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Coroatá
/ Brasilien 2003
Nach Abschluss der Vorbereitungen traf sich das 9-köpfige
Team, bestehend aus 4 plastischen Chirurgen(in), 2 Anästhesistinnen,
1 Anästhesieschwester, 1 OP-Schwester und 1 Medizinstudentin,
pünktlich zur vereinbarten Zeit am Flughafen Frankfurt, Freitag
den 05.09.03.
Als wir müde das Ziel unserer Reise am 06.09. erreichten, war
es bereits dunkel. Der Empfang durch Schwester Veronika war sehr
herzlich, sie vermittelte das Gefühl Familienmitglieder kehren
nach Hause. Wir brachten die Koffer in den OP, Sr. Veronika zeigte
uns die Zimmer. Alsdann trafen wir uns wieder zu einem gemeinsamen
Abendessen. Nach zeitigem Frühstück am nächsten Morgen
lernten wir einen Teil der Helfer kennen, die bei jedem solcher
Einsätze mitarbeiten. Ortsansässige Männer und Frauen,
jeder und jede mit seiner jeweiligen Aufgabe betraut, z.B. in der
Küche, in der Wäscherei, zu den Krankentransporten, im
Aufwachraum, im Sterilisations- und Waschraum und im OP.
Mahon half im OP, sie erwies sich als große Hilfe für
mich. Wir betraten zusammen den "Steri"-Raum. Hier gab
es verschiedene Arten von Containern, mehrere Tische, ein Becken
zum Instrumente putzen und ganz wichtig: den Sterilisator.
Der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss war: "Oh Gott,
wie soll ich das schaffen?"
Tausend Fragen gleichzeitig kamen mir in den Sinn, außerdem
unterschwellig ein Gefühl des Zeitdrucks; Die Doc´s sahen
sich bereits seit dem frühen Morgen Patienten an und schrieben
OP-Pläne, ich hatte noch nicht eine einzige sterile Pinzette,
geschweige denn die Kenntnisse in welchen Container ich was hinpacken
sollte, oder wie die Container in den Sterilisator zu stapeln sind,
oder wie das Gerät überhaupt funktioniert.
Ganz ruhig, eins nach dem anderen, erst mal die Container; Mahon
und ich reinigten die Container, wechselten Filter aus und packten
Tücher, Kittel, Instrumente und Kompressen hinein. Ich belud
den Steri, na ja, so wie ich dachte, dass es funktionieren müsste.
Jedem Container legte ich einen Indikator bei. Mahon schaltete das
Gerät ein.
Wir füllten die nächsten Container, sodass für mehrere
Steriladungen Material bereitstand. Während das Gerät
arbeitete, bereitete ich im OP-Saal meine sterile Ecke vor. Es tauchten
2 Erbe-Geräte auf, das Zubehör fand sich etwas später:
Welches Kabel zu welchem Gerät?
-> Test -> ab zum sterilisieren damit.
Die erste Ladung des Sterilisators war fertig. War der Vorgang korrekt
abgelaufen? Sind die Indikatoren umgeschlagen?
Ich öffnete einen Container und sah mir den Streifen an - es
hatte funktioniert, der Farbumschlag war da. Gleich wieder beschickt
und eingeschaltet.
Noch an diesem Sonntagabend wurden die ersten 6 Patienten operiert.
Nach OP-Ende gemeinsames Abendessen, danach mochte der Steri noch
mal bedient sein. Darauf folgte die Absprache des OP-Programms für
den nächsten und ein Rückblick auf den vergangenen Tag.
Die Zusammenarbeit im Team war von Anfang an schon sehr gut, wir
sprachen uns ab und halfen uns gegenseitig, der Ablauf wurde immer
runder und die Anspannung der ersten Tage legte sich. Meine größte
Befürchtung, der Sterilisator würde ausfallen, trat glücklicherweise
nicht ein.
So konnten während unseres Aufenthaltes an 10 OP-Tagen 120
Patienten operiert werden.
Der Tag begann früh um 7:00 Uhr mit dem Frühstück,
dann OP herrichten, nach der morgendlichen Visite begann der OP-Betrieb,
Ende in der Regel zwischen 20:00 und 23:00 Uhr. Das hieß für
mich als OP-Pflegekraft nicht nur Instrumententische zu richten
und anzureichen, sondern auch die Instrumente wieder aufzubereiten
(mit Hilfe 2er Jungs aus Coroata) und zu Sterilisieren. Es hieß
für mich ebenso immer Tücher, Kittel und Kompressen in
ausreichender Menge steril vorrätig zu halten.
Außerdem musste für den nächsten OP-Tag Instrumentarium
und alles Andere sterilisiert werden, um nicht in der Nacht noch
mal am Sterilisator arbeiten zu müssen. Wobei ich nicht umhin
kam, nach dem Abendessen, während die Visite lief, nochmals
den Steri zu beschicken und diesen wiederum nach Ablauf des Sterilisationsvorgangs
zu öffnen. Das hieß für mich, alleine, im Dunkeln,
durch den Garten in das OP-Gebäude zu gehen, mit dem Wissen,
dass bereits eine giftige Schlange und eine Vogelspinne aufgetaucht
waren.
Einen Tag OP-Pause gönnten wir uns, um etwas vom Land und seinen
Menschen zu sehen, um kennen zu lernen wo unsere Patienten zuhause
sind.
So besuchte Sr. Mirjam mit uns einen Kindergarten und eine Familie
im Interieur. Bei aller Armut wurden wir doch sehr gastfreundlich
empfangen und sogar bewirtet.
Die Zeit in Coroata war eine schöne Zeit, die geleistete Arbeit
und erbrachten Anstrengungen wurden durch die Herzlichkeit der Menschen
und die Dankbarkeit der behandelten Patienten um ein vielfaches
vergolten.
Ich fühlte mich umgeben von Freunden.
Andrea Schäfer , Op-Schwester in Bad Kreuznach
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