Einsatzbericht Cagayan de Oro / Philippinen 2002
Interplasteinsatz vom 15.11.-2.12.02

Cagayan de Oro ist eine an der nordwestlichen Küste von Mindanao gelegene philippinische Hafenstadt. Die Stadt hat ca. 500000 Einwohner und liegt 2 Flugstunden südlich der Hauptstadt Manila.
Da ein kostengünstiger bzw. kostenfreier Übergepäcktransport von Frankfurt bis Manila nur mit Kuwait-Airways zu vereinbaren war, sind wir inklusive unserer Ausrüstung von Frankfurt über Kuwait und Bankok nach Manila und von dort mit Philippine Airways nach Cagayan de Oro geflogen. Die Flugroute war zeitraubend ansonsten aber erfreulich komplikationslos was den Gepäcktransport und die Einreise betraf. Unsere Gruppe bestand aus:


den Chirurgen Philipp Muhl (Kiel)
Hans-Christian Jacobsen (Lübeck) und
Peter Sieg (Lübeck) ,
den Anaesthesisten Katharina Kamm (Lübeck) und
Gunther Kranert (Saalfeld)
und den OP-Schwestern Katrin Sojka (Bad Kreuznach) und
Daniela Bohm (Lübeck).

 

 

Der Einsatz wurde möglich durch einen Kontakt zum German Hospital in Cagayan de Oro. Dieses Hospital wird von dem Komitee "Ärzte für die Dritte Welt" organisiert und finanziert. Die Vorbereitung des Einsatzes erfolgte per e-mail Kontakt zu dem in Cagayan de Oro ansässigen Projektkoordinatior Dietmar Schug. Ihm und seinen Mitarbeitern verdanken wir eine exzellente Vorbereitung des Einsatzes. Unser Transport, unsere Unterkunft sowie die Verpflegung im Hospital waren organisiert. Alle potentiellen Patienten warteten am Tag unserer Ankunft bzw. den ersten Tagen danach bereits auf uns im Hospital. Die Patienten kamen zum Teil aus entlegenen ländlichen Gebieten, waren bereits voruntersucht worden und die Fälle entsprechend unserer vorab skizzierten Möglichkeiten ausgewählt.
Katharina Kamm befand sich zum Zeitpunkt unserer Ankunft bereits in Cagayan de Oro, hatte zuvor bereits in Manila in einem Projekt von "Ärzte für die dritte Welt" gearbeitet und eine Woche vor unserer Abreise aus Deutschland die Möglichkeit, die Gegebenheiten im German Hospital kennenzulernen und unser Equipement darauf abzustimmen.
Wir konnten noch am Tag unserer Ankunft damit beginnen, Patienten zu untersuchen und bereits die ersten Operationen durchführen und dies - ein sehr geschätztes Novum für mich - ohne Unterbrechungen durch störende offizielle Zeremonien oder dergleichen.

 

Schwestern unter sich...


Das Spektrum der insgesamt ca. 150 sich vorstellenden Patienten umfasste neben einer größeren Anzahl von Patienten mit Lippen- Kiefer- Gaumenspalten Patienten mit Verbrennungskontrakturen der Extremitäten und des Halses, Neoplasien der Kopf/Halsregion (Parotistumore, Gefäßmalformationen, Metastasen) sowie eine große Anzahl von vorwiegend jungen weiblichen Patienten mit erheblichen Strumen. Diese Patienten hatten zuvor eine endokrinologische Diagnostik erfahren. Da eine langfristige endokrinologische Nachsorge dank der von "Ärzte für die dritte Welt" geschaffenen Strukturen gewährleistet ist, konnten wir auch 15 subtotale Strumektomien durchführen. Ursache der exzessiven Strumenbildung in dieser küstennahen Region sei ein indirekter Jodmangel bedingt durch den ständigen Verzehr der Cassavawurzel, was zu einer Blockade der Jodaufnahme führe.
Insgesamt konnten in 13 OP-Tagen 94 Patienten operiert werden, darunter 24 Kinder eines Alters unter 2 Jahren. Neben kleineren Wundinfektionen waren keine größeren Komplika-tionen zu beklagen. Die Bedingungen im Krankenhaus waren vergleichsweise gut, wir konnten ständig über 2 OP-Tische verfügen, vis-a-vis des OP's wurde uns eine Station eingerichtet, die von hauseigenen Schwestern kompetent betreut wurde. Die hilfreiche Zusammenarbeit mit den OP-Personal des Hauses ist sicher einer der Gründe, warum es in 14 Tagen nicht ein einziges Mal gelang, unsere Schwestern Katrin Sojka und Daniela Bohm auch nur ansatzweise aus der Fassung zu bringen. Der anaesthesiologische Service (ein Narkosegerät, ansonsten TIVA) hat uns Chirurgen in seiner Reibungslosigkeit nachhaltig verwöhnt.
Auf keinen Fall unerwähnt bleiben darf, dass im Hospital in einem Maße speziell für unser leibliches Wohl Sorge getragen wurde, dass wir quasi nebenbei die philippinische Küche kennen und ausgesprochen schätzen gelernt haben.
Die Dokumentation im Hospital - für mich persönlich ein kleiner Wehrmutstropfen dieses Einsatzes: Die bewährte "Interplast-Kartendokumentation" - kurz und effizient wurde im "German Hospital" ergänzt durch eine Anzahl von Dokumentationsbögen, die pro Patient auszufüllen waren - Kehrseite des europäischen Einflusses ?

Hervorzuheben ist die äußert hilfreiche und effiziente Zusammenarbeit mit dem Komitee "Ärzte für die Dritte Welt". Dies betrifft sowohl die Vorbereitung des Einsatzes als auch das Miteinander im Hospital während unseres Aufenthaltes. Transport, Unterbringung, Verpflegung und die Pflege der Patienten ferner unsere Verpflegung im Hospital wurden von dem Komitee organisiert und getragen. Ebenso bestand kein Zweifel an einer zuverlässigen Nachsorge der Patienten nach unserer Abreise.
Eine Fortsetzung dieser Zusammenarbeit in Cagayan de Oro ist aus unserer Sicht nur zu empfehlen. Der medizinische Bedarf in der Region ist hoch, die Zusammenarbeit gestaltet die Arbeit sehr effizient und spart Kosten. Der zudem freundliche und warmherzige Kontakt zu den Philippinos - zu Personal wie Patienten - ist weiterer Grund, den Kontakt dorthin zu pflegen und einen erneuten Einsatz zu planen.

Peter Sieg, Lübeck





unterwegs im Jeepney...

 

 

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Einsatzberichte 2010

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