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Oktober bis 10. November
Das Team bestand aus 5 Mitgliedern:
Astrid Krönchen, Anästhesistin
Franz Lassner, Plastischer Chirurg
Beatrice Abogaye, Anästhesieschwester
Truus Riuten-Pijls, OP - Schwester
Stefanie van den Boom, OP - Schwester
Bei diesem Projekt handelte es sich um einen Ersteinsatz, der von
uns mit der Absicht begonnen wurde, eine längerfristige Kooperation
aufzubauen. Die Auswahl des Einsatzortes ergab sich aus der Tatsache,
dass unsere Anästhesieschwester, Beatrice Abogaye, Ghanaerin
ist. Aufgrund ihrer engen familiären Bindungen nach Ghana konnten
wir im Vorfeld Kontakte zu einflussreichen Vertretern des ghanaischen
Gesundheitswesens herstellen und den Einsatz planen. In Akkra gibt
es zwei große Krankenhäuser, die prinzipiell bereit waren,
ein solches Projekt zu unterstützen: das Universitätsklinikum
Korlebu und das Militärkrankenhaus Nr 37. Ursprünglich
war eine Kooperation mit der Uniklinik geplant, weil der schon fest
gebuchte Einsatz aber von Seite der Afrikaner kurzfristig abgesagt
wurde, musste das gesamte Projekt um ein halbes Jahr verschoben
werden.
Nach dieser Erfahrung planten wir den zweiten Anlauf mit den Militärs,
und konnten dann zwei Wochen lang (vom 25.10.bis zum 8.11. 2002)
in Militärkrankenhaus in Akkra operieren.
Bei einem Ersteinsatz in einem neuen Land müssen zunächst
die lokalen Gegebenheiten erkundet und Infrastrukturen aufgebaut
werden. Bea Abogaye ist 4 Monate vor dem eigentlichen Einsatz für
7 Tage nach Ghana gereist und konnte wichtige Informationen einholen
sowie unsere direkten Mitarbeiter vor Ort persönlich kennenlernen.
Group Captain Laryea, Ärztlicher Direktor der chirurgischen
Abteilungen, wurde für das Projekt gewonnen und unterstützte
unsere Arbeit mit viel Engagement. Plastisch chirurgische Eingriffe
werden in Ghana ausschließlich im Uniklinikum durchgeführt,
es besteht also ein großer Bedarf. Vor Jahren waren Mitglieder
eines türkischen Interplast Teams für einige Jahre am
Militärkrankenhaus Nr 37 tätig, es kam dann aber zu keiner
Fortsetzung der Aktivitäten.
4 Wochen vor dem Einsatz wurde dann das Material gepackt, für
den Zoll zweisprachig gelistet und per Luftfracht nach Akkra geschickt,
insgesamt 300 kg Luftfracht. Uns war versprochen worden, das Material
schon vor unserer Ankunft durch den Zoll zu schleusen und bereits
im Krankenhaus zu deponieren, was aber erst nach unserer Ankunft
geschah und zusätzliche Telefonate kostete. Die Palette mit
dem Material konnte dann im Krankenhaus in Empfang genommen werden.
Wir erhielten einen Raum zur Verfügung gestellt, in dem wir
ein provisorisches Materiallager einrichten konnten. Die Verbrauchsmaterialien
wurden sortiert und die Instrumente zu Sterilisierung vorbereitet.
Patienten waren entsprechend unseren Vorgaben einbestellt worden,
plastisch rekonstruktive Probleme exklusive der Spalten zu operieren.
Am Tag nach der Ankunft konnten wir 12 Patienten untersuchen und
die ersten Operationstage planen. Die Untersuchungen fanden im Ambulanzbereich
der Klinik statt, hier konnten auch die bereits operierten und entlassenen
Patienten betreut und verbunden werden, wobei wir von den Ambulanzschwestern
unterstützt wurden. Die operierten Patienten wurden auf verschiedenen
Stationen untergebracht, zum größten
Teil in neu renovierten Bereichen des Krankenhauses.
