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10.04. - 28.04.2002
Atemnot - Übelkeit - Kollaps?
Ein bisschen mulmig war uns schon, als wir mit der Varig auf dem
EL ALTO Hochplateau aufsetzten. Höchster Flughafen, höchste
Großstadt der Welt!
Da waren diesmal zu Beginn gleich drei Erholungstage nötig,
um uns bei der dünnen Luft zu akklimatisieren. Danach gab es
dann bis auf kleine Darmprobleme keine Schwierigkeiten.
Der Initiator unseres Interplast Einsatzes Herr F. Reumann hatte
mit seinen Prophezeiungen Recht behalten.
Durch den Kontakt des Interplast Kollegen Hollos mit dem Stuttgarter
Lions Club, entstand die Verbindung zu Herrn Raumann. Wir hatten
im Vorfeld nach zahllosen Telefonaten und Briefen den Einsatz im
Kinderkrankenhaus "Dr. Ovidio Algio Uria" festgezurrt.
14 Tage unentgeltliche Plastische Chirurgie für die Ärmsten
der Millionenstadt. Das Team bestand aus Prof. G. Ehmann, Mund-Kiefer-Gesichtschirurg;
Fr. Dr. Zahran, Plastische Chirurgin; Heike Mingers, OP-Schwester;
Oliver Birmanns, OP-Pfleger, Arnolf Coslar; Anästhesiepfleger
und mir. Alle schon erfahren durch mehrere Interplast Einsätze.
Der Anästhesist Dr. Alexander Stollenwerk erlebte zum ersten
Mal Interplast Arbeit.

Nachdem wir schon Material und Instrumente deponiert hatten, wurden
wir am Montag, dem 15.04.2002 von einer rieseigen Menschenmenge
erwartet. Da wir zum überwiegenden Teil nur einen OP-Saal nutzen
konnten, teilten wir die Arbeit je nach Bedürfnis zwischen
uns auf, so dass ein Kollege neue Patienten sichten konnte oder
später auch die notwendigen Verbandswechsel durchführen
konnte, während gleichzeitig im OP im Schnitt 5 - 6 Patienten
pro Tag operiert wurden.
Dr. Oskar Portugal, Plastischer Chirurg und Ansprechpartner im
Krankenhaus versuchte uns am Vormittag organisatorisch nach besten
Kräften zu unterstützen. Eine große Gruppe unserer
Patienten litt unter angeborenen Fehlbildungen im Gesichtsbereich,
vor allen Dingen Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten; häufig auch
schon unzureichend voroperiert. Hier konnte Kollege Ehmann aus Hamburg
sein ganzes Können zeigen.

Gänzlich hilflos standen wir vor einer jungen Frau, die sich
nur mühevoll durch eine Kleinfinger große Öffnung
ernähren konnte. Als Kind hatte Marisol eine Nomainfektion
erlitten. Nach zahlreichen Voroperationen war Gesicht und Mundhöhle
von unzähligen Narben überzogen, ohne dass die Mitleid
erregende Entstellung gebessert wurde.
In diesem Einzelfall entschieden wir uns erstmalig für einen
späteren Transport nach Deutschland. In Murnau bei Dr. Schmidt
erfolgte mittlerweile eine aufwändige operative Behandlung
mittels freier Lappenplastiken und der so wichtigen funktionellen
Nachbehandlung.
Bei den restlichen Patienten handelte es sich oft um Verbrennungsfolgen,
Narbenkontrakturen oder infizierte Weichteilverletzungen.

Nach einem Wochenendausflug in das tropische Coraico flog die Zeit
dahin. Unvergessen der Festabend des örtlichen Lions Clubs.
Im ersten Augenblick glaubten wir uns in die etwas steife Atmosphäre
eines englischen Clubs versetzt.
Nach dem offiziellen Teil lernten wir dann aber äußerst
sympathische und weltoffene, engagierte Bolivianer kennen, so dass
uns dieser Abend in bester Erinnerung bleibt. Nachdem wir freitags
unsere 140 kg Instrumente wieder verpackt hatten (der größte
Teil des Verbrauchsmaterials wurde zurückgelassen), ergab unsere
Bilanz 52 Operationen bei 41 Patienten.

Insgesamt handelt es sich um einen gelungenen Einsatz, wobei die
Organisation vor Ort und vor allen Dingen auch die Vorauswahl der
Patienten noch verbessert werden könnte.
Wie häufig in der Hauptstand bestand auch hier eine unterschwellige
Konkurrenzsituation mit einheimisch chirurgisch tätigen Kollegen,
so dass auch sicherlich kleinere Städte im Lande zukünftig
berücksichtigt werden sollten.

Nach diesem ersten deutsch-bolivianischen Hilfseinsatz für
Plastische Chirurgie ist ein Anfang gemacht, der durch jährliche
Folgeeinsätze ausgebaut werden soll.
Hans Elmar Nick, Eschweiler
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