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Sechs Jahre Interplast-Hospital in Nepal
inzwischen eine Erfolgsstory für den Verein -
Wieder ging im Sushma Koirala Hospital in Nepal ein ereignis- und
arbeitsreiches Jahr zu Ende. Man glaubt es kaum, seit dem mühsamen
Beginn 1997 sind schon über 6 Jahre vergangen, ein Ende unseres
Engagements ist jedoch noch nicht in Sicht.
Nachdem bis Ende 2002 fast alle baulichen Maßnahmen dank
des erfreulichen Spendenaufkommens verwirklicht werden konnten,
galt es im vergangenen Jahr die Zahl der Operationen weiter zu steigern,
um dem unendlich erscheinenden Bedarf an plastisch-rekonstruktiver
Chirurgie und an medizinischer Basisversorgung in Nepal gerecht
zu werden. Dazu wurden in stetiger Kleinarbeit die organisatorischen
Abläufe im Hospital verbessert, das Personal in allen Funktionsbereichen
fortlaufend weitergebildet, sowie die medizinische Ausrüstung
vervollständigt. In unserem Bemühen, die Belegschaft zu
eigenständigem und vorausschauenden Handeln anzuleiten, haben
wir besonders bei unseren tüchtigen nepalesischen Krankenschwestern
ein erfreuliches Niveau erreicht, sodass es eine Freude ist mit
ihnen zusammen zu arbeiten. Insgesamt umfasst unsere nepalesische
Belegschaft nun 46 Personen, die alle aus der umliegenden Gegend
oder direkt aus der nahegelegenen Hauptstadt Kathmandu kommen.

Entsprechend der Hospitalaktivitäten wuchs auch der feste nepalesische
Mitarbeiterstamm, der jetzt 46 Angestellte umfasst. Das Hospital
verfügt zur Versorgung von bis zu 50 stationären Patienten
u.a. über 12 Krankenschwestern, 5 Pflegehelfer, die für
ihre Funktionsbereiche speziell weitergebildet wurden, 1 Laborassistenten,
1 Assistenzarzt, 1 Chirurg. Dazu kommen noch Reinigungskräfte,
Gärtner, Koch, Hausmeister, Fahrer und Pförtner. Auch
in Nepal haben wir eine sehr schlanke Verwaltung, die nur 2 Angestellte
umfasst. Nicht auf dem Bild sind unsere Teilzeitkräfte im Bereich
Anästhesie und Krankengymnastik sowie die nepalesischen Allgemein-
und Frauenärzte/innen, die wie unsere Volontäre aus Deutschland
ehrenamtlich im SKM-Hospital arbeiten.
Im vergangenen Jahr erhielten wir erneut von anderen Interplastsektionen
wertvolle Unterstützung. Mit ihrer Hilfe und unseren eigenen
Kapazitäten deckt das Hospital ein weit gefächertes Behandlungsspektrum
ab, welches in Nepal einmalig sein dürfte. Neben der Behandlung
von Verbrennungs- und Unfallfolgen ist hier besonders die Korrektur
von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten zu nennen. Außer den Chirurgen
und Anästhesisten sind ständig zahllose Volontäre,
z.B. Physiotherapeuten/innen, Krankenschwestern/Pfleger, Medizinstudenten/innen,
Techniker und andere gute Seelen zur Unterstützung hier vor
Ort und arbeiten, wie alle anderen, unentgeltlich während ihres
Urlaubes. Wir freuen uns auch sehr darüber, dass unsere Zahnstation
im vergangenen Jahr erstmals durchgängig mit deutschen Zahnärzten
besetzt werden konnte, die jeweils für einige Wochen oder sogar
Monate ehrenamtlich im Hospital arbeiteten und die zahnärztliche
Versorgung der örtlichen Bevölkerung sicher stellten.
Wie in früheren Jahren führten wir auch 2003 mehrere
Op-Camps in entlegenen Regionen Nepals durch. Dazu reisten arbeitsfähige
Teams meist für 2 Wochen in bestehende Provinzkrankenhäuser
und operierten Patienten des dortigen Umlandes. (Siehe Berichte
der Sektionen "Siebengebirge" und "Vreden").
