Hospital Nacional Salama, Verapaz, Guatemala 2002
In diesem Jahr war ein Team der Sektion Schopfheim als 1. Ärzteteam aus Deutschland zu einem Operationseinsatz vom 13.02. - 01.03.02 in Guatemala.

Die Verbindung kam zustande durch die Beziehung einer Intensivschwester des Kreiskrankenhauses Schopfheim zu einem Krankenhaus in Solola. Die lokalen logistischen Probleme konnten dort jedoch nicht überwunden werden, nicht zuletzt deswegen, weil im vorgesehenen Zeitraum auch ein amerikanisches Ärzteteam vor Ort war. Eine Konkurrenzsituation sollte nicht aufkommen, obwohl es sich um eine andere Fachrichtung handelte.

Es gelang in kürzester Zeit durch den unermüdlichen Einsatz von Dr. Herbert Macz und seine Frau Elo, die für eine dortige Hilfsorganisation tätig sind, die Voraussetzungen zu einem Operationseinsatz in Salama / Vera Paz zu schaffen.

 

 

Es darf nicht verkannt werden, dass wir durch diese Umstände zunächst etwas irritiert waren und mit entsprechender Skepsis an die Arbeit gingen. Die Reserviertheit war naturgemäß bei unseren Partnern ebenfalls vorhanden, auch beim Krankenhauspersonal. Es gelang uns jedoch innerhalb kürzester Zeit "das Eis zu brechen" und ein mehr als freundschaftliches Verhältnis zu schaffen.

Begonnen hatte der Einsatz unter erschwerten Bedingungen, da das Flugzeug nicht wie vorgesehen in Guatemala City wegen eines Lotsenstreikes landen konnte, sondern nach San Salvador umgeleitet werden musste. Nachdem wir Guatemala City mit über einem Tag Verspätung nach einer beschwerlichen Busreise erreichten, ging es am nächsten Tag weiter nach Salama, ca. 150 km nördlich von Guatemala City. Es handelt sich eine etwa 20.000 Einwohner große, sehr ärmliche Provinzhauptstadt von Baja Verapaz.

Dort fanden wir in dem Hospital Nacional jedoch weitgehend ideale Bedingungen vor. Es handelt sich um ein etwa 100 Betten großes Krankenhaus in einem guten baulichen und hygienischen Zustand. Viele Großgeräte wie Narkoseapparate, Laborgeräte, Röntgengeräte usw waren von Japan erst vor etwa 5 Jahren geliefert worden und befanden sich in einem sehr guten Zustand. Z.T. waren sie noch nicht benutzt. Verbrauchsmaterial war allerdings Mangelware, hiermit waren wir jedoch gut versorgt. Die Operationssäle waren groß, sauber und mit Klimaanlage ausgestattet. Ärztlicherseits gab es dort 5 Kollegen, die ständig in diesem Krankenhaus beschäftigt waren, sowie weitere, die aus Guatemala City kommend für 1 Jahr in der Provinz tätig sein mussten.

Eine große Hilfe war für uns Frau Dr. Erica, eine ausgesprochen versierte Anästhesistin, die wenn immer Ihre Zeit es zuließ ( sie war ständig mit Kaiserschnitten und gynäkologischen Notfällen beschäftigt), uns hilfreich zur Seite stand und Parallel-Operationen ermöglichte.

Ebenfalls eine große Hilfe war uns Dr. Edwin aus Coban, der nahezu während der gesamten Zeit und assistierte und das logistische postoperative Management übernahm, wobei dies uns so wertvoller war, als er das Hospital aus früherer eigener Tätigkeit kannte und auch über leidliche Englischkenntnisse verfügt.

Das Pflegepersonal war ausreichend vorhanden, arbeitete jedoch nur im Hintergrund für uns, wie z.B. das Sterilisieren der Instrumente. Für eine Assistenz bei Eingriffen stand es nicht zur Verfügung. Auch auf den Stationen war die Kompetenz für uns nicht zu durchblicken.

