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Englisch-Deutscher Interplast-Einsatz in Guyana 20.08.- 03.09.2002
Zusammenfassung: Das frühere Britisch-Guyana ist heute Republik
und wendet weiter das britische Recht an. Unsere Gastgeberin war
die First Lady des Landes.
Nach einigen Anlaufschwierigkeiten in den ersten Tagen konnten
wir fast 2 Wochen in zwei Krankenhäusern operieren. Einem englischen
und einem deutschen Plastischen Chirurgen schlossen
sich für eine Woche noch ein amerikanischer Kinderchirurg und
ein Plastischer Chirurg aus Trinidad an.
Es wurden 127 Patienten versorgt.
Zu Beginn möchte ich mich zunächst der Statistik entledigen.
Wir haben insgesamt 127 Patienten operativ betreut. Darunter wurden
3 Lippenkiefergaumenspalten operiert, 24 Gaumen-und 12 Lippenspalten.
Ansonsten unterschied sich das Operationsgut unwesentlich von den
übrigen Einsätzen in der 3. Welt.
Es wurden 87 Keloidkorrekturen und Narbenkontrakturen sowie Verbrennungskontrakturen
und
Weichteiltumore durch die üblichen plastisch-chirurgischen
Maßnahmen angegangen. Die restlichen Eingriffe bestanden in
Velum-und Pharyngyoplastiken, 2 Gesichtspalten, Oberlidptosen,
Kommissurrekonstruktionen am Auge und 2 Hypospadien.
Der Einsatz wurde von Charles Viva, dem Präsidenten von Interplast
England, in der ihm eigenen ruhigen, korrekten und verlässlichen
Art vorbereitet. Er hatte eine Einladung der First Lady Guyanas
bekommen. Diese hübsche junge Dame kümmerte sich dann
auch während des gesamten Einsatzes mustergültig um uns.
Natürlich wissen wir alle, wo Guyana liegt, nachdem wir im
Atlas nachgeschlagen haben. Im Norden Südamerikas finden wir
Venezuela, östlich angrenzend Guyana, das frühere Britisch-Guyana.
Weiter im Osten Surinam, vormals Holländisch-Guyana, weiter
im Osten Französisch-Guyana mit seinem Cayannepfeffer, das
Land, in dem Papillon unter dem seinerzeit unmenschlichen französischen
Strafvollzug litt. Diese drei Guyanas wurden zuvor dem Vernehmen
nach durch Begradigung der Grenzen unter den drei Kolonialmächten
entsprechend aufgeteilt. In Guyana werden an der Küstenebene
Zuckerrohr und Kokospalmen, etwas Kaffee und Kakao und Früchte
angebaut. An Bodenschätzen gibt es Bauxit und kleine Mengen
von Gold und Diamanten.
Aus dem Zuckerrohr wird, wie überall in der Karibik, zu der
es zählt, Rum destilliert.
Der Verfasser kennt Charles Viva bereits von einem Britisch-Deutschen
Interplasteinssatz in Sri Lanka. Die englischen und deutschen Teammitglieder
treffen in London zusammen und fliegen mit einigen Zwischenstops
nach Georgetown. Die Teammitglieder waren neben Charles Viva und
mir der Plastische Chirurg Assad, später stießen für
eine Woche noch Victor aus Trinidad und Steve aus den USA als Kinderchirurg
dazu. Wir waren glücklich, zwei erfahrende Anästhesisten,
Peter und Ghalib aus Gainsborough und London dabei zu haben, ausserdem
Christopher, einen bereits versierten Mitarbeiter von Peter. Die
Schwestern waren Marianne, eine Deutsche, seit langen Jahren in
England lebend, Hilary, Julie, Elaine und die Kanadierin Andy, die
schon in Sri Lanka souverain den Aufwachraum betreute. Meine Frau
Gaby instrumentierte auch diesmal wieder. Ein pfiffiger Informatikstudent,
Alex aus England, war mitgekommen, um mit seiner Digitalkamera vieles
festzuhalten und anschließend eine CD-Rom zu erstellen. Wir
wurden nach unserer Ankunft auf drei Hotels verteilt, was morgens
und abends immer eine größere Rundfahrt bedeutete. Obwohl
alles bestens geplant war, hatte der Krankenhausdirektor wohl seinen
Nachfolger nicht von seiner Abwesenheit informiert.
Auch der zweite Mann war in Urlaub, der dritte auf einem Kongress.
Der vierte, Dr. Joseph, tat sich etwas schwer, uns unbürokratisch
in die operative Tätigkeit einzugliedern. So konnten wir erst
am 23.08. mit dem Operieren beginnen, und dies erst ab 14.00 Uhr
am Nachmittag, dies sollte auch in der Folgezeit so sein.
Bedauerlicherweise war ein Teil des Gepäckes auch erst 2 oder
3 Tage später eingetroffen, darin einiges unserer medizinischer
Ausrüstung. Das restliche Gepäck war offenbar irgendwo
in einen Dauerregen geraten und völlig durchnässt.
Wir waren in der Zwischenzeit nicht untätig und hatten uns
in der Stadt umgesehen und waren auf
ein christliches Krankenhaus gestoßen, das Mercy-Hospital,
wo wir herzlich willkommen waren und wo wir nun völlig problemlos
jeden Tag früh morgens mit dem Operieren beginnen konnten.
Insofern war es notwendig, jeweils die Operationsteams und die Ausrüstung
zu splitten, letzteres erwies sich als aufwendig und problematisch.
Die täglichen Busfahrten zu den Hospitälern ließen
uns die Stadt kennen lernen und die aus früherer Zeit stammenden
portugiesischen Holzhäuser ohne ausgebautem Erdgeschoß
bestaunen.
An den Abenden empfahl es sich, in den Hotels zu bleiben. Täglich
war in der Presse von Schießereien in Georgetown zu lesen.
Wenige Tage nach unserer Ankunft war der 2. Mann der Polizei, Abteilung
Drogenfahndung, auf offener Straße am Zeitungskiosk erschossen
worden.
Die Arbeit im General-Hospital und im Mercy-Hospital, wo wir in
beiden von den einheimischen Schwestern ebenfalls unterstützt
wurden, verlief schließlich in ruhigen Bahnen, um unser Pensum
wegen der verlorenen Zeit durch das Teilen von Mannschaft und Gerät
und wegen des späten Anfangens im General-Hospital zu bewerkstelligen,
liefen die Operationen oft bis spät in die Nacht.
Die große Geduld aller Teammitglieder, voran Charles Viva,
ließ die Arbeit reibungslos ablaufen.
In den letzten Tagen operierten wir eine im Gesicht völlig
entstellte Patientin mit einem M. Recklinghausen. Der Verlauf der
Operation war völlig unauffällig, die Patientin wurde
auf Intensivstation noch nachbeatmet. Nach unserer Abreise mussten
wir erfahren, dass sie einem Lungeninfekt erlegen war, was wir sehr
bedauern.
Der erfahrenste unserer Anästhesisten, ein stets gut gelaunter,
immer äußerst kooperativer Kollege war Peter Rawle. Er
war Chefanästhesist in einem englischen Krankenhaus. In Guyana
erfreute er sich noch bester Gesundheit. Vor wenigen Wochen musste
er feststellen, dass er schwerst krank war. Er verstarb am 22.01.2003
mit 48 Jahren.
Diesem seinem ersten Interplasteinsatz sollten weitere folgen.
Interplast verliert in ihm einen großartigen und vorbildlichen
Mitarbeiter, unsere Mannschaft einen sehr guten Freund.
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