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Paraguay, das zweitärmste Land Südamerikas, war der Einsatzort
des Interplast-Teams aus dem Markus-Krankenhaus Frankfurt.
Unter der Leitung von Priv.Doz. Dr. Klaus Exner reiste das achtköpfige
Team, bestehend aus den beiden OP-Schwestern Myriam Menn und Nicole
Heilmann, der Anästhesieschwester Karin Frank, den Anästhesisten
Dr. Stefania Daradimos und Dr. Evgeny Kunits sowie den Chirurgen
Dr. Bianca Baican und Dr. Enrique Dürksen vom 15.11. bis 03.12.2002
nach Asuncion. Bereits im Jahr 2001 war das Team in zwei unterschiedlichen
Krankenhäusern in Paraguay tätig geworden.
Die Einsätze waren von der in Paraguay ansässigen Familie
des Kollegen Enrique Dürksen und den mennonitischen Kolonien
vorbereitet worden. Die Mennoniten, die einst aus Friesland auszogen,
um in Russland, Kanada und letztlich auch in Paraguay und Bolivien
zu siedeln, sind in ihren Lebensgemeinschaften gut situiert und
hervorragend organisiert. Im Jahr 2002 wurde der Einsatz von der
Kolonie Volendam organisiert.
Die Siedler dieser Kolonie waren um 1937 mit dem Dampfschiff Volendam
in Paraguay angekommen. Zur Zeit zählt die Kolonie ca. 600
Mitglieder. Gemeinsam mit einem Bruder unseres Kollegen Dürksen,
der mit der Christopher-Blindenmission als Augenarzt große
Hilfsprojekte in Paraguay aufgebaut hat, wurde unser Einsatz im
Krankenhaus Volendam in San Pedro vorbereitet. Diese Region ist
die ärmste in ganz Paraguay.
Der Koloniepfarrer Joseph Friesen hat in mühevoller und monatelanger
Arbeit die Bevölkerung der Gegend auf unser Kommen vorbereitet
und entsprechende Patienten ausgewählt. Hierfür legte
er über 2.000 km in unwegsamen Gelände zurück. Er
suchte nach Patienten mit angeborenen Fehlbildungen, vorwiegend
Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, Handfehlbildungen, Blutschwämmen
und ähnlichen Erkrankungen, die in dieser Gegend auf keine
medizinische Hilfe hoffen können.
Ca. 60 Patienten wurden von zwei jungen Plastischen Chirurgen aus
Asuncion und einer Sozialarbeiterin bereits vor unserem Eintreffen
untersucht und beraten. So gab es schon einen fast vollständigen
Operationsplan für die 12 Einsatztage im OP. Wir konnten uns
im Vorfeld von Frankfurt aus auf die Beschaffung der Sachspenden
von der Industrie konzentrieren. In diesem Jahr war der Spendenfluss
jedoch spärlicher als im vergangenen Jahr: Viele Firmen hatten
bereits die Flutopfer in Sachsen unterstützt. Dennoch reisten
wir mit 31 Kartons voller Nahtmaterial, Verbandsstoffen, Anästhesiematerial,
Narkosemittel, Antibiotika, OP- Instrumente und vielen anderen wichtigen
Dingen in Richtung Asuncion. Für eine großzügige
Gepäckregelung durch die Lufthansa und die Beschaffung günstiger
Flugtickets sind wir wieder einmal Frau A. Simon-Kares überaus
dankbar. Probleme gab es erst bei der Einreise in Paraguay, da die
Zollbehörde uns mit unserem 200 kg schweren Gepäck nicht
einreisen lassen wollte. Erst durch viel diplomatisches Geschick,
insbesondere der Freunde des Rotary-Clubs Asuncion konnten wird
nach einigen Stunden den Flughafen mit allen Gepäckstücken
verlassen.
Der Empfang durch Familie Dürksen, die plastisch-chirurgischen
Kollegen in Asuncion und die rotarischen Freunde war dann umso herzlicher.
Das Team wurde zunächst in den rotarischen Familien in Asuncion
untergebracht und am folgenden Tag im Jeep-Konvoi 8 Stunden lang
über staubige und holperige Wege nach Volendam gefahren. Die
Kolonie hatte dort bereits Spenden gesammelt, um den Krankenhausaufenthalt
für die Patienten und auch die Versorgung nach der Krankenhausentlassung
sicher zu stellen. Hierfür hatte man auch den Sportsaal einer
Schule geräumt und Krankenlager für die Patienten eingerichtet,
die aus dem Krankenhaus entlassen werden konnten. Abends wurde hier
auch Musik gemacht und ein Unterhaltungsprogramm gestaltet, so dass
die Patienten sich in dieser freundlichen Umgebung sehr rasch von
Ihren Operationen erholen konnten. Dank dieser wundervollen Unterstützung
durch die Mennoniten der Kolonie Volendam, insbesondere Frau Helmine
Funk, konnten wir in 2 Wochen über 60 Patienten operieren.
Es waren meist größere Operationen von 2 bis 3 Stunden
Dauer. Wir hatten 2 Operationstische in einem kleinen OP-Saal aufgestellt
und verfügten über 2 Narkosegeräte, so dass alles
nahezu reibungslos ablaufen konnte. Auch die postoperative Pflege,
meist durch mennonitische Krankenschwestern war hervorragend, so
dass alle Patienten geheilt oder doch weit gebessert das Krankenhaus
wieder verlassen konnten. Zusammen mit unserem Einsatz des Jahres
2001 sind in Paraguay an drei Einsatzorten über 140 Patienten
erfolgreich behandelt worden.
Aufgrund großer Armut und einseitiger Ernährung ist
die Häufigkeit von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten gerade in Paraguay
besonders hoch. Fehlende Mineralsalze, Vitamine und Eiweiße
belasten den Gesundheitszustand dieser Kinder erheblich, so dass
der Zahnstatus mit 10 Jahren oft schon so schlecht ist, dass normales
Kauen und Beißen unmöglich wird. Wir haben deshalb gemeinsam
mit dem Rotary-Club Asuncion-Central, der Fundacion Vision und ärztlichen
Kollegen aus Paraguay das Programa Sonrisa auf den Weg gebracht.
Mit diesem Programm soll sichergestellt werden, dass in den unterentwickelten
Regionen Paraguays Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten eine
kompetente operative und interdisziplinäre Versorgung zukommt.
Hierfür werden Mittel des Rotary-Clubs Frankfurt-Römer
und weitere Spendenaktivitäten von Interplast und pro-Interplast
benötigt. Das Engagement der plastisch-chirurgischen Kollegen
in Asuncion, der Familie Dürksen und vieler Helfer in den mennonitischen
Kolonien wird dazu beitragen, dass Programa Sonrisa in den kommenden
Jahren zu erweitern.
Wir blicken auf zwei erfolgreiche Interplast-Einsätze in
Paraguay zurück und danken an dieser Stelle ganz besonders
Frau Waltraud Huck, die mit der Gründung von pro-Interplast
und unermüdlichem Einsatz auch diesmal unschätzbare Hilfe
geleistet hat. Ein weiterer Dank gilt der Firma Baxter, die anlässlich
unseres Paraguay-Einsatzes eine großzügige Spende von
10.000 $ geleistet hat, mit der spezielle Operationsinstrumente
zur Versorgung der Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten angeschafft
wurden.

Bianca Baican
Enrique Dürksen
Klaus Exner
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