 

 

Die Sprache war zunächst ein kleines Hindernis, da wir mit einer Ausnahme keine spanischen Sprachkenntnisse hatten, andererseits dort die Englischkenntnisse auch sehr zu wünschen übrig ließen. Die Verständigung klappte dann aber zunehmend besser.

Die Bevölkerung war über die Medien von unserer Tätigkeit im Krankenhaus von Salama informiert worden. Da ein solcher Operationseinsatz bisher noch nie stattgefunden hatte, waren die Menschen zunächst offenbar doch skeptisch und erst im Laufe unserer dortigen Arbeit kamen zunehmend mehr Patienten. In Guatemala soll es nur wenige Plastische Chirurgen geben, die in Guatemala City eine Privatklinik haben und deren Honorare für die Normalbevölkerung nicht bezahlbar sind.

 

Sonnenuntergang Panajachel am Attitlan-See

Das Spektrum war gegenüber den Einsätzen in Indien und Afrika etwas anderes. Die Verbrennungsfolgen standen diesmal nicht im Vordergrund, sondern nach den LKG's congenitale Anomalien, wie Polydaktylien, Syndaktylien, Hämangiome, Neurofibrome, ausgedehnte Tierfellnävi, sowie Unfallfolgen, meist nach Verkehrsunfällen. Auch zu frischen Verletzungen wurden wir hinzugezogen und konnten so ein junges Mädchen, welches kurz vor unserer Ankunft sich 3.gradige Verbrennungen an der Hand und am Unterarm zugezogen hatte, innerhalb des Einsatzes debridieren und mit Spalthaut versorgen, so dass sie am Abreisetag ebenfalls wieder aus der Behandlung entlassen werden konnte.

In den 10 Operationstagen konnten wir 80 Eingriffe durchführen, davon etwa 2/3 in Allgemeinnarkose. Da die Arbeitszeiten des Krankenhauspersonals schon gegen 14.oo endeten, waren wir im weiteren Verlauf auf uns selber angewiesen, was aber insofern ein Problem darstellte, als erst am nächsten Tag wieder sterilisiert wurde und wir gelegentlich am Morgen keine Instrumente mehr hatten.

Bei Kenntnis der Infrastruktur vor Ort kann dieses Problem im nächsten Jahr jedoch ohne größere Schwierigkeiten beherrscht werden.

Viele Patienten wurden auf das nächste Jahr vertröstet, wobei es sich im allgemeinen um solche Fälle handelte, die eine längere Überwachung benötigen und erst in den letzten 2 Tagen sich vorgestellt hatten.

Im Laufe des Einsatzes hatte sich eine schöne Freundschaft zwischen allen Beteiligten gebildet und wir mussten versprechen, im nächsten Jahr wieder zu kommen, was wir auch gerne taten.

Am Ende eines Einsatzes konnten wir auf eine erfolgreichen Tätigkeit zurückblicken. Trotz der logistischen Schwierigkeiten eines Ersteinsatzes konnten alle Patienten gesund das Hospital wieder verlassen. Immer wieder überraschend ist die geringe Infektionsrate auch bei größeren und länger dauernden Eingriffen.

An dieser Stelle sei auf das Herzlichste gedankt
dem eigenen Team

Dr. Jürgen Toennissen, Plastischer Chirurg, Duisburg
Dr. Peter Heuser, Anästhesist, Engelskirchen
Dr. Cornelia Feistkorn, Duisburg
Sr. Julia Tschöke, Op-Schwester
Sr. Manuela Covini, Intensivschwester
Das Team mit Dr, Macz und De La Cruz
dem Team vor Ort
Dr. Fernandez Conde
Dr. Herbert Macz mit Frau Elo
Dr. Edwin
Dr. Gonzales

Frau Waltraud Huck, Pro Interplast,
die die Flugkosten übernommen hat Dr. Macz und Dr. Fernandez Conde

Herrn De la Cruz, Kongressabgeordneter von Salama
der die Kosten für Unterbringung und Verpflegung übernommen hatte.


 

Günter Zabel, Schopfheim

 

 

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Einsatzberichte 2009

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