vom
24.04. - 09.05.01
Zum zweiten Mal arbeiteten wir in Eritrea. Zum einen vertieften wir
die Zusammenarbeit im Halibet-Hospital in Asmara mit der Eritrean-war
disabled fighter`s association und ihrem medizinischen Berater, dem
Orthopäden Dr. Haile; zum anderen nahmen wir erstmals unsere
Tätigkeit in Mendefera, einer kleinen Provinz-Stadt im Süden
Eritreas, mit dem dortigen Chirurgen Dr. Habtom auf.
In Asmara sahen wir fast alle bei unserem ersten Aufenthalt mit Muskellappen-Plastiken
versorgten Paraplegikern wieder. Große Freude: Keine Rezidive!(1)
Die jungen Männer und Frauen haben offensichtlich unseren dringenden
Rat befolgt, so oft wie möglich durch Abstützen mit den
Armen im Rollstuhl das Gesäß zu entlasten. Bis zu 4 Muskellappen-Op’s
pro Tag führten wir durch zusammen mit heimischen Personal (7,8).
Das Vredener Team bestand wieder aus Op.-Schwester Silvia Schroer
und Dr. Arnulf Lehmköster. Zum ersten Mal mit dabei war Dr. Christof-Franz
Bubb aus Landshut, der uns tatkräftig beim Operieren unterstütze,
aber auch viele Patientinnen im Halibet-Hospital sah, die dort auf
ihre Brustkrebs-Operationen warteten. Seiner Spezialität: Rekonstruktive
Brust-Chirurgie entsprechend, konnte er erste Operationen auf diesem
Sektor bereits durchführen.
Wir haben von zuhause aus eine Wechseldruckmatratze zur Lagerung eines
Tetraplegikers (bei dem nicht nur die Beine, sondern auch die Arme
gelähmt sind) nach Asmara geschickt.
Ein Kontaktmann des Hammer Forum stellte uns die kleine Sarah vor,
die wir im vergangenen Jahr auf Vermittlung des Hammer Forums bei
uns in Vreden wegen schwerer Verbrennungs-
kontrakturen beider Hände operierten. Es war schön zu sehen,
wie sie die operierte Hand bereits einsetzte, mit den Angehörigen
von Sarah wurden die Folge-Operationen, die an den Händen noch
notwendig sind, in Asmara besprochen.
In der zweiten Woche ging es nach Mendefera, einer Klein-Stadt im
Süden Eritreas. Bei unserem ersten Eritrea-Einsatz 1999 hatten
wir Dr. Habdom kennengelernt, einen jungen Chirurgen, der in Berlin
in der Charité zum Chirurgen ausgebildet wurde (2). Er hatte
uns damals von seinem
Vorhaben, in Mendefera eine chirurgische Abteilung aufzubauen, berichtet
(3). Wir brachten ihm ein komplettes Instrumentarium („Sieb“)
zur Durchführung rekonstruktiver Operationen sowie ein Dermatom
mit (4).
Was dort operierbar war, operierten wir, auch hier wieder zusammen
mit dem dortigen Team (5). Wir sind ja nur ein kleines Team: In unserem
kleinen Vredener Krankenhaus muss während unserer Abwesenheit
die Arbeit weiter gehen; aber wir mögen es auch, allein gar nichts
bewegen zu können, also auf die Zusammenarbeit vom ersten Moment
an angewiesen zu sein. Wir sind sicher, so effizient auch Ausbildung
zu betreiben. Andere Patienten wurden nach Asmara weiter geleitet.
In unserer zweiten Arbeitswoche waren auch Chirurgen vom Hammer Forum
in Asmara, die dort z. B. ein Kind mit Analatresie (angeboren fehlender
Darmausgang) von uns übernahmen. Wieder andere Patienten sahen
wir vor für den INTERPLAST-Einsatz von Prof. Voy im Herbst dieses
Jahres, z. B. Kinder mit Wangendefekten (Noma) (6)oder Kiefer-Spalten.
Fast schon selbstverständlich, aber eben doch besonders hervorzuheben:
Die Zusammenarbeit mit den Eritreern war wieder vollkommen harmonisch.
Ihre Dankbarkeit beschämt uns geradezu - so vieles können
auch wir dort lernen!
Den Mitarbeitern des Hammer Forums, die zu ihrem bestimmt 10. Einsatz
zu Beginn unserer zweiten Arbeitswoche eintrafen, verdanken wir ein
wunderbares Wochenende am Roten Meer, wohin sie uns mitnahmen.
Das Personal der Deutschen Botschaft kümmerte sich in liebenswürdiger
Weise um unser Wohlbefinden. Da die nächste Anfrage aus Eritrea
bereits vorliegt, wollen wir die Arbeit dort fortsetzen.
Estland
Vom 29.09. - 13.10.01 fand unser erster Estland-Einsatz statt.
Estland, das nördlichste der drei baltischen Länder, ist
kein Entwicklungsland; insofern hatten wir beim Vorstand nachgefragt,
ob Estland überhaupt für einen INTERPLAST-Einsatz in Frage
kommt. Wir wurden ermuntert!
Wir arbeiteten im Mustamäe Haigla (3), einem großen Krankenhaus
in der Hauptstadt Estlands, Tallinn. Räumliche und apparative
Ausstattung sind hoch (4), unserem Standard größtenteils
ebenbürdig. Was aber durch die jahrzehntelange Isolation während
der Sowjet-Zeit und wegen des äußerst bescheidenen Lohn-Niveaus
fehlt, ist unser fachärztliches Know-How. Reisen ins Ausland
sind für Esten fast unerschwinglich, Literatur ist teuer: So
wurden wir von Dr. Adamson herzlich eingeladen, unsere Op.-Techniken
der Hand- und Rekonstruktiven Chirurgie zu zeigen (5). Am Samstag
eingetroffen, wurden alle Patienten am Sonntag-Nachmittag einbestellt,
die Indikationen besprochen. In den zwei Wochen konnten wir zahlreiche
Operationen aller vier Säulen der Plastischen Chirurgie demonstrieren
und zusammen operieren. Unsere als Geschenk mitgebrachten Lehrbücher
wurden sofort benutzt. Übrigens waren auch wir froh, sie dabei
zu haben, denn vor der Operation einer ausgeprägten Volkmann’schen
Kontraktur schlägt man gern noch einmal nach.
Unsere Haupt-Mitstreiter in Tallinn waren Dr. Rein Adamson, Allgemein-Chirurg
und Dr. Armin Heimann, Orthopäde (6). Plastische Chirurgie
als eigene Spezialität gibt es (noch) nicht!
Dr. Adamson hatten wir im Vorjahr ja bei uns in Vreden zu Gast,
als INTERPLAST-Gast sozusagen. Wir wollen und werden den gegenseitigen
Austausch pflegen und fortsetzen.
Tallinn ist eine wunderbare alte Hansestadt, an der Ostsee gelegen,
mit einem eigenen, nordischen Flair (1,7). Das Land ist dünn
besiedelt mit weiten einsamen natürlichen Landstrichen.
Dr. Arnulf Lehmköster Silvia Schroer
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