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Am 2. Dezember, pünktlich um 11:10 waren wir endlich in Kalkutta.
Diesem Einsatz im Shree Jain Hospital, vermittelt durch den Kreuznacher
Vorstand, waren unendliche Telefonate vorausgegangen, da bis kurz
vor Abflug immer noch ungewiss war, ob nicht nur das Team sondern
auch das Gepäck seinen Weg problemlos nach Indien finden sollte.
Die in den letzten Jahren vorhandene Bereitschaft der Fluggesellschaften
unser Material kostenfrei zu transportieren ist durch die Ereignisse
des 11. Septembers 2001 und den mörderischen Preiskampf der Airlines
auf ein Minimum zurückgegangen - diese Erfahrung werden anderen
Teams auch schon gemacht haben und in Zukunft noch machen. Durch den
unermüdlichen Einsatz von Herrn Triebig von 3T - Reisen und die
Hilfsbereitschaft von Kuwait Airlines und Jet Airways haben wir dann
doch alles mitbekommen und selbst der Zoll in Delhi, sonst ein Ort
endloser Formalitäten und Nervenzusammenbrüche, war uns
wohlgesonnen.
Wir wurden am Flughafen vom medical superintendent des Krankenhauses,
Dr. Chatterjee, und seinem Mitarbeiter Mr. Mishra empfangen und
durch das Verkehrschaos Kalkuttas zum Shree Jain Hospital im Bezirk
Howrah gebracht. Hier war bereits alles bestens organisiert und
wir wurden von etwa 120 Patienten erwartet. Die Kollegen vor Ort
hatten eine sorgfältige Vorauswahl getroffen, so dass kaum
ein Patient nach Hause geschickt werden musste. Neben den erwarteten
Spaltpatienten, von denen bereits einige durch das Team der Kollegin
Fromberg während zweier vorangegangener Einsätze operiert
worden waren, wurden uns viele Patienten mit oft ausgedehnten, teilweise
nicht mehr zu behandelnden Verbrennungsfolgen vorgestellt.
Nach Erstellung des OP - Planes begannen wir am folgenden Tag mit
unserer Arbeit. Dankenswerterweise hatte uns das Krankenhaus für
die Dauer des Einsatzes zwei der vier OP - Säle sowie Personal
zur Verfügung gestellt. Die Arbeitsbedingungen waren hervorragend
und die Hilfsbereitschaft der Schwestern und Pfleger grenzenlos.
Unsere 89 Patienten, hauptsächlich Kinder im Alter von 6 Monaten
bis 14 Jahren wurden auf der eigens für uns eröffneten
Station prä- und postoperativ bestens versorgt. Während
der 11 Operationstage konnten die Plastischen Chirurgen Swantje
Pfleumer (Berlin) und Cyrus Bakhtiari (Münster) sowie die Kieferchirurgen
Bassam Saka (Rostock) und Uwe Knauf (Schwerin) insgesamt 127 Operationen
durchführen. Erfreulicherweise war es bis zu unserer Abreise
zu keiner ernsthaften Komplikation gekommen, lediglich zwei kleine
Patienten mussten eine Dehiszenz der zwei Tage zuvor versorgten
Lippenspalte revidiert bekommen, da beide auf dem Nachhauseweg,
unabhängig voneinander, in einen Verkehrsunfall verwickelt
worden waren.
Die OP - Schwestern Heike Pfeifer (Nauen) und Dörte Kletzien
(Berlin) sorgten mit bemerkenswerter Effizienz für einen reibungslosen
Ablauf im OP und bewältigten nebenher, gemeinsam mit der Anästhesistin
Ulrike Tzschacksch (Nauen), einen Grossteil der täglich mehr
werdenden Verbandswechsel.
Mr. Mishra von der Krankenhausadministration war unser „Mädchen
für alles“ und löste auch komplexe Probleme und
unsere wiederholten Schlafplatzwechsel mit Bravour. Darüber
hinaus konnten wir mit seiner Unterstützung zahlreiche Facetten
indischer Küche kennen lernen. Die Einladung zu einer indischen
Hochzeit sowie der Besuch beim deutschen Generalkonsul zählten
schlussendlich zu den Höhepunkten unseres off-hospital Programms
in Kalkutta.
Von allen Beteiligten wurde dieser Einsatz als ausgesprochen erfolgreich
beurteilt und die Einladung für ein viertes plastic surgery
camp im Shree Jain Hospital an uns herangetragen. Dieser sollte
meines Erachtens auch nachgekommen werden, da der Bedarf an unserer
Arbeit im armen Howrah unerschöpflich ist und die örtlichen
Gegebenheiten ausgezeichnet sind.
Besonderer Dank gebührt Frau Huck von ProInterplast, die,
wie schon so oft, die Kosten für dieses camp übernommen
hat, sowie den zahlreichen Spendern von Instrumenten, Medikamenten,
Verbrauchsmaterial und Kuscheltieren, ohne die ein solcher Einsatz
sowieso unmöglich wäre.
Jens Hennicke
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