Einsätze der Sektion Vreden in Nepal 25.04. - 10.05.03 und 20.11. - 05.12.03

Nepal 20.11. - 05.12.03 :

Der Einsatz in Nepal war zugleich ein kleines Jubiläum: Unser 10. Auslandseinsatz! Wieder war das Sushma-Koirala-Memorial-Hospital in Salambutar/Sankhu in der Nähe von Kathmandu, Nepal, unser Ziel.
Teilnehmer des Einsatzes: Dr. med. Arnulf Lehmköster, Vreden, Teamleiter; Dr. med. Heinz Hammer, Bremen; Dr. med. Enno Barlag, Vreden; Mechthild Lehmköster, Krankenschwester, Vreden.
Die INTERPLAST-Klinik in Nepal war bereits zweimal zuvor Ziel unserer Einsätze.

Andreas Settje, Hein Stahl und Arnulf Lehmköster hatten im Sommer 2002 den Entschluss gefasst, die Klinik durch entsprechende Ausrüstungsgegenstände in die Lage zu versetzen, auch mikrochirurgische Eingriffe durchführen zu können.

Mikrochirurgische Eingriffe - das sind solche Operationen, bei denen unter Zuhilfenahme des Operationsmikroskopes und entsprechend feiner Instrumente auch Blutgefäß von einem Durchmesser unter 1 mm, feine Nervenstränge etc., genäht werden können. Diese Technik ist erforderlich z.B. beim sogenannten freien Gewebstransfer: Um Gewebelücken - Knochen, Blutgefäße, Nerven, Haut, Knochen - überbrücken zu können, wird an anderer Stelle des Körpers des Patienten Gewebe, meist Muskel und Haut, entnommen so, dass es mit Hilfe der mitgenommenen Blutgefäße an ein Blutgefäß am Empfänger angeschlossen werden kann. Um z.B. einen Gewebedefekt am Unterschenkel zu überbrücken, wird ein Teil eines Rückenmuskels mit darüber liegender Haut und dem den Muskel versorgenden Blutgefäß entnommen, am Bein an ein entsprechendes Blutgefäß genäht, so dass dieser versetzte Gewebeblock durchblutet wird und entsprechend einheilen kann.

Diese Technik fordert nicht nur die entsprechende Ausrüstung, auch auf diesem Gebiete besonders erfahrende Plastische Chirurgen sind zur Durchführung derartiger Operationen notwendig. Dr. Lehmköster konnte zur Erweiterung des Vredener Teams Dr. Hammer gewinnen. Die beiden Ärzte verbrachten vor 20 Jahren eine gemeinsame Zeit ihrer Ausbildung an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Ludwigshafen. Insbesondere Dr. Hammer hat sich in
den Folgejahren auf die oben beschriebene Technik des mikrovaskulären Gewebetransfers spezialisiert. Dr. Hammer arbeitet jetzt in Bremen an der Abteilung für Plastische Chirurgie des Zentralkrankenhauses St. Jürgen-Straße.

So übernahm Dr. Hammer bei den mikrochirurgischen Eingriffen die Führung im Op..Im Team, zusammen mit den Vredener Ärzten, aber auch unter Beteiligung der einheimischen Ärzte, wurden 5 große derartige Operationen durchgeführt. Derartige Eingriffe dauern zwischen 6 und 12 Stunden!

Anhand eines konkreten Beispieles soll das mikrochirurgische Vorgehen nochmals erläutert werden:

Buddhi ist ein 43-jähriger Mann, der vor einigen Jahren einen schweren Autounfall erlitten hatte. Als Folge des Unfalles war sein rechter Arm vollständig gelähmt und gebrauchsunfähig, die Durchblutung des Armes aber war intakt. Zusätzlich hatte er sich einen offenen schweren Oberschenkelbruch zugezogen, der trotz mehrmaliger Operationen nicht heilte. Im Gegenteil: Es verblieb am rechten Oberschenkel ein riesiger Knochen und Haut-Weichteildefekt.

In einer 12-stündigen Operation wurden nun große Knochen und Muskel-Hautsegmente des rechten Armes geopfert, um mit Hilfe dieser den großen Defekt am rechten Bein zu überbrücken. Unter dem Operationsmikroskop wurden die feinen Blutgefäße zusammengefügt.

Weitere Schwerpunkte unserer Arbeit waren wieder die immer so zahlreich vorhandenen Patienten mit Verbrennungsfolgen, Druck-Liegegeschwüren im Gesäßbereich aufgrund von Querschnittslähmung, Weichgewebstumoren etc..

Ein Teil des Teams fuhr für 3 Tage in den Süden Nepals, um erste Kontakte mit der dortigen Krebs-Klinik anzuknüpfen. Ärzte des B.P.-Koirala Memorial Cancer Hospitals in Bharatpur, Chitwan, hatten um unseren Besuch gebeten, um Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zwischen diesem speziellen Krebs-Hospital und der Interplast-Klinik in Sankhu herauszuarbeiten. Am 1. Tag wurde uns die Klinik vorgestellt, wir waren überrascht über die teilweise großzügig ausgebauten Gebäude, ausgezeichnet ausgestatteter Abteilungen für Pathologie (feingewebliche Untersuchungen) und Strahlentherapie. Die operativen Möglichkeiten waren eher bescheiden, teilweise auch widersprüchlich: ein Basis-Instrument der plastisch-rekonstruktiven Chirurgie, ein sogenanntes Dermatom (Hauthobel) fehlte. Ein Operationsmikroskop fand sich in der Klinik, nicht jedoch mikro-chirurgisches Instrumentarium. Die Operationssaal-Lampe gab nur spärliches Licht ab .....
Die dortigen Chirurgen waren gleichwohl sehr interessiert, in einigen Vorlesungen konnten wir die Grundzüge der plastisch-rekonstruktiven Chirurgie erläutern. An unserem letzten Tag führten wir mit den einheimischen Ärzten eine Unterlippen-Rekonstruktion nach Entfernung eines großen Karzinoms der Unterlippe durch.

Mit der Klinik in Chitwan vereinbarten wir regelmäßige Kontakte zum Sushma-Koirala-Memorial
Hospital, Patienten- und Ärzteaustausch etc.

 

 

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Einsatzberichte 2010

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