Einsatzbericht auf Phu Quoc, Vietnam 2002
Dezember 2002

Teilnehmer: Dr. Nguyen Du Phu, Suttgart
PD Dr. Dr. Peter Sieg, Lübeck
cand. med. Bui Hong My Nguyen, Homburg/Saar
Dr. Horst Aschoff, Lübeck

Die diesjährige Interplast - Mission nach Vietnam führte uns an einen neuen Einsatzort im Süden des Landes, nach Phu Quoc, eine Insel von etwa 600qkm Größe, ca. 1 Flugstunde westlich von Saigon in Sichtweite der kambodschanischen Küste gelegen. Die Rekrutierung dieses Zieles ist einer Zufallsbekanntschaft vom Kollegen Phu mit einem seit Jahren in Deutschland ebenden Vietnamesen zu verdanken, welcher von eben dieser Insel stammt und allerbeste Verbindungen dorthin besitz. Die erheblichen informellen und logistischen Vorarbeiten für die geplante Mission mit Kontaktaufnahme mit den Kollegen vor Ort sowie Sicherung eines Visums mit Arbeitserlaubnis wurden hierdurch sehr erleichtert und wie immer von Du Phu in bewährter, verlässlicher Weise abgewickelt.

 

 

Die Reise dauerte vom 6.12.02 - 22.12.02, die Insel selbst ist bei recht
günstigen Flugverbindungen gut zu erreichen. Bei Ankunft am Montagmorgen auf Phu Quoc erfolgte nach erfreulich kurzer Begrüßung durch die Offiziellen und Inaugenscheinnahme unserer traumhaft am Strand gelegenen Unterkunft der sofortige Transport in das örtliche Distriktkrankenhaus zur Aufnahme der bereits bestens vorbereiteten Sprechstunde. Diese wirklich unbürokratische und sachdienliche Vorgehensweise der vietnamesischen Kollegen hat über die Zeit angehalten und den gesamten Einsatz geprägt.

 

 

Das einzige Krankenhaus der Insel selbst hält etwa 300-400 Betten vor, bei einer Gesamteinwohnerzahl von ca 100.0000 Menschen. Soweit für uns erkennbar, werden von chirurgischer Seite fast ausschließlich Notfälle behandelt, Schwerwiegendere Fälle sowohl aus dem viszeralen als auch traumatologischen Umfeld müssen dabei allerdings mangels ausreichendem Equipment auf das Festland transportiert werden. Elektive chirurgische Eingriffe wurden während unseres Aufenthaltes keine durchgeführt, als Standardeingriff können Appendektomie und Kaiserschnitt, hier von den Chirurgen ausgeführt, angesehen werden. Für die Operation eines kindlichen Dünndarmileus wurde die
Hilfe von Du Phu sehr gerne angenommen. Phu Quoc erfüllt also interplastrelevante Kriterien in weit höherem Maße als dies z.B. für das
Krankenhaus in Hue noch gilt, das Gefühl notwendige und wirksame Hilfe zu leisten, stellte sich somit gewissermaßen mit Betreten des Kranken-hauses ein.

 

 

Uns selbst standen 10 Operationstage mit ganztägig 1-2 Op-Tischen zur
Verfügung, es wurden insgesamt ca. 250 Patienten angesehen, von denen wir schließlich 50 Fälle operieren konnten. Das Spektrum erstreckte sich dabei von der Lippenspalte über Verbrennungskontrakturen und recht
häufigen, angeborenen Fehlbildungen der Extremitäten hin zu einem
ausgedehnten Hämangiom im Bereich des gesamten Skalps.

 

 

Eine veraltete Beugesehnenverletzung konnte mittels einzeitiger Sehnentransplantation wirksam behoben werden, eine veraltete N.ulnaris - Durchtrennung in Höhe des Sulcus ulnaris wurde mittels freiem N. suralis Transplantat behandelt, der Erfolg dieses Eingriffes kann natürlich erst im Rahmen eines neuerlichen Einsatzes auf Phu Quoc kontrolliert werden. Nicht helfen konnten wir den in großer Zahl vorgestellten Patienten mit angeborenen oder erworbenen Fehlstellungen oder Fehlheilungen am Skelett. Eine brauchbare operative Frakturbehandlung existiert auf der Insel nicht und ist somit beim jeweils Betroffenen abhängig von dessen Geldbeutel und damit der Gelegenheit, sich nach Saigon ausfliegen zu lassen.

 

 

Die Erfahrungen der diesjährigen Mission haben bei allen Beteiligten den
Wunsch nach Wiederholung genährt, als konkreter Termin wurde dabei der Dezember 2003 bereits ins Auge gefasst. Zur Optimierung des Wirkungsgrades wäre für diese Reise eine Ergänzung des Teams durch einen Anästhesisten sowie durch 1 -2 Op-Schwestern/Pfleger allerdings wünschenswert. Bei guter Pflege dieser neuen Verbindung nach Vietnam mag sich bei den insgesamt gesehen überaus günstigen Grund-voraussetzungen am Einsatzort dabei eine längerfristige Perspektive für allfällige Interplastmissionen auf Phu Quoc ergeben.

 

 

Horst Aschoff

 

 

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