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Kooperation mit PEP-Trier vom 10. - 29.11 02
Die Idee zu diesem Einsatz entstand beim INTERPLAST- Jahrestreffen
im März 2002 in Bad Kreuznach. Da unser in Trier neu gegründete
Verein PEP e.V. über unmittelbare Verbindungen zum peruanischen
Bruderverein PPEPP in Cajamarca verfügt, lag es nahe, auf diesem
Wege einen INTERPLAST-Einsatz zu organisieren. Auf vorsichtige Anfrage
nach einem interessierten Teamleiter sagte zu meiner großen
Freude der Präsident höchstselbst, Dr. André Borsche,
seine Teilnahme zu. Damit begann für den jungen Verein eine
große Bewährungsprobe. Innerhalb weniger Wochen konnten
die für ein lateinamerikanisches Land typischen bürokratischen
Hürden genommen und ein Einsatz für November 2002 geplant
werden. Dabei legten unsere peruanischen Mitstreiter eine geradezu
preußische Gründlichkeit an den Tag. Ein reger Telefon-,
Fax- und e-mail-Verkehr entspann sich zwischen Trier, Bad Kreuznach,
Lima und Cajamarca.

PEP e.V. Projekte für Entwicklungsförderung in Peru
und Lateinamerika/
PPEPP Promoción de la Participatión Equitativa para
el Progress .
Im Februar 2002 fand sich in Trier eine kleine Gruppe engagierter
Personen um ein deutsch-peruanisches Ehepaar, um sich in einem gemeinnützigen
Verein mit Namen PEP e.V. (Projekte für Entwicklungsförderung
in Peru und Lateinamerika) zu organisieren. Zeitgleich wurde in
der mittelgroßen Andenstadt Cajamarca im Norden Perus PPEPP
(Promoción de la Participatión Equitativa para el
Progreso), ein ebenfalls gemeinnütziger Verein mit beabsichtigtem
Namensgleichklang gegründet.

Hier hat sich ein "transatlantisches Bündnis" mit
einem vergleichbaren humanitären Engagement und gleichen Vorstellungen
zur Entwicklungsförderung gebildet. Primäre Zielsetzungen,
wie die Ausbildungsförderung mittelloser Menschen in kleinen
Projekten, sind bereits umgesetzt:· Alleinstehende Frauen
bzw. alleinerziehende Mütter erhalten in Werkstätten Unterricht
in Handarbeiten während gleichzeitig ihre Kinder qualifiziert
betreut werden.

Unter der Devise "Überwinden von Armut durch Bildung"
ist die Ausstrahlung von Radiosendungen zu Themen wie Gesundheit,
Hygiene, Ernährung, Umgang mit offenem Feuer/Vermeidung von
Verbrennungen geplant. Radio ist das Medium, über das arme
Menschen auch in dünn besiedelten Gebieten erreichbar sind.Die
Vermittlung von Patenschaften für peruanische Kinder und Austauschprojekte
für Jugendliche und junge Erwachsene sollen in Zukunft helfen,
die Ausbildungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche
aus armen Familien zu verbessern.