Damit wurde vom Hospital aus, wie schon in früheren Jahren,
auch hier das klassische Interplastkonzept verwirklicht. Schwerere
Fälle wurden allerdings in unser SKM-Hospital bestellt und
zur Nachsorge konnte ein Assistenzarzt des Hospital einige Tage
zurückbleiben. Den Bedürftigen wurden damit lange und
beschwerliche Anreisen erspart und gleichzeitig konnte der Bekanntheitsgrad
des Hospitals landesweit verbessert werden. Dazu kamen sogenannte
Health- und Dental-Camps in den umliegenden Orten, in denen in eintägigen
Einsätzen allgemeinmedizinische Basisversorgung für die
umliegende Bevölkerung geleistet wurde.

Heinz Hammer(li.) und Arnulf Lehmköster
(mi.) zusammen mit unserer nepalesischen OP-Schwester Binu (re.)
am neuen OP-Mikroskop. Im Hintergrund Knud Kober, der schon seit
Jahren regelmäßig als Anästhesist im SKM-Hospital
arbeitet.
Die Ergänzung unserer medizinischen Einrichtung war uns im
vergangenen Jahr ein besonderes Anliegen. So konnte ein neues einfaches
Röntgengerät aus Indien beschafft werden. Dazu kam ein
aus Deutschland gespendetes Panorama-Röntgengerät, das
von Zahnärzten und Kieferchirurgen gleichermaßen genutzt
werden kann. Unter der fachkundigen Anleitung durch eine Röntgenärztin,
sowie mehrerer MTA aus Deutschland erhielt ein nepalesischer Pfleger
eine fundierte Ausbildung. Damit verfügt das Hospital über
eine Röntgeneinrichtung, die nicht nur der Versorgung unserer
plastisch-chirurgischen Patienten zugute kommt, sondern auch die
Behandlung von Notfällen in unserem direkten Einzugsgebiet
erheblich verbessert.

Grundlage für einen weiteren Meilenstein in der Hospitalentwicklung
war die Beschaffung eines OP-Mikroskops, mit dem das schwierige
Gebiet der Mikrochirurgie betreten werden konnte. (Siehe Bericht
Sektion Vreden).Mit diesen neuen Möglichkeiten kann vielen
Patienten mit bisher unlösbaren Problemen geholfen werden.
Allerdings erfordert dies hochqualifizierte erfahrene Chirurgen
und zusätzliche Anstrengungen bei der Ausbildung unserer nepalesischen
Ärzte.
Der letzte wichtige Baustein der Infrastruktur des Hospitals war
der Bau einer eigenen Müllverbrennungsanlage. Die umweltgerechte
Entsorgung von Krankenhausmüll stellte für uns, wie für
alle Hospitäler der sogenannten 3. Welt, ein riesiges Problem
dar. Auf dem freien Markt werden hierzu immer noch keine bezahlbaren
Lösungen angeboten. So bauten wir uns einen eigenen feuerfesten
Ofen mit einem aus Deutschland gespendeten gebrauchten Heizölbrenner
(vermittelt von der Sektion Vreden!). Damit konnten wir mit einfachsten
Mitteln unser Müllproblem lösen, was inzwischen landesweite
Beachtung findet und andere Hospitäler zur Nachahmung veranlassen
dürfte.
Mit Abschluss der Investitionen sind nun alle baulichen
und technischen Voraussetzungen geschaffen, um die medizinische
Hilfe für die Bevölkerung zu verbessern. Die Spendengelder
stehen seitdem ausschließlich für den laufenden Betrieb
zur Verfügung. Die Kosten für eine Operation liegen immer
noch unter 100,- €uro, in dem auch die Kosten für alle
weiteren Hospitalleistungen (z.B. Krankenwagen, Zahnstation, Allgemeinsprechstunde,
Krankengymnastik, med. Hilfsmittel...) anteilig enthalten sind.
