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Einsatz 54
Unser Highlight des Jahres
Team:
Dr. Nuri Alamuti (Plastischer Chirurg, Bad Kreuznach -Teamleiter)
Dr. Helmut Krause (Anästhesist, Ilmenau)
Dr. Christian Scholz (Anästhesist, Erfurt)
Dr. Ingo Tusk (Orthopäde, Frankfurt)
Dr. Ruth Ahlers (Plast. Chirurgin, Bad Kreuznach)
Frank Folchert (OP-Pfleger, Bad Kreuznach)
Britta Hotzel (OP-Schwester, Bad Kreuznach)
Sabine Ahrberg (PJ-Studentin, Hannover)

Dass dieser Einsatz ein ganz besonderer sein würde, war bereits
bei der Ankunft in Coimbatore klar: Eine große Delegation
unserer Partner vor Ort, des Rotary-Clubs Coimbatore-Midtown hatte
sich an den entscheidenden Kontrollstellen des Flughafens postiert,
so dass eine Einreise ohne jegliche Gepäckkontrolle, vorbei
an langen Warteschlangen völlig stressfrei möglich war.
Der Empfang war vom ersten Moment an von einer unaufdringlichen
Freundlichkeit und großen Herzlichkeit. Die Fahrt vom Flughafen
in zahlreichen Privatautos der Rotarier und die kostenlose Unterbringung
und Verpflegung in einem Hotel, welches ebenfalls im Besitz einer
Rotarierin war, waren Ausdruck des starken persönlichen Einsatzes
jedes Einzelnen vor Ort.

Wir hatten es mit einem perfekt organisierten Team von Rotariern
zu tun, die fast ausschließlich im nichtmedizinischen Bereich
tätig waren, noch keinerlei Interplast-Erfahrung hatten, und
trotzdem eine hervorragende Vorarbeit geleistet hatten: ca. 200
Patienten waren bereits zum "screening" vorselektiert,
2 separate OP-Säle waren sofort einsatzbereit, ein Plastischer
Chirurg und ein Anästhesist vor Ort standen uns ständig
beratend, freundschaftlich und engagiert zur Seite und sowohl Stations-
als auch OP-Schwestern waren zu uneingeschränktem Einsatz rund
um die Uhr bereit. Im Sri Rama Krishna Krankenhaus, einem privaten
Haus mit ca. 300 Betten und einer angeschlossenen Krankenpflegeschule
war alles auf unser Kommen vorbereitet und eingerichtet, zwei Stationen
standen für Interplast-Patienten bereit.
Der Einsatz stand für uns unter dem Motto: "Jeden Tag
ein neues Highlight", was besonders durch enorme Einsatzbereitschaft
aller Beteiligten vor Ort geprägt wurde. Zum Beispiel hatte
die leitende Stationsschwester dafür gesorgt, dass alle Patienten
täglich eine warme Mahlzeit gratis bekamen (was in indischen
Krankenhäusern absolut unüblich ist!), indem sie gemeinsam
mit ihrer Tochter täglich für alle das Essen kochte.
Von derselben bemerkenswerten Herzlichkeit war auch der Umgang der
Rotarier mit den Patienten: alle Patienten bekamen bei der Entlassung
kleine Glücksbringer geschenkt und wurden persönlich von
einem verantwortlichen Rotarier verabschiedet. Interessanterweise
war die Organisation im Rotary-Club so, dass täglich eine Person
speziell für unseren Transport, eine Person für die Patienten
und einer speziell für unser leibliches Wohl verantwortlich
war (während alle anderen sich selbstverständlich ständig
um alles weitere bemühten...)

Als weiteres Highlight muss auch die Einladung seitens der Krankenpflegeschule
an unsere beiden OP-Pflegekräfte genannt sein, wo im Rahmen
eines kleinen Symposiums mit allen Schülern und Schülerinnen
zum Austausch über Hygienemaßnahmen und Vorbereitungen
im Op aufgefordert wurde. Damit zeigten sogar zunächst am Einsatz
unbeteiligte einen bemerkenswerten Wunsch nach Austausch und Kooperation,
sowie großes Interesse an unseren Vorgehensweisen. Frank Folchert
und Britta Hotzel durften sich nebenbei (die Veranstaltung fand
morgens um 7 Uhr statt, vor Beginn des OP-Programms...) als Dozenten
für indische Schwesternschüler und -Schülerinnen
betätigen!

Trotz eines täglichen OP-Programms von 10-12 Stunden waren
wir mit den Indern und ihren Familien schnell so vertraut, dass
das bei anderen Einsätzen oft fast lästige allabendliche
Programm nicht nur in angestrengter Höflichkeit, sondern tatsächlich
in Freude und Freundschaft begangen wurde. Wir hatten bei zahlreichen
Einladungen in Privathäuser die Gelegenheit, ein wenig hinter
die Kulissen zu schauen und direkten Kontakt zu den Familienangehörigen
unserer Partner zu bekommen.
Der Einsatz war zudem für uns alle von einer unvergesslichen
Spiritualität geprägt, weil uns unsere Gastgeber durch
einige sehr private Tempelbesuche und -Führungen auf liebevolle
Weise einen Einblick in Ihre religiösen Bräuche geben
konnten.

Nach zum Glück völlig komplikationslosen 100 Operationen
an insgesamt 80 Patienten (es handelte sich um ein übliches
Interplast-Spektrum mit etwa zur Hälfte Verbrennungen und Spalten,
sowie einigen Neurofibromatosen und Tumoren), konnten wir mit einem
guten Gefühl die Patienten unserem absolut zuverlässigen
indischen Kollegen Thurunganam zur Nachsorge überlassen. Die
Stationsschwestern hatten für die lückenlose Dokumentation
eines "Übergabeberichts" gesorgt, so dass jeder Patient
einen verlässlichen Nachsorgetermin erhielt.
Erwartungsgemäß wurde es nach 2-wöchigem Einsatz
mit 12 Op-Tagen ein sehr tränenreicher Abschied von unseren
liebgewonnenen Freunden und Kollegen in Coimbatore und es blieb
der feste Wunsch aller Beteiligten diesen wunderbaren Einsatz in
jedem Fall zu wiederholen!
Der freundschaftliche e-mail Kontakt, vor allem zum Hauptverantwortlichen
N. Vasudevan "Vasu", dem damaligen Präsidenten des
Rotary-Clubs , ist bis heute nicht abgebrochen...
Ruth Ahlers
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