, Anästhesieschwester
Wir bedanken uns bei pro interplast Seligenstadt e.V. für
die Finanzierung.
Jürgen Herr
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