Indien-Einsatz in Coimbatore 07. bis 21. Februar 2003

Einsatz 54

Unser Highlight des Jahres

Team:
Dr. Nuri Alamuti (Plastischer Chirurg, Bad Kreuznach -Teamleiter)
Dr. Helmut Krause (Anästhesist, Ilmenau)
Dr. Christian Scholz (Anästhesist, Erfurt)
Dr. Ingo Tusk (Orthopäde, Frankfurt)
Dr. Ruth Ahlers (Plast. Chirurgin, Bad Kreuznach)
Frank Folchert (OP-Pfleger, Bad Kreuznach)
Britta Hotzel (OP-Schwester, Bad Kreuznach)
Sabine Ahrberg (PJ-Studentin, Hannover)

Dass dieser Einsatz ein ganz besonderer sein würde, war bereits bei der Ankunft in Coimbatore klar: Eine große Delegation unserer Partner vor Ort, des Rotary-Clubs Coimbatore-Midtown hatte sich an den entscheidenden Kontrollstellen des Flughafens postiert, so dass eine Einreise ohne jegliche Gepäckkontrolle, vorbei an langen Warteschlangen völlig stressfrei möglich war. Der Empfang war vom ersten Moment an von einer unaufdringlichen Freundlichkeit und großen Herzlichkeit. Die Fahrt vom Flughafen in zahlreichen Privatautos der Rotarier und die kostenlose Unterbringung und Verpflegung in einem Hotel, welches ebenfalls im Besitz einer Rotarierin war, waren Ausdruck des starken persönlichen Einsatzes jedes Einzelnen vor Ort.


Wir hatten es mit einem perfekt organisierten Team von Rotariern zu tun, die fast ausschließlich im nichtmedizinischen Bereich tätig waren, noch keinerlei Interplast-Erfahrung hatten, und trotzdem eine hervorragende Vorarbeit geleistet hatten: ca. 200 Patienten waren bereits zum "screening" vorselektiert, 2 separate OP-Säle waren sofort einsatzbereit, ein Plastischer Chirurg und ein Anästhesist vor Ort standen uns ständig beratend, freundschaftlich und engagiert zur Seite und sowohl Stations- als auch OP-Schwestern waren zu uneingeschränktem Einsatz rund um die Uhr bereit. Im Sri Rama Krishna Krankenhaus, einem privaten Haus mit ca. 300 Betten und einer angeschlossenen Krankenpflegeschule war alles auf unser Kommen vorbereitet und eingerichtet, zwei Stationen standen für Interplast-Patienten bereit.
Der Einsatz stand für uns unter dem Motto: "Jeden Tag ein neues Highlight", was besonders durch enorme Einsatzbereitschaft aller Beteiligten vor Ort geprägt wurde. Zum Beispiel hatte die leitende Stationsschwester dafür gesorgt, dass alle Patienten täglich eine warme Mahlzeit gratis bekamen (was in indischen Krankenhäusern absolut unüblich ist!), indem sie gemeinsam mit ihrer Tochter täglich für alle das Essen kochte.
Von derselben bemerkenswerten Herzlichkeit war auch der Umgang der Rotarier mit den Patienten: alle Patienten bekamen bei der Entlassung kleine Glücksbringer geschenkt und wurden persönlich von einem verantwortlichen Rotarier verabschiedet. Interessanterweise war die Organisation im Rotary-Club so, dass täglich eine Person speziell für unseren Transport, eine Person für die Patienten und einer speziell für unser leibliches Wohl verantwortlich war (während alle anderen sich selbstverständlich ständig um alles weitere bemühten...)

Als weiteres Highlight muss auch die Einladung seitens der Krankenpflegeschule an unsere beiden OP-Pflegekräfte genannt sein, wo im Rahmen eines kleinen Symposiums mit allen Schülern und Schülerinnen zum Austausch über Hygienemaßnahmen und Vorbereitungen im Op aufgefordert wurde. Damit zeigten sogar zunächst am Einsatz unbeteiligte einen bemerkenswerten Wunsch nach Austausch und Kooperation, sowie großes Interesse an unseren Vorgehensweisen. Frank Folchert und Britta Hotzel durften sich nebenbei (die Veranstaltung fand morgens um 7 Uhr statt, vor Beginn des OP-Programms...) als Dozenten für indische Schwesternschüler und -Schülerinnen betätigen!

Trotz eines täglichen OP-Programms von 10-12 Stunden waren wir mit den Indern und ihren Familien schnell so vertraut, dass das bei anderen Einsätzen oft fast lästige allabendliche Programm nicht nur in angestrengter Höflichkeit, sondern tatsächlich in Freude und Freundschaft begangen wurde. Wir hatten bei zahlreichen Einladungen in Privathäuser die Gelegenheit, ein wenig hinter die Kulissen zu schauen und direkten Kontakt zu den Familienangehörigen unserer Partner zu bekommen.
Der Einsatz war zudem für uns alle von einer unvergesslichen Spiritualität geprägt, weil uns unsere Gastgeber durch einige sehr private Tempelbesuche und -Führungen auf liebevolle Weise einen Einblick in Ihre religiösen Bräuche geben konnten.

Nach zum Glück völlig komplikationslosen 100 Operationen an insgesamt 80 Patienten (es handelte sich um ein übliches Interplast-Spektrum mit etwa zur Hälfte Verbrennungen und Spalten, sowie einigen Neurofibromatosen und Tumoren), konnten wir mit einem guten Gefühl die Patienten unserem absolut zuverlässigen indischen Kollegen Thurunganam zur Nachsorge überlassen. Die Stationsschwestern hatten für die lückenlose Dokumentation eines "Übergabeberichts" gesorgt, so dass jeder Patient einen verlässlichen Nachsorgetermin erhielt.
Erwartungsgemäß wurde es nach 2-wöchigem Einsatz mit 12 Op-Tagen ein sehr tränenreicher Abschied von unseren liebgewonnenen Freunden und Kollegen in Coimbatore und es blieb der feste Wunsch aller Beteiligten diesen wunderbaren Einsatz in jedem Fall zu wiederholen!
Der freundschaftliche e-mail Kontakt, vor allem zum Hauptverantwortlichen N. Vasudevan "Vasu", dem damaligen Präsidenten des Rotary-Clubs , ist bis heute nicht abgebrochen...


Ruth Ahlers

 

 

Interplast
Einsatzberichte 2009

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