Einsatzbericht Amman, Jorsanien 2002

Unser Mann in Amman

Sektion Siebengebirge zum vierten Mal bei Lutz Wollstein


Interplast-Einsätze leben nicht nur von dem persönlichen Engagement seiner Teilnehmer, die selbstlos ihren Jahresurlaub opfern und vielleicht auch noch Spenden sammeln, um Flug und Material bezahlen zu können, sie leben genauso viel und noch mehr von den Personen, die das Geschehen vor Ort initiieren. Personen, die die Initiative ergreifen, die Verbindung zu einem geeigneten Krankenhaus herstellen, die Patienten aussuchen, die Verbindungen mit den lokalen Behörden herstellen und während des Einsatzes die vielen tausend Kleinigkeiten regeln, welche es neben der hochqualifizierten Arbeit der einreisenden Spezialisten zu bewältigen gilt.

Ein solcher Mann ist Lutz Wollstein, zuletzt unser Mann in Amman.
Erstmals trafen wir uns im Frühjahr 1997 abends beim Whisky in windiger Höhe auf der Dachterrasse eines Wüstenhotels in Keren/Eritrea. Er hatte dort die Penthouse-Wohnung bezogen und wir wohnten in einem eher bescheidenen Zimmer, das den verblichenen Glanz der italienischen Kolonialzeit nur noch erahnen ließ. Er war dort Orthopädiemechaniker und
-ausbilder und hatte seit mehreren Jahren in der Wüstenstadt des Landes, in dem zuvor ein Jahrzehntelanger Bürgerkrieg gewütet hatte, eine Ausbildungswerkstatt für Orthopädietechnik aufgebaut. Da er schon seit vielen Jahren im Dienste ausländischer Hilfsorganisationen stand, kannte er selbstverständlich auch Gottfried Lemperle und Interplast. Ganz schnell waren die Fäden geknüpft und schon am nächsten Tag konnten wir ein halbes Dutzend von seinen Problemfällen aus seiner Werkstatt auf offener Ladefläche eines Pickups in das lokale Krankenhaus transportieren, um sie anschließend dort zu operieren, er war mit seinen orthopädisch-technischen Maßnahmen nicht mehr weitergekommen.

Ein Jahr später war er der Organisator unseres nächsten Einsatzes, seine Orthopädiewerkstatt war die Anlaufstelle für Problemfälle aus der ganzen Gegend und so freute er sich schon darauf, dass wieder ein Team kam, um seine Problemfälle abzuarbeiten.
Zwei Jahre später erreichte uns dann der Ruf aus Amman. Er hatte inzwischen den Dienst in Eritrea beendet und war nunmehr im Auftrag einer anderen Hilfsorganisation in Amman, um dort für die arme Bevölkerung eine entsprechende Orthopädiewerkstatt aufzubauen. Diese befand sich in einem von einer Stiftung betriebenen Rehabilitationszentrum, in der zumeist Kinder mit angeborenen Störungen des Bewegungsapparates versorgt werden. Diese Al-Hussein-Stiftung hatte das Zentrum zu einer Blüte gebracht, wie man es in einem Land des vorderen Orients nicht erwartete, zumal es sich der Behandlung und Betreuung insbesondere der armen Bevölkerung verschrieben hat. Die Werkstatt für Orthopädietechnik war nur ein Mosaikstein des Gesamtgebildes, zu dem eine Schule, ein Internat, zahlreiche physiotherapeutische Einrichtungen, ein therapeutisches Schwimmbad, aber auch Ausbildungswerkstätten und eine Krankenabteilung gehören.

