Einsatzbericht Akkra, Ghana 2002

27. Oktober bis 10. November


Das Team bestand aus 5 Mitgliedern:
Astrid Krönchen, Anästhesistin
Franz Lassner, Plastischer Chirurg
Beatrice Abogaye, Anästhesieschwester
Truus Riuten-Pijls, OP - Schwester
Stefanie van den Boom, OP - Schwester

Bei diesem Projekt handelte es sich um einen Ersteinsatz, der von uns mit der Absicht begonnen wurde, eine längerfristige Kooperation aufzubauen. Die Auswahl des Einsatzortes ergab sich aus der Tatsache, dass unsere Anästhesieschwester, Beatrice Abogaye, Ghanaerin ist. Aufgrund ihrer engen familiären Bindungen nach Ghana konnten wir im Vorfeld Kontakte zu einflussreichen Vertretern des ghanaischen Gesundheitswesens herstellen und den Einsatz planen. In Akkra gibt es zwei große Krankenhäuser, die prinzipiell bereit waren, ein solches Projekt zu unterstützen: das Universitätsklinikum Korlebu und das Militärkrankenhaus Nr 37. Ursprünglich war eine Kooperation mit der Uniklinik geplant, weil der schon fest gebuchte Einsatz aber von Seite der Afrikaner kurzfristig abgesagt wurde, musste das gesamte Projekt um ein halbes Jahr verschoben werden.

Nach dieser Erfahrung planten wir den zweiten Anlauf mit den Militärs, und konnten dann zwei Wochen lang (vom 25.10.bis zum 8.11. 2002) in Militärkrankenhaus in Akkra operieren.
Bei einem Ersteinsatz in einem neuen Land müssen zunächst die lokalen Gegebenheiten erkundet und Infrastrukturen aufgebaut werden. Bea Abogaye ist 4 Monate vor dem eigentlichen Einsatz für 7 Tage nach Ghana gereist und konnte wichtige Informationen einholen sowie unsere direkten Mitarbeiter vor Ort persönlich kennenlernen.

Group Captain Laryea, Ärztlicher Direktor der chirurgischen Abteilungen, wurde für das Projekt gewonnen und unterstützte unsere Arbeit mit viel Engagement. Plastisch chirurgische Eingriffe werden in Ghana ausschließlich im Uniklinikum durchgeführt, es besteht also ein großer Bedarf. Vor Jahren waren Mitglieder eines türkischen Interplast Teams für einige Jahre am Militärkrankenhaus Nr 37 tätig, es kam dann aber zu keiner Fortsetzung der Aktivitäten.
4 Wochen vor dem Einsatz wurde dann das Material gepackt, für den Zoll zweisprachig gelistet und per Luftfracht nach Akkra geschickt, insgesamt 300 kg Luftfracht. Uns war versprochen worden, das Material schon vor unserer Ankunft durch den Zoll zu schleusen und bereits im Krankenhaus zu deponieren, was aber erst nach unserer Ankunft geschah und zusätzliche Telefonate kostete. Die Palette mit dem Material konnte dann im Krankenhaus in Empfang genommen werden. Wir erhielten einen Raum zur Verfügung gestellt, in dem wir ein provisorisches Materiallager einrichten konnten. Die Verbrauchsmaterialien wurden sortiert und die Instrumente zu Sterilisierung vorbereitet.

Patienten waren entsprechend unseren Vorgaben einbestellt worden, plastisch rekonstruktive Probleme exklusive der Spalten zu operieren. Am Tag nach der Ankunft konnten wir 12 Patienten untersuchen und die ersten Operationstage planen. Die Untersuchungen fanden im Ambulanzbereich der Klinik statt, hier konnten auch die bereits operierten und entlassenen Patienten betreut und verbunden werden, wobei wir von den Ambulanzschwestern unterstützt wurden. Die operierten Patienten wurden auf verschiedenen Stationen untergebracht, zum größten
Teil in neu renovierten Bereichen des Krankenhauses.
Am ersten Tag unseres Aufenthaltes war führten wir ein Interview mit einer überregionalen Zeitung, was uns viele zusätzliche Patienten aus Akkra und Umgebung zuführte. Allerdings bedeutete das auch, dass wir täglich vor dem Beginn des Op-Programms Sprechstunde abhalten mussten und dadurch erst gegen 11 Uhr mit den Operationen beginnen konnten. Leider kamen dann mehrere Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen erst in den letzten Tagen unseres Aufenthaltes, so dass wir sie nicht mehr operieren konnten, sie wurden für das nächste Jahr einbestellt. Diese organisatorischen Probleme sind bei einem Ersteinsatz unvermeidlich. Für die Folgeeinsätze ist vereinbart, dass wir möglichst alle Patienten am ersten Tag sehen, so dass wir effektiver planen können. Insgesamt wurden an 10 Operationstagen 40 Patienten operiert, die Eingriffe selbst rangierten von einfachen Spalthauttransplantationen zu komplexen mehrstündigen rekonstruktiven Eingriffen.

