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25. April bis 10. Mai 2000
Teilnehmer:
Dr. med. Arnulf Lehmköster, Plastischer Chirurg, Teamleiter
Silvia Schroer, Op.-Schwester, stellvertretende Teamleiterin
Dr. Susanne Kreutzer, Anaesthesistin
Franz Biber, Ass.-Arzt Plastische Chirurgie
Einsatzort: Quetta/Belutschistan, Pakistan
Shuhada-Klinik für afghanische Refugees
Haupttätigkeitsmerkmale:
Operationen von Patienten mit teilweise schwersten Verbrennungskontrakturen
von Ellenbogengelenken, Fingergelenken, Handgelenken, Kniegelenken,
Unterkieferkontrakturen; Ektropions der Augenlider, Ober/Unterlippe
usw.
Hauptsächlich angewandte Operationstechnik:
Auftrennung von Narbensträngen, Arthrolysen, Z-Plastiken, lokale
Transpositionslappen, Vollhauttransplantate.
Unser Einsatzort war Zweien der 4 Teammitglieder bereits bekannt
und vertraut: Die Shuhada-Klinik in der Alamda-Road in Quetta. Die
Klinik machte einen insgesamt saubereren, teilweise (Op.) frisch
eingestrichenen Eindruck. Grundsätzliche Voraussetzungen waren
gegeben: zwar einfachste, jedoch funktionierende Narkoseapparatur,
Op.-Beleuchtung, Sterilisationsmöglichkeiten etc.. Vereinbarungsgemäß
waren Materialien wie Tupfer, Gips vor Ort besorgt worden, andere
speziellerere Verbandsmaterialien (Fettgaze etc.) waren von uns
mitgenommen worden.
Die Mittagsverpflegung in der Klinik entsprach unseren Vorstellungen.
Personal:
Frau Dr. Samar war täglich anwesend, gab uns abschnittsweise
ausführlichen Bericht über die Aktivitäten ihrer
Shuhada-Organisation. Insbesondere bewundernswert erscheint ihr
Engagement für afghanische Frauen in Afghanistan selbst, so
werden von der Shuhada-Klinik 40 Schulen für Mädchen in
Afghanistan unterhalten. Diese Schulen werden durch Spendenaufkommen
internationaler Organisationen finanziert, während die Shuhada-Klinik
in Quetta sich selbst trägt.
Ali, Bruder von Frau Samar, Medizinstudent und „Mädchen
für alles“ war wieder einer der aktivsten Teilnehmer:
Sprechstunde, Op., aber auch Dinge des täglichen Lebens wie
Besorgung von Trinkwasserflaschen, Früchten auf dem Markt etc.
wurden von ihm gemanagt. Rosea, ebenfalls aus der Samar-Familie,
stets anwesende Op.-Schwester. Aus fachlicher Sicht wichtigster
einheimischer Begleiter Dr. Nasrulla, der unentbehrliche Dienste
als Dolmetscher während der Sprechstunden leistete, bei sämtlichen
Operationen zugegen war, teils assistierte und auch selbständig
operierte. Ihm haben wir am Ende unseres Einsatzes 3 voll gepackte
Kartons mit teils normalen Verbrauchsmaterialien, teils auch wertvollen
Dingen wie Antibiotika, Antibiotikaketten etc. übergeben. Diesen
Wunsch hatte er in 4-Augen-Gesprächen gleich zu Beginn
unseres Einsatzes auch geäußert. Ihm haben wir ferner
das mitgebrachte, von Pro-Interplast gesponserte Dermatom übergeben
anläßlich einer ausführlichen Demonstration des
Einsatzes des Dermatoms.
Ferner wieder dabei: Safar, unser Fahrer; Barakat, der Koch; sowie
einige weitere „alte Bekannte“.
Wie waren die Heilergebnisse (soweit noch während der Einsatzzeit
erkennbar) ?
Bei diesem Einsatz beobachteten wir ein außerordentlich komplikationsloses
Einheilen der Vollhauttransplantate. Eine Wundinfektion haben wir
nicht beobachtet. Sicher ist nicht die prophylaktische Antibiotika-Gabe
(Cephalus purin bei Kindern, Gyrasehemmer bei Erwachsenen) die Hauptursache
hierfür.
Gab es auch weniger erfreuliche, gar frustrierende Vorkommnisse
oder Erlebnisse ?
Aus unserer Sicht hätte in der ersten Hälfte unserer Einsatzzeit
das Op.-Programm durchaus dichter gepackt sein können. Das
Eintreffen der Patienten war insbesondere anfangs etwas zögerlich.
Ob hierfür allein der Streik der Betreiber öffentlicher
Verkehrsmittel Ursache war, oder auch andere Gründe mit infrage
kamen, entzieht sich unserer Beurteilungsmöglichkeit. Beobachtet
haben wir, daß auch ohne speziell unsere Patienten die Klinik
bei diesem Einsatz durchaus gut ausgelastet war, wir uns also vorstellen
können, daß seitens der Klinik der Bedarf an Bettenbelegung
durch unsere Patienten nicht so hoch war wie beim ersten Mal. Ein
falscher Eindruck sollte hier jedoch nicht aufkommen: Gemessen an
einer „normalen“ 8-stündigen täglichen Arbeitszeit
waren unsere Tage durchaus „voll gepackt“: an manchen
Tagen wurde 6 Stunden gearbeitet, an anderen dafür auch 10-12
Stunden.
Konnten Patienten des ersten Einsatzes nachuntersucht werden ?