Für die Anästhesiemannschaft ließen sich nach Zusage
des INTERPLAST-erfahrenen Prof. Dr. Hajo Schneck aus München,
die Anästhesistin Christa Werel aus Trier und zur Stärkung
der bayrischen Liga Cristina Lorenz als Anästhesieschwester
aktivieren. Aus Bad Kreuznach kamen Andrés chirurgischer
Mitarbeiter und Weltenbummler Dr. Reinhard Titel sowie das Pfälzer
Sprachtalent Stationspfleger Andreas Kerner mit. Frau Dr. Eva Borsche
reiste mit ihrem homöopathischen Schatzkästchen und den
Tickets für Macchu Pichu im Gepäck nach. Die Gruppe wurde
komplettiert durch die OP-Schwester Helga Schumacher, ein rheinländisches
Urgestein aus Bonn.
Dank der gründlichen Vorarbeit erwarteten uns in Lima nicht
nur Vertreter der PPEPP-Gruppe, sondern auch Mitarbeiter des peruanischen
Gesundheitsministeriums, des Roten Kreuzes und ein deutscher Flughafen-Manager.
So wurde uns ein V.I.P.-Empfang bereitet und die befürchteten
Querelen am Zoll erfolgreich abgewehrt. Während wir am nächsten
Tag per Kleinflugzeug weiterreisten, nahm ein Großteil unseres
Gepäcks - begleitet von PPEPP-Mitgliedern - den 15-stündigen
Busweg ins 600 km entfernte und 2600 m hoch liegende Cajamarca.
Nach einem rührenden Empfang am Flugplatz folgte die offizielle
Begrüßung im Hospital Regional de Cajamarca, unserem
Arbeitsplatz für die folgenden 14 Tage.
In Anbetracht vieler wartender Patienten begannen wir am gleichen
Tag mit dem Screening, einer Tätigkeit, die bei nicht abreißendem
Patientenstrom in den folgenden Tagen immer wieder die Arbeit im
OP verzögerte bzw. unterbrach.