So konnten wir im Jahre 2000 unseren Milleniumseinsatz in Amman durchführen, nachdem Lutz Wollstein zahlreiche von ihm betreute Kinder insbesondere mit Folgen der Spina bifida, Osteogenesis imperfecta und Cerebralparese gesammelt hatte (auf den Einsatzbericht im letzten Jahresheft darf ich verweisen).
Nun rief unser Mann zum zweiten Mal aus Amman an und bat um den Einsatz eines Teams. Aus den Erlebnissen des ersten Einsatzes hatten wir gelernt, dass die Beurteilung der orthopädischen Problemfälle ungleich schwieriger war, als das, was wir bei unseren sonstigen plastisch-chirurgischen Einsätzen gewohnt waren. Es handelte sich häufig um sehr komplexe Krankheitsbilder, die zahlreiche Gelenke umfassten. Die Voruntersuchungen und das Treffen der Auswahl war insoweit ungleich zeitaufwändiger als wir dies von anderen Einsätzen gewohnt waren.
Aus dieser Erfahrung heraus wurde schon im Juli 2002 ein Vorauskommando nach Amman geschickt, das die von Lutz Wollstein vorgesehenen Patienten screente und eine Endauswahl traf. Als dann das gesamte Team im Oktober 2002 eintraf, war der OP-Plan für die kommenden zwei Wochen festgeschrieben, wir hatten die geeigneten Implantate und die richtigen Schrauben und Nagellängen mit im Reisegepäck.

Die fruchtbare Verbindung mit den Orthopäden der Universitätsklinik Heidelberg, allen voran Rainer Abel als Wiederholungstäter und Michael Clarius mit der geschätzten Gabi Hennig und der Physiotherapeutin Tanja Damarow führten zu einer Symbiose, welche hoch effektives Arbeiten und höchst erstaunliche Operationsergebnisse hervorbrachte. Die Zusammenarbeit mit den plastischen Chirurgen erwies sich als immer wieder fruchtbar, um bei problematischen Weichteilsituationen ein erfolgreiches Operationsergebnis zu erreichen.
Bei der Gelegenheit konnten wir auch zahlreiche Patienten nachuntersuchen, welche zwei Jahre zuvor operiert worden sind. Als uns ein kleines Mädchen mit einem Riesenblumenstrauß und einem Florentiner Hut auf dem Kopf zu Fuß entgegen kam, fiel es uns schwer, uns an das kleine Bündel Mensch zu erinnern, welches mit verknoteten Beinen zwei Jahre zuvor im Rollstuhl ohne jegliche Aussicht auf Mobilität vorgestellt worden war. Bei diesem Erlebnis trieb es auch hartgesottenen, weit gereisten Medizinern die Tränen in die Augen.
So wurde es auch diesmal wieder ein für alle Seiten beeindruckender Einsatz, welcher garniert wurde durch Einladungen prominenter Landsleute in orientalische Traumhäuser und einer Wüstentour auf den Spuren von Laurence von Arabien.
K

aum waren wir einen Monat zu Hause, rief unser Mann aus Amman schon wieder an, diesmal aber aus Jakarta...


Michael Schidelko,
Rainer Abel,
Michael Clarius

 

 

Interplast
Einsatzberichte 2009

Einsatzberichte 2009



Wir sind stolz auf unsere Beurteilung !

www.charitywatch.de


Wir brauchen Ihre Hilfe !!!

Schon mit 100 Euro können Sie einem
Patienten unserer Einsatzorte vor lebensgefährlichen Verletzungs- und Krankheitsfolgen bzw. sozialen Ausschluß bewahren.

Das Spendenkonto von INTERPLAST-Germany e.V. lautet:

Deutsche Bank Köln
KTO: 2571990
BLZ: 37070024


IBAN :
DE 97 37 07 00 2402 57 19 90 00
BIC: DEUT DE DB KOE

Bitte vergessen sie nicht Ihren Namen und Ihre Adresse auf der Überweisung anzugeben damit wir Ihnen eine Spendenquittung zustellen können.



INTERPLAST-Stiftung

Zur Förderung längerfristiger Projekte Humanitärer Plastischer Chirurgie wurde die INTERPLAST-Stiftung gegründet. Ihre Zustiftungen helfen den Grundstock für eine dauerhafte Hilfe aufzubauen. Alle Informationen finden Sie unter:

www.interplast-germany.info



ESPRAS SHARE soll eine übergeordnete Organisationsstruktur für humanitäre Plastische Chirurgie in Entwicklungsländern bieten, ausgehend von

der Europäischen Vertretung der nationalen Plastischen-Chirurgischen Gesellschaften (ESPRAS). Weitere Informationen finden Sie unter:

www.esprasshare.org


Herausgeber und Copyright ©: Interplast Germany e.V. - Internationale Plastische Chirurgie für Entwicklungsländer

 

Diese Seite wurde realisiert durch: www.sinn7.de