Hierzu einige Beispiele:


 

Ein zwölfjähriges Mädchen hatte im Alter von 2 Jahren eine Verbrühung des linken Armes erlitten. In der Folgezeit war eine narbige Kontraktur entstanden, die den Ellenbogen in eine fixierte Beugestellung von 120° gebracht hatte. Weil bei unserer Patientin durch die lange bestehende Beugekontraktur sekundäre Schrumpfungen der Sehnen, Nerven und Gelenk - Kapselstrukturen entstanden waren, konnte in dem ersten Eingriff nicht eine volle Streckung wiederhergestellt werden. Die 5-stündige Operation erforderte die Lösung der verkürzten funktionellen Strukturen und den plastischen Ersatz einer großen Hautfläche auf der Beugeseite des Ellenbogens durch einen Radialis-Umkehrlappen.

 

 

Die Beugekontraktur konnte um 40° gebessert werden, die weitere Streckung muss durch krankengymnastische Übungsbehandlung erzielt werden.
Weitere Eingriffe waren Korrekturen von Narbenkontrakturen nach Verbrennungen durch Spalt- oder Volhauttransplantationen, lokale Lappen und Crossfingerlappen an den Extremitäten und im Gesicht, Tumore und Ulcera der Extremitäten. Freie Gewebetransfers wären bei einigen Patienten notwendig gewesen, wurden aber bei diesem Ersteinsatz nicht durchgeführt, weil die fachliche Nachsorge nicht gesichert war. Anders lag die Situation bei weniger komplexen Verfahren, wie zum Beispiel bei den Crossfingerlappen. Hier werden Zweiteingriffe nach Beendigung unseres Einsatzes notwendig, diese wurden von unseren Ghanaischen Kollegen durchgeführt. Diese Möglichkeit der Nachsorge versetzt uns in die Lage, unsere Einsätze wesentlich effektiver zu planen zu können. Bisher war es üblich, die komplette Nachsorge der Patienten durch das Interplast Team zu gewährleisten. Dies bedeutet dann natürlich, dass die großen Eingriffe in der ersten Woche abgeschlossen sein müssen, damit genügend Zeit für die Nachsorge bleibt. Für die zweite Woche konnten nur kleinere, und dann meistens auch medizinisch weniger relevante Operationen durchgeführt werden. Wir sehen in Akkra dagegen eine gute Möglichkeit, durch das vorhandene Interesse an speziellen plastischen Operationen einen Teil der Behandlung an unsere Kollegen vor Ort zu übertragen. Wir haben für künftige Einsätze abgesprochen, dass uns ein junger Kollege zugeteilt wird, der von uns angelernt wird. So können wir möglicherweise lokale Strukturen in Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe etablieren.

Fazit:
Wir haben in Akkra die Möglichkeit, Plastische Chirurgie unter sehr guten Bedingungen zu betreiben. Auch komplexe Eingriffe sind möglich, weil der technische Standard der Einrichtungen hoch und die chirurgische Nachbehandlung gesichert ist. Weitere Einsätze sind geplant, schon jetzt haben wir mehr als 15 Patienten auf eine Warteliste für das kommende Jahr gesetzt. Es ist damit zu rechnen, daß die Anzahl der Patienten stark ansteigen wird, so daß eine dauerhafte Kooperation sinnvoll ist, was auch von Seiten unserer ghanaischen Kollegen unterstützt wird. Der nächste Einsatz ist für Ende 2003 geplant.

 

 

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