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vom 25.01.02 – 17.02.02
Gerade im Flugzeug auf der Heimreise, lasse ich die spannenden
3 Wochen unseres Interplast-Einsatzes in Südindien noch einmal
Revue passieren. Tirupur in Tamil Nadu, versteckt im Südzipfel
Indiens, auf der Landkarte kaum zu finden, entpuppte sich als ein
überraschend gut organisierter Einsaztort.
Alles begann mit einem Fax von Dr. Jacob Roy ( Organisator des Interplast
Camp’s in Kunamkulam / Kerala Feb 2001 ), der uns mitteilte,
dass man sich in Tirupur über ein Interplast-Team sehr freuen
würde.
Am 26.01.02 trafen wir beladen mit 20 Kisten (426kg) dort ein.
Unser Team bestand aus den Plastischen Chirurgen Dr. André
Borsche und Dr. Ruth Ahlers (Bad Kreuznach), Dr. Rémy Zilliox
(Lyon), den Anästhesisten Dr. Wolfgang Detterbeck und Dr. Bärbel
Fuchs (Voigtareuth) und den Op- bzw. Anästhesie-Schwestern
Astrid Jung und Christina Lorenz (Ebersberg) sowie Dr. Eva Borsche.

Eingeladen und organisiert vom Rotary Club Tirupur South, realisiert
durch die Mitarbeiter des Government Hospital und medizinische begleitet
durch den Plastischen Chirurgen vor Ort Dr. Ravichandran und den
Anästhesisten Dr. Selvan wurde der Einsatz zu einem großen
Erfolg.
Zunächst erfolgte die Patientenauswahl aber leider in 2 Etappen:
Während wir in der 1. Woche nur 40 Patienten operieren konnten,
wussten wir in der 2. Woche kaum, wie wir die vielen schweren Fälle
noch unterbringen sollten. Es waren vor allem wieder Kinder mit
extremen Verbrennungskontrakturen, die uns sehr bewegten, so daß
wir alle Anstrengungen unternahmen, ihnen durch Schwenklappen-Plastiken
und Hauttransplantationen (Gesicht, Hals, Hände, Arme und Beine)
zu einer funktionellen Verbesserung zu verhelfen.
Auf 2 Op-Tischen parallel, ausgesetzt der Kälte von Air-Condition
und Deckenventilator und gleichzeitig der Hitze unter den Op-Leuchten,
galt es 2 Wochen lang möglichst effektiv von morgens 8.00 bis
abends 8.00 zu wirken.

Insgesamt führten wir 126 Operationen bei 107 ausgewählten
Patienten durch ( 47 Lippen/Gaumenspalten, 35 Burn Cases, sowie
Hämangiome, Neurofibromatose, Noma, Syndaktylie und viele Narben
und Keloide).
Trotz der starken Nachfrage der Gastgeber eine möglichst hohe
Patientenanzahl zu operieren, war es uns besonders wichtig, eine
auf Sicherheit orientierte Risikoabwägung durchzuführen
und einen hohen Qualitätsstandard zu halten. Dazu gehörten:
- ausführliche gemeinsame Visiten (Schmerzmedikation)
- standardmäßige Antibiotica-Prophylaxe (Spicef i.v.)
- sorgfältigste Verbandswechsel unter Anleitung der indischen
Schwestern
- Lagerung, Ruhigstellung, Kompression nach komplizierten Eingriffen
zur Vermeidung von Hämatomen und Schwellung
So konnten wir uns darüber freuen, dass wir keine Komplikationen
bei allen gesichtschirurgischen Eingriffen, keine Infektionen und
lediglich 3 Lappenspitzennekrosen hatten sowie alle Transplantate
eine gute Einheilungstendenz zeigten.

Im Nachhinein wurde uns wieder klar wie wichtig es ist, bei der
Patientenauswahl möglichst schon am 1. Tag alle Patienten zu
sehen, um eine Manipulation der Patientenauswahl durch die Reihenfolge
der Patientenvorstellung zu umgehen. Zunächst wurden uns nämlich
vor allem nur Jungen und Patienten mit Beziehungen vorgestellt und
erst gegen Ende kam die große Zahl der verstümmelten
Mädchen und sehr armen Patienten. Nur wenn wir selber entscheiden,
wen wir operieren wollen und in welcher zeitlichen Reihenfolge,
können wir unsere Hilfe auf die sozial bedürftigsten Patienten
konzentrieren. Dies bedarf natürlich viel Fingerspitzengefühls
und eines gerechten OP-Verteilungssystems, um die Gastgeber nicht
zu verletzten. So werden wir auch immer einige Patienten mitbehandeln,
die uns die Gastgeber und Initiatoren vorstellen, mit der dringenden
Bitte sie noch mit in das
OP-Programm einzuschieben („political cases“).

Großes Interesse an unserer Arbeit zeigte der einzige Plastische
Chirurg in Tirupur Dr. Ravichandran. Wir hatten viele kritische
Fachdiskussionen („What’s your plan?“) und er
steuerte eine Reihe hilfreiche Ideen bei.
Er assistierte, operierte selber und versprach, sich vor allem auch
der Nachsorge der Patienten zu widmen – ein Schwachpunkt vieler
Interplast-Einsätze. Wir stellten ihm eine digitale Camera
zur Verfügung, um unsere Fotodokumentation der operierten Patienten
fortführen zu können.

Da Gastfreundschaft in Indien auch immer mit vielen offiziellen
Einladungen verbunden ist, doch wir am Abend erschöpft eher
unsere Ruhe brauchten, baten wir um Verständnis, dass wir nur
an den Wochenenden an solchen Arrangements teilnehmen wollten. Hier
gilt
es das besondere Einfühlungsvermögen des Rotariers A.Kannan
hervorzuheben, der versprach, die „official events“
auf ein Minimum zu beschränken und als Koordinator von weiteren
30 Rotariern die logistische Unterstützung des Einsatzes hervorragend
leitete.
Bereits vor unserer Ankunft durchgeführte Renovierungen von
OP und Kranken-Stationen, neue Betten und Op-Wäsche, gute Op-Leuchten
und rundum Betreuung des Teams hatten ein großes organisatorisches
Engagement und finanziellen Einsatz der Gastgeber gefordert. Viele
der aus privater Hand finanzierten Dinge bleiben auch nach unserer
Abreise dem Krankenhaus noch erhalten.

Herzlichen Dank all denen, die unseren Einsatz tatkräftig
unterstützt haben, ob in Deutschland bei der Vorbereitung oder
in Indien bei der Verwirklichung – insbesondere dem ROTARY
CLUB TIRUPUR SOUTH - und natürlich auch den Firmen für
ihre großzügigen Sachspenden, die uns wieder sehr geholfen
haben! Danke für das kostenlose Übergepäck bei Kuwait
Airways und Jet Air – so haben wir Spendengelder gespart,
die wir dafür vor Ort einsetzen konnten.

In der Hoffnung den Anschluss an die große Welt zu gewinnen
und im Einsatz für “Humanity for the poorest of the poor“
die Verwirklichung eines gemeinsamen Ziels zu erleben, wurden wir
in Indien immer wieder aufgefordert :
„Please come again – there is plenty of work we can
do together!”
André Borsche

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