Am ersten Tag unseres Aufenthaltes war führten wir ein Interview
mit einer überregionalen Zeitung, was uns viele zusätzliche
Patienten aus Akkra und Umgebung zuführte. Allerdings bedeutete
das auch, dass wir täglich vor dem Beginn des Op-Programms
Sprechstunde abhalten mussten und dadurch erst gegen 11 Uhr mit
den Operationen beginnen konnten. Leider kamen dann mehrere Patienten
mit schwerwiegenden Erkrankungen erst in den letzten Tagen unseres
Aufenthaltes, so dass wir sie nicht mehr operieren konnten, sie
wurden für das nächste Jahr einbestellt. Diese organisatorischen
Probleme sind bei einem Ersteinsatz unvermeidlich. Für die
Folgeeinsätze ist vereinbart, dass wir möglichst alle
Patienten am ersten Tag sehen, so dass wir effektiver planen können.
Insgesamt wurden an 10 Operationstagen 40 Patienten operiert, die
Eingriffe selbst rangierten von einfachen Spalthauttransplantationen
zu komplexen mehrstündigen rekonstruktiven Eingriffen.
Hierzu einige Beispiele:

Ein zwölfjähriges Mädchen hatte im Alter von 2
Jahren eine Verbrühung des linken Armes erlitten. In der Folgezeit
war eine narbige Kontraktur entstanden, die den Ellenbogen in eine
fixierte Beugestellung von 120° gebracht hatte. Weil bei unserer
Patientin durch die lange bestehende Beugekontraktur sekundäre
Schrumpfungen der Sehnen, Nerven und Gelenk - Kapselstrukturen entstanden
waren, konnte in dem ersten Eingriff nicht eine volle Streckung
wiederhergestellt werden. Die 5-stündige Operation erforderte
die Lösung der verkürzten funktionellen Strukturen und
den plastischen Ersatz einer großen Hautfläche auf der
Beugeseite des Ellenbogens durch einen Radialis-Umkehrlappen.

Die Beugekontraktur konnte um 40° gebessert werden, die weitere
Streckung muss durch krankengymnastische Übungsbehandlung erzielt
werden.
Weitere Eingriffe waren Korrekturen von Narbenkontrakturen nach
Verbrennungen durch Spalt- oder Volhauttransplantationen, lokale
Lappen und Crossfingerlappen an den Extremitäten und im Gesicht,
Tumore und Ulcera der Extremitäten. Freie Gewebetransfers wären
bei einigen Patienten notwendig gewesen, wurden aber bei diesem
Ersteinsatz nicht durchgeführt, weil die fachliche Nachsorge
nicht gesichert war. Anders lag die Situation bei weniger komplexen
Verfahren, wie zum Beispiel bei den Crossfingerlappen. Hier werden
Zweiteingriffe nach Beendigung unseres Einsatzes notwendig, diese
wurden von unseren Ghanaischen Kollegen durchgeführt. Diese
Möglichkeit der Nachsorge versetzt uns in die Lage, unsere
Einsätze wesentlich effektiver zu planen zu können. Bisher
war es üblich, die komplette Nachsorge der Patienten durch
das Interplast Team zu gewährleisten. Dies bedeutet dann natürlich,
dass die großen Eingriffe in der ersten Woche abgeschlossen
sein müssen, damit genügend Zeit für die Nachsorge
bleibt. Für die zweite Woche konnten nur kleinere, und dann
meistens auch medizinisch weniger relevante Operationen durchgeführt
werden. Wir sehen in Akkra dagegen eine gute Möglichkeit, durch
das vorhandene Interesse an speziellen plastischen Operationen einen
Teil der Behandlung an unsere Kollegen vor Ort zu übertragen.
Wir haben für künftige Einsätze abgesprochen, dass
uns ein junger Kollege zugeteilt wird, der von uns angelernt wird.
So können wir möglicherweise lokale Strukturen in Sinne
einer Hilfe zur Selbsthilfe etablieren.
Fazit:
Wir haben in Akkra die Möglichkeit, Plastische Chirurgie unter
sehr guten Bedingungen zu betreiben. Auch komplexe Eingriffe sind
möglich, weil der technische Standard der Einrichtungen hoch
und die chirurgische Nachbehandlung gesichert ist. Weitere Einsätze
sind geplant, schon jetzt haben wir mehr als 15 Patienten auf eine
Warteliste für das kommende Jahr gesetzt. Es ist damit zu rechnen,
daß die Anzahl der Patienten stark ansteigen wird, so daß
eine dauerhafte Kooperation sinnvoll ist, was auch von Seiten unserer
ghanaischen Kollegen unterstützt wird. Der nächste Einsatz
ist für Ende 2003 geplant.
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