Dies war leider nur in begrenztem Umfang möglich. Ein jetzt
16- oder 17-jähriger Junge, bei dem wir damals einen großen
Unterlippentumor entfernt hatten, fragte an, ob sich die zwischenzeitlich
etwas verbreiterte Narbe korrigieren ließe. Dies lehnten wir
freundlich aber bestimmt ab, da dies selbst nach deutschen Maßstäben
eine reine Schönheitsoperation gewesen wäre. Gehört
haben wir von dem Krukenberg-Patienten, daß er seinen Spaltarm
überaus gut einsetzen könne, er auch den Wunsch habe,
sich den zweiten Unterarm ebenfalls entsprechend operieren zu lassen;
gesehen haben wir den Patienten dann allerdings doch nicht. Der
Schwerst-Tuberkulosekranke, septische Junge, den wir in den letzten
Tagen unseres ersten Aufenthaltes 1998 operiert haben, hat seine
Sepsis gut überstanden. Auch die Tuberkulose, so wurde uns
berichtet, sei ausgeheilt, was er von der massiven eitrigen Entzündung
des linken Beines davongetragen habe, sei eine Einsteifung des Kniegelenkes.
Ali berichtete, daß er zuletzt vor ¼ oder ½
Jahr mit Angehörigen des Jungen gesprochen habe, ihm sei versichert
worden, daß dieser wohlauf sei.
Beobachtungen außerhalb des Klinikbetriebes in Quetta
Als positiv bewertet haben sämtliche Team-Teilnehmer die Tatsache,
daß die Unterbringung im hygienisch einwandfreien Serena-Hotel
erfolgte. Übereinstimmend wurde geurteilt, daß sich die
Unterbringungs-Mehrkosten (größtenteils durch die Team-Teilnehmer
selbst aufgebracht) absolut rentiert hätten.
Die Postkartenaktion: Verschickung von Postkarten aus dem Lande
an Spender und Sponsoren - wird nach erstmaliger Durchführung
von den Team-Teilnehmern als positiv bewertet. Weitere Ideen sind
entstanden: Zum Beispiel könnten bei
entsprechenden Anlässen in Vreden Materialien aus Einsatzländern
angeboten werden: kleine Tütchen mit Quetta-Curry, selbstgestaltete
Foto-Karten etc.
In Quetta erfuhren wir ständig von der bereits existenten
massiven Wasserknappheit, große Teile Belutschistans müssen
bereits als Katastrophengebiet eingestuft werden. Zur Zeit stirbt
das Vieh, die Pakistani, mit denen wir darüber sprachen, sind
sich einig, daß bei Ausbleiben von gravierenden Hilfsmaßnahmen
bald Menschen sterben werden.
Wir haben uns in Quetta einen Tag lang ein Fahrzeug mit Fahrer
gemietet, haben etwas von Land und Leuten gesehen; so die für
Belutschistan typischen Bewässerungssysteme, einen Bergort
mit angenehmem Höhenklima, die Art, wie die Menschen auf dem
Lande leben. Wir erachten diese Art der Erweiterung des Kennenlernens
des Gastlandes für nicht nur legitim sondern notwendig zur
Abrundung eines Bildes des Gastlandes. Genauso zu beurteilen ist
der Abstecher nach Islamabad am Ende der Reise. Die Konfrontation
mit Geschichte, Kultur und Landschaft des Landes ist essenziell,
ein Gespräch mit dem deutschen Botschafter sicher für
beide Seiten außerordentlich positiv. Den deutschen Botschafter
und einem anwesenden Bonner Ministerialbeamten konnten wir die INTERPLAST-Idee
nahebringen, natürlich auch vor dem Hintergrund möglicher
finanzieller Unterstützung staatlicherseits; wir erfuhren vom
Botschafter nicht uninteressante Aspekte der pakistanischen Politik.
So wird seitens der EU Botschafter, die derzeitige politische Situation,
nach Machtübernahme durch das Militär, durchaus positiv
gesehen. Die nach dem Militärputsch von EU-Seite geäußerte
Kritik mit Forderung zur Zurückkehr zur Demokratie wird seitens
der EU-Botschafter durchaus relativiert: das vorhergehende System
kann nicht wirklich als demokratisch bezeichnet werden, defakto
sind nach Übernahme der Macht durch das Militär für
die Bevölkerung durchaus günstige Entwicklungen angestoßen
worden.
Aspekte weiterer INTERPLAST-Einsätze in Quetta: Etwa ein halbes
Dutzend schwerer Lippen-Kiefer-Gaumenspalten wurde uns vorgestellt
und Foto-dokumentiert. Frau Samar äußerte den Wunsch,
in absehbarer Zeit ein INTERPLAST-Team mit Spezialisierung auf Lippen-Kiefer-Gaumenspalten-Chirurgie
begrüßen zu können. Frau Samar sprach auch uns gegenüber
bereits eine erneute Einladung für das Jahr 2002 (da 2001 für
uns eher nicht infrage kommt) aus.
Wirklich negative Eindrücke des Einsatzes
Die Schwierigkeiten am Abreisetag in Quetta hinsichtlich der Akzeptanz
der Kreditkarten nervte grenzwertig. Die Tatsache, daß die
Rückreise von Islamabad bis Vreden letztlich 28 Stunden, mit
unendlich scheinenden Pausen, dauerte, ist ebenfalls eine nur grenzwertig
tolerable Strapaze.
Kleine, aber wirklich erfreuliche Details am Rande:
Die für uns alle erstmalige Sichtung von Affen in freier Natur
ist sicher ein kleines aber schönes Erlebnis; die Bananen-
„Klau“- Aktion desgleichen.
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