|
vom 16.2.- 3.3.01
Der Einsatz in Kunamkulam/Kerala war ein erster Kontakt von Interplast-Germany
zu dem “Allied Hospital“ in Kunamkulam. Vorausgegangen
war eine ein Jahr zurückliegende Anfrage und ein seitdem bestehender
mail-Kontakt zwischen Dr. Jacob Roy und Dr. Nuri Alamuti aus Bad
Kreuznach, der den Einsatz im Wesentlichen vorbereitet hat. Dr.
Jacob Roy ist als Pädi-ater in eigener Praxis in Kunamkulam
tätig und sehr angagiert sowohl in der Indian Medical Association
als auch Chairman der “Tropical Health Foundation of India”
sowie der “Alz-heimer’s & Related Disorders Society
of India”. Er hat den Kontakt zu Interplast gesucht und seine
Vorbereitung in Kunamkulam war bezüglich unseres Transportes,
der Unterbringung und Verpflegung, vor allem aber bezüglich
der Vorbereitung in der Klinik exzellent.

Unsere Gruppe startete von Frankfurt und bestand aus acht Mitgliedern:
den Chirurgen Dr. Swantje Pfleumer (Plast.Chirurgie, Halle),
Dr. Nuri Alamuti ( Plast.Chirurgie, Bad Kreuznach),
Dr. Stephan Bierwolf (Kiefer-u.Gesichtschir., Lübeck) und
PD Dr.Dr. Peter Sieg (Kiefer-u.Gesichtschir.,Lübeck) als Teamleiter;
den Anaesthesisten Dr. Friederike Reichstein (Erfurt) und
Dr. Gunther Kranert (Suhl);
sowie den OP-Schwestern Katrin Sojka-Müller (Bad Kreuznach)
und
Daniela Bohm (Lübeck).
Ein Novum für uns war die Begleitung durch ein 3-köpfiges
Fernsehteam von Pro7. Nach Anfrage bei Dr. Alamuti begleiteten uns
die Redakteurin Sabine Pietsch und ihr Kamerateam vom Abflug in
Frankfurt bis zum Ende des Einsatzes um einen Bericht über
den Ablauf zu drehen.
Der Flug mit Kuwait Airlines (Übergepäck und Abfertigung
problemlos) führte von Frankfurt über Kuwait nachTrivandrum,
der Hauptstadt der Privinz Kerala im Südwesten Indiens. Von
dort führen wir – von Dr. Roy organisiert - per Bus nach
Kunamkulam (ca. 8 Stunden).
Kunamkulam ist eine nahe der Westküste liegende Stadt inmitten
einer durchweg besiedel-ten Küstenregion. Kerala selbst ist
eine der am dichtesten besiedelten und zudem eine rela-tiv gut entwickelte
Privinz Indiens. Politisch interessant – Kerala hat eine gewählte
kommu-nistisch ausgerichtete Landesregierung, die große Anzahl
von Spruchbändern und Parolen in jedem Ort findet sicher dort
seine Erklärung.

Der Organisation des Einsatzes durch Dr. Roy im Vorfeld zu verdanken,
warteten am Tag nach unserer Ankunft ca. 250 Patienten im neu erbauten
“Allied-Hospital” auf uns, von denen letztlich 110 Patienten
ausgewählt und operiert werden konnten. Dies wurde innerhalb
des 14-tägigen Aufenthaltes möglich, weil erstens die
Bedingungen im Krankenhaus sehr gut waren - wir konnten ständig
über 2 benachbarte OP-Säle verfügen - und zweitens
das Haus-personal, allen voran die OP-Schwestern uns sehr hilfreich
zur Verfügung standen.
Das Spektrum der Erkrankungen entsprach im Wesentlichen dem vergleichbarer
Einsätze:
Da in der Region durchaus eine spezialisierte medizinische Versorgung
angeboten wird, waren insbesondere unter den vorgestellten Patienten
mit angeborenen Spaltbildungen eine gewisse Anzahl, die bereits
operative Korrekturen – vorwiegend Lippenverschlüsse
- er-fahren hatten. Limitiert wird die Versorgung wie so oft durch
die Tatsache, daß die wenigsten Patienten bzw. Angehörigen
diese Behandlungen bezahlen können. Neben Extremitäten-fehlbindungen
und Verbrennungskontrakturen haben wir im Übrigen eine Reihe
von Patien-ten mit seltenen Spaltbildungen sowie kraniofaciale Fehlbildungen
behandeln können.

Zu der Organisation von Dr. Roy gehörte auch die Teilnahme
an einem abendlichen Treffen der Medical/Dental Association von
Kerala inclusive Paneldiskussion zum Thema Diag-nostik/Therapie
von Gesichtsspaltbildungen.
Das Pro7-Team hat uns auf allen unseren Wegen begleitet und ist
ferner zu den Patienten nach Hause gefahren, um das soziale Umfeld
zu dokumentieren. Das Miteinander ist sicher zu recht zu beschreiben
als “sehr netter persönlicher Kontakt”, Frau Pietsch
hatte sehr klar strukturierte Vorstellungen, wie sie den TV-Beitrag
gestalten wollte. Insbesondere meinen persönlichen Erfahrungen
und entsprechenden Vorbehalten (P.S.) entgegen hat uns das Ergebnis
sehr überzeugt.

Es sind aus dem Material mehrere Beiträge entstanden und
von Pro7 gesendet worden, die erstens inhaltlich wie die Gestaltung
betreffend uns alle über-zeugt haben und zweitens mit einem
Spendenaufruf versehen erheblich zu Finanzierung unserer Arbeit
beigetragen haben. Nicht unerwähnt bleiben soll, daß
die täglichen Abläufe in der Klinik, insbesondere im OP
durch die TV-Präsenz natürlich komplizierter werden, bzw.
es ein zusätzlichen Maß an Toleranz erfordert, die Störung
der Abläufe bzw. Inanspruchnahme Einzelner für Interviews
etc. zu akzeptieren. An dieser Stelle ist dem gesamten Team das
Kompliment zu machen, daß insbesondere durch ein gutes persönliches
Einvernehmen ein sehr effektiver Einsatz möglich wurde.

Als Resümee gilt es zunächst die gute Vorbereitung des
Einsatzes seitens Dr. Roy in Ku-namkulam aber auch durch Dr. Alamuti
und Katrin Sojka-Müller aus Bad Kreuznach zu beto-nen. Sowohl
das Personal des Allied-Hospitals als auch Dr. Roy haben mehrfach
betont, daß sie an einer Fortsetzung dieses Kontaktes zu Interplast-Germany
interessiert sind. Der zweifelsfrei vorhandene Bedarf, die günstigen
medizinischen Veraussetzungen und nicht zuletzt der warmherzige
zwischenmenschliche Kontakt zu Personal und Patienten machen einen
erneuten Einsatz in Kunamkulam uneingeschränkt empfehlenswert.
Peter Sieg, Lübeck
|