Alle Patienten müssen sich entsprechend ihrer finanziellen
Möglichkeiten an den Behandlungskosten beteiligen, denn auch
hier gilt trotz bedrückender Armut: Was nichts kostet, ist
letztlich nichts wert. Jedoch gilt weiterhin unser oberster Interplastgrundsatz,
dass jedem Bedürftigen eine fachgerechte Behandlung ermöglicht
und niemand wegen fehlenden Geldes abgewiesen wird. Immerhin gelingt
es schon ca. 20 % der laufenden Kosten durch Einnahmen abzudecken!
Interplast-Kassenwart und Hospital-Ingenieur Hein Stahl an der neuen
Verbrennungsanlage, die sich besonders durch sehr geringe Baukosten
und zuverlässige, umweltgerechtere Müllentsorgung auszeichnet.
Trotz der relativ instabilen politischen Lage, die sich in den nächsten
Jahren vielleicht noch verschlechtert, führen wir unsere Arbeit
unbeirrt fort, denn gerade in unruhigen Zeiten ist der Einzelne
besonders auf unsere Hilfe angewiesen. Das Hospital wird weiterhin
von allen Parteien anerkannt und selbst bei Außeneinsätzen
in kritischen Gebieten wurde unsere Arbeit noch nie behindert. Dieses
wunderbare Land und seine sympathischen Menschen an der Südflanke
des Himalaja, zwischen den Großmächten China und Indien,
haben auf jeden Fall unsere weitere Unterstützung verdient.
Am Anfang dieses nunmehr siebten Projektjahres haben wir im Namen
unserer vielen Patienten in vielfältiger Weise zu danken. In
erster Linie unseren vielen treuen Spendern, die uns mit Geld oder
Sachspenden so großartig unterstützten. Viele kleine
Patienten bedanken sich bei ihren Pateneltern für die Übernahme
der Kosten bei langwierigen Behandlungen. Unser Dank gilt aber auch
vielen Firmen, Clubs und anderen gemeinnützigen Organisationen.
Wir danken den anderen Interplastsektionen für die wertvolle
Mitarbeit bei der Bewältigung des Op-Programms, dem Verein
ProInterplast für die Übernahme der Reisekosten der Ärzte
und Teammitglieder und dem Centrum für Internationale Entwicklung
und Migration (CIM) für die Unterstützung unserer leitenden
Schwester Christa Drigalla und des leitenden Arztes Andreas Settje.
Nicht zuletzt haben wir den vielen freiwilligen Ärzten, Schwestern,
Physiotherapeuten, Technikern u. vielen anderen Helfern zu danken.
Nicht ohne Stolz präsentieren wir unsere Homepage www.nepal-hospital.de.
Hier versuchen wir möglichst aktuell über das Geschehen
im und um das Hospital herum zu informieren.
Für das neue Jahr 2004 haben sich schon wieder Interplastteams,
aber auch andere Chirurgen und sonst. Fachleute zum Einsatz im Hospital
angemeldet. Wir nehmen diese Unterstützung von aussen gerne
an, müssen sie aber zu unserem Bedauern wegen begrenzter Unterbringungskapazität
und wegen organisatorischer Grenzen auf das Machbare beschränken.
Neben unserem Bestreben, möglichst vielen Hilfsbedürftigen
eine qualitativ hochwertige und angemessene Behandlung zukommen
zu lassen, gilt es auch, unserem strategischen Ziel, der Übergabe
des Hospitals in nepalesische Hände, jedes Jahr ein Stück
näher zu kommen. Deshalb sind auch alle Gastchirurgen, Anästhesisten,
Schwestern und sonstigen Fachleute aufgefordert jede Gelegenheit
zu suchen unser nepalesisches Personal weiterzubilden und zu trainieren.
In gemeinsamer Anstrengung und unter dem Dach von Interplast schaut
das Hospital optimistisch in die Zukunft.
Andreas Settje
Hein Stahl
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