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vom 31. Okt. - 18. Nov. 2002
Der 20. Einsatz eines Interplast-Teams im Noma Children Hospital
in Sokoto / Nigeria wurde diesmal durch ein neunköpfiges Team
durchgeführt. Das Krankenhaus, das durch die AWD-Stiftung Kinderhilfe
hinsichtlich Logistik, Patientenvorstellung und ständiger ärztlicher
Betreuung organisiert wird, hat sich im Laufe der vielen Einsätze
seit 1995 zu einem Zentrum der Noma-Chirurgie in Westafrika entwickelt.
Auch auf das Equipment bezogen steht es inzwischen in Nord-Nigeria
an vorderster Stelle und selbst komplizierte plastische-chirurgische
und auch mikrochirurgische Eingriffe sind dort nicht mehr selten
(siehe auch Interplast Jahresbericht 2001 S. 37-40). Dabei wird
das operative und anästhesiologische Know-how für eine
erfolgreiche Einsatzdurchführung durch Mitglieder von Interplast,
der Dutch Noma Foundation und anderen Organisationen beigesteuert.
Unser gewaltiges Übergepäck (inklusive eines Dentalmotors)
wurde von der KLM ohne einen Euro Gebühr transportiert. Besonderen
Dank gilt auch den Firmen Gore-Tex und Ethicon für die Unterstützung
mit T-Shirts, Käppis und anderen Mitbringseln. Die Anreise
dauerte 2 ½ Tage, davon wurden die letzen 580 km in einem
Kleinbus in mörderischer Geschwindigkeit über die Schlaglochpisten
Nordnigerias zurückgelegt. Die Triage war wie immer von den
Dres. H. Sauter und A. Ngoe exzellent organisiert. Wir evaluierten
und fotografierten am ersten Tag ca. 80 Patienten. Dabei bedienten
wir uns einer bewährten digitalen Patientenakte mit Foto auf
dem Laptop, welche dann zur OP-Planung und Niederschrift des Operationsberichtes
ausgedruckt wurde. Das Patientengut zeigte das übliche Spektrum:
Rekonstruktionen nach Noma-assoziierten Defekten, Spaltfehlbildungen
aller Formen, Verbrennungskontrakturen und maxillofaziale Tumorleiden.
Eine Anzahl an Patienten wartete auf Sekundäroperationen (wie
z.B. Stieldurchtrennungen) aufgrund eines erst vier Wochen zurückliegenden
vorigen Teameinsatzes.

Unser dreiwöchiger Aufenthalt wurde in den ersten sieben Tagen
von einem Kamerateam des Senders PRO7 begleitet. Die gut 13-minütige
Sendung wurde im Dezember im Rahmen der Sendung "Welt der Wunder"
ausgestrahlt und gab ein recht klares Bild der Erkrankung Noma.
Leider forderte die Erstellung dieses Films aufgrund einer Verkettung
technischer und organisatorischer Handicaps seitens des Filmteams
von allen Interplastmitarbeitern, dem lokalen Fachpersonal und den
Patienten viel Geduld und auch entsprechend Kraft. Trotzdem im Vorfeld
ausführliche Gespräche zwischen Ärzteteam und Filmmannschaft
stattfanden, wurde der Ablauf doch empfindlich gestört. Bei
aller Wichtigkeit der Medien für den Spendenerhalt können
derartige Situationen im Extremfall auch zum Scheitern des Einsatzes
führen, und wir alle zogen daraus entsprechende Lehren für
zukünftige Unternehmungen. Nach Abreise der dreiköpfigen
Mannschaft kehrte dann endlich etwas Ruhe ein. Die Unterbringung
in Sokoto erfolgte im Krankenhausgelände, was einen engen Kontakt
mit den vielen Kindern und anderen Patienten sowie regelmäßige
und spontane Visiten ermöglichte. Da unser Einsatz in den Ramadan
fiel, mußten wir uns an die ständigen lauten Gebete aus
der direkt in der Nachbarschaft liegenden Moschee erst gewöhnen.
Kleinere Ausflüge in die Märkte der Umgebung ließen
uns zusätzlich das Alltagsleben unserer Patienten kennenlernen.


In 9 ½ OP-Tagen wurden an 58 Patienten 68 Operationen durchgeführt.
Verglichen mit anderen Interplast-Einsätzen mag dies eine kleine
Zahl darstellen, aber die z.T. aufwendigen Rekonstruktionen durch
freie Lappentransplantate (insges. 5) und die teilweise komplizierten
Trismuslösungen mit nachfolgender Distraktorimplantation nahmen
entsprechend Zeit in Anspruch. Die Zusammensetzung des operativen
Teams aus Plastikern und maxillofazialen Chirurgen erwies sich als
sehr günstig. Wie auch bei vielen anderen Interplast-Einsätzen
trugen auch hier die Anästhesisten das Hauptrisiko der Operationen,
insbesondere wenn man die regelmäßigen fiberoptischen
Intubationen bei den Noma-Patienten bedenkt. Ganz besonderen Dank
gilt deswegen den Dres. Beate Schöllhorn und Manfred Busch.
An manchen Tagen wurde an drei Tischen parallel operiert, krankheitsbedingte
Ausfälle (Malaria, Diarrhoe) zwangen uns aber auch zur zeitweiligen
Reduktion der Kapazitäten. Die einheimische OP-Mannschaft war
ausgesprochen engagiert, was vielleicht auch auf unsere Rücksichtnahme
auf die kulturellen Gegebenheiten (Ramadan) und auf die vor Ort
gebräuchlichen Abläufe zurückzuführen war. Mit
zweimaliger Ausnahme operierten wir nicht länger als 18:00
Uhr abends.
Wie die Erfahrung der zwanzig Teameinsätze zeigt, ist die
plastische Chirurgie von Noma-bedingten Defekten anspruchsvoll und
nicht selten von Rückschlägen begleitet. Vor allem das
Wiederauftreten des Trismus ist ohne entsprechende Physiotherapie
nicht selten. Die Beobachtung der Langzeitverläufe der Patienten,
welche mit klassischen (gestielten) Verfahren gegenüber freien
Lappen und Distraktor operiert wurden, wäre absolut wünschenswert,
um die Therapie zu optimieren. Leider erscheint dies bei den Patienten
aus überwiegend ländlicher Bevölkerung und lückenhafter
Nachkontrolle fast unmöglich.
Interessenten für einen Interplast-Einsatz in Sokoto können
sich mit der Organisation der AWD-Stiftung Kinderhilfe, Frau Dr.
Martina Kitzbichler (martina.kitzbichler@awd.de) in Verbindung setzen.
Geplant sind weiterhin ca. vier Einsätze pro Jahr.
Goetz A. Giessler, Ludwigshafen
Alexander Fieger, München
Noma Team 20:

K. Baudisch (Ludwigshafen)
Dr. med. M. Busch (Kaiserslautern)
PD Dr. med. Dr. dent. C.-P. Cornelius (Ulm)
Dr. med. U. Deubel (Ludwigshafen)
A. Fieger (München)
Dr. med. G.A. Giessler (Ludwigshafen)
N. Roolant (München)
Dr. med. B. Schoellhorn (München)
L. Siebicke (Frankfurt)
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