Einsatzbericht Bangalore, Indien 2002
Free Plastic Surgery Camp in Bangalore 21.6.-6.7.2002

Vom 21.6. bis 6.7. führten wir einen Interplast Einsatz in Südindien durch. Unser Team bestand aus sechs Ärzten und zwei Schwestern.

Unser Einsatz führte uns ins südindische Bangalore. Vor Ort hatte sich die Friends Welfare Organisation (FWO) um die Mitarbeit von Interplast Germany zur Durchführung eines „Free Plastic Surgery Camp“ bemüht. Die „FWO“ ist eine Gruppe mittelständischer indischer Industrieller aus der Stahlbranche. Als Mitglieder der hinduistischen Jain-Glaubensgruppe zeigen sie sehr großes soziales Engagement in verschiedenen humanitären Projekten. Mit Hilfe dieser integren Menschen war eine sehr gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten innerhalb unseres zweiwöchigen Einsatzes gewährleistet.

Am ersten Tag nach unserer Ankunft nach 24-stündiger Reise führten wir die Patientensichtung durch. Ort unseres Einsatzes war ein noch nicht fertiggestelltes Gebäude auf dem Gelände eines großen Krankenhauses im Zentrum von Bangalore. In diesem Gebäude, das sich weitgehend noch im Rohbau befand, war ein Stockwerk zur Durchführung verschiedener kostenloser medizinischer Camps fertiggestellt. Dort hatten wir zwei OP-Säle und einen großen Bettensaal zur Verfügung.

 

 

Durch Informationsplakate, die von der FWO in der Stadt im Vorfeld unseres Camps aufgehängt waren, kamen am „Screeningday“ ca. 300 potentielle Patienten mit ihren Familien.
Trotz vieler Verzögerungen durch Fernsehteams, Ministerbesuch und einiger Gespräche mit städtischen Honoratioren hatten wir am Abend alle Patienten gesehen, erfasst, fotografiert und untersucht.
Unser Bestreben war es, den Patienten so früh wie möglich ihren OP-Termin mitzuteilen, damit sie die große Gruppe der Wartenden wieder verlassen konnten.

 

 

Die ursprünglich anvisierten 10 OP-Tage verkürzten sich um einen Tag, da gleich am ersten Tag unseres Einsatzes operative Eingriffe aufgrund einer Mondfinsternis ausgeschlossen waren.
An den verbleibenden 9 Tagen konnten wir unter Mithilfe von vier indischen Schwestern insgesamt 90 Patienten und Patientinnen operativ versorgen. Es handelten sich hier überwiegend um Spaltenkinder (s. Tabelle).


Lippenspalten 33
Lippen-Kiefer-Spalten 5
LKG 33
LG 7
Verbrennungen 5
Syndaktilien 2
Ohrdeformitäten 1
Narben 4


Die apparative Ausstattung der Operationssäle war sehr gut, die indischen Schwestern arbeiteten sehr motiviert mit und die Stimmung im Gesamtteam war gut.

 

 

Auffallend von anästhesiologischer Sicht war, dass die Kinder sehr klein waren und nahezu alle chronischen Atemwegsinfekte hatten. So waren zum Beispiel Einjährige mit 2,5, Kilogramm und Fünfjährige mit 6 Kilogramm Körpergewicht nichts Außergewöhnliches.
Trotz dieser vergleichsweise schwierigen Bedingungen lief die „Anästhesieabteilung“ routiniert und ohne Verzögerungen ebenso wie auch der chirurgische Einsatz ab.

Der einzige Wermutstropfen bei diesem insgesamt sehr positiv zu bewertenden Einsatz bestand in einer relativ großen Anzahl von postoperativen Infekten (12 von 90), für die wir bisher noch keine befriedigende Antwort gefunden haben. Gemeinsam mit unseren indischen Partnern arbeiten wir weiter an der Lösung dieses Problems, nicht zuletzt im Hinblick auf ein zukünftiges Camp.
Denn – begründet durch die vielen abgelehnten Patientinnen und Patienten – haben wir eine Wiederholung des Camps im nächsten Jahr in Aussicht gestellt.

An dieser Stelle ist es uns abschließend ein Bedürfnis den vielen Unterstützerinnen und Unterstützern aus der Industrie für die Sachspenden und vor allem der Lufthansa für den großzügigen Freitransport des doch recht üppigen Übergepäcks herzlich zu danken!

 

 

Das Team:
Sr Tabea Kerner (Anästhesieschwester)
Sr Tanja Engel (OP-Schwester)
Dr, Herbert Bauer (Anästhesist, Teamleiter)
Dr. Robin Deb (Plastischer Chirurg)
Dr, Stefan Düchting (Plastischer Chirurg)
Dr. Rolf Hinger (Anästhesist)
Dr. Robert Oellinger (Plastischer Chirurg)
Dr. Alexander Rudolph (Mund-Kiefer-Gesichtschirurg)

 

 

Interplast
Einsatzberichte 2009

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