Das Regional-Krankenhaus als Mitträger der Aktion "Ayudame
a sonreir de verdad" (zu deutsch: "Verhilf mir zum wahren
Lächeln") stellte uns 2 OP-Säle zur Verfügung,
deren Ausstattung eine positive Überraschung war. Von Seiten
des Pflegepersonals flogen uns die Sympathien nur so zu. Unter Führung
der leitenden OP-Schwester - selbst PPEPP-Mitglied - waren alle
mit großer Einsatzbereitschaft häufig bis spät abends
bei der Sache. Einer der beiden ortsansässigen Kopf-Hals-Chirurgen
interessierte sich sehr für die Spalten-Chirurgie. Wir führten
einige Operationen gemeinsam durch. Leider verhinderte seine Kongressteilnahme
in der 2. Arbeitswoche eine weitere Vertiefung der Zusammenarbeit.
Allerdings scheint mir die Verbindung für die Zukunft durchaus
ausbaufähig zu sein.
Die Chirurgen des Hauses erbaten unsere Mitbehandlung bei 2 Patienten
mit Fournier-Gangrän. Nach vorherigem Debridement konnten bei
einem von beiden die Wundflächen mit Spalthaut gedeckt werden.
Im zweiten Fall reichte leider die Zeit zur vorbereitenden Wundreinigung
nicht mehr aus.
Insgesamt untersuchten wir 280 Patienten, 40 davon HNO-Patienten.
Wir führten 136 Eingriffe an 105 Patienten durch:
21 Lippenspalten
14 Verbrennungskontrakturen
9 Gaumenspalten
3 Ektropien
1 Syndaktylie
1 Hundebißverletzung
47 Hauttumore, Narbenkorrekturen und sonstige Hautveränderungen
Die Korrektur der Syndaktylie führte leider nicht zum gewünschten
funktionellen Ergebnis, so dass wir die erforderliche Nachbehandlung
in einem geeigneten Krankenhaus in der Küstenstadt Trujillo
veranlassen mussten. Der Patient und das für die Behandlung
veranschlagte Geld wurden in die Obhut von PPEPP-Mitarbeitern übergeben.
Bei 3 Patienten mit freien Transplantaten kam es zu Sekundärheilungen.
Größere Komplikationen blieben gottlob aus.
Als segensreich erwies sich die Arbeit des plastisch-chirurgisch
erfahrenen Stationspflegers Andreas Kerner. Er widmete sich der
Organisation des OP-Materials und kümmerte sich ausgiebig um
die Verbandwechsel auf den Stationen. Unter geschickter Überwindung
von Sprachbarrieren wies er die ihn begleitende Schar von Schwesternschülerinnen
in die Beurteilung und Behandlung der OP-Wunden ein. Zur Dokumentation
der Wundverhältnisse setzte er die digitale Fotografie ein.
So konnten alle sich im Rahmen der sogenannten "e-Visite"
im Hotelzimmer am Laptop einen Eindruck vom Verlauf der Wundheilungen
verschaffen. Bei der allabendlich stattfindenden Visite auf den
Stationen waren Verbandwechsel dadurch nur in Ausnahmefällen
notwendig. Dies wie auch die penible "Buchführung"
der allgegenwärtigen Mitarbeiterinnen von PPEPP-Cajamarca trugen
zur effizienten Nutzung der Visitenzeiten bei.
Insgesamt beeindruckte uns die sehr konsequente Patienten-Dokumentation
im Krankenhaus sowie das hohe Niveau der medizinischen Versorgung.
Unser fast vollständiger Verzicht auf OP-begleitende Antibiotikagabe
entsprach allerdings offensichtlich nicht dem örtlich üblichen
Vorgehen und rief wiederholt das Erstaunen der einheimischen Kollegen
hervor.
Die Nachsorge unserer Patienten wurde durch die unbedingt gewissenhaften
Mitarbeiter von PPEPP und angeleitete Krankenschwestern gewährleistet.
Ärztlicherseits erbot sich (zu unserer anfänglichen Irritation)
der lokale Pathologe die Weiterbehandlung zu überwachen. Seine
Arbeit blieb - Gott sei Dank - fachfremd! Zurück in Deutschland
wurden wir per e-mail über die Wundverhältnisse unserer
zurückgelassenen Patienten informiert.
In einer großen Abschiedszeremonie an unserem letzten Abend
wurde von den PPEPP-Mitgliedern alles aufgeboten, was Cajamarca
an Folklore-Gruppen zu bieten hat. In vielen Reden wurden wir mit
Dank überschüttet und der Hoffnung auf ein Wiedersehen
im nächsten Jahr Ausdruck verliehen. Wir unsererseits bedankten
uns mit der Übergabe einer Nähmaschine für die Werkstätten
des PPEPP-Vereins.
Am nächsten Morgen starteten wir zum privaten Teil der Reise.
1 Tag in Lima mit Stadtrundfahrt. 2 Tage in der alten Inka-Metropole
Cusco, die nicht nur wegen ihrer Höhenlage auf 3600 m atemberaubend
ist. Hier wurde uns von einem sehr engagierten Führer sowohl
die beeindruckende Kultur der Inka nahegebracht als auch das nach
500 Jahren immer noch zwiespältige Verhältnis der Peruaner
zu ihren spanisch-inkaischen Wurzeln. Der touristische Höhepunkt
war dann zweifellos der 1-tägige Besuch von Macchu Pichu, der
einzigen komplett erhaltenen Inka-Stadt in Südamerika. Diese
eindrucksvolle Stätte verdient wahrlich die Bezeichnung "Weltkulturerbe".
Müde aber bereichert durch eine Vielzahl sehr positiver Eindrücke
und Erlebnisse traten wir am 28.11 02 den Heimflug an.
Resumée
Peru könnte man in Anbetracht seines Entwicklungsstandes als
Schwellenland bezeichnen. Im Hinblick auf INTERPLAST-Einsätze
dürfte es sich daher eher eignen als reine "Notstandsgebiete",
wo elementare (Überlebens-) Hilfe für die Menschen im
Vordergrund steht. In Verbindung mit PEP e.V. - PPEPP als "heißem
Draht" ist eine sinnvolle Symbiose entstanden. Einerseits bedeutet
ein vergleichsweise spektakulärer INTERPLAST-Einsatz für
den Peru-Verein einen Image-Schub und hilft so bei der Verwirklichung
anderer Projekte. Andererseits kann PEP e.V. - PPEPP durch die Planung
und Organisation zukünftiger INTERPLAST-Einsätze vor Ort
für eine sinnvolle Kontinuität sorgen.
ALSO: Cajamarca wartet auf weitere INTERPLAST-Einsätze!
Stefan Pappert, Trier
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