Einsatzbericht Manyemen, Kamerun 2000

2.3.-13.3.2000

Das Team:

Dr. Günter Zabel, Schopfheim
Dr. Dietmar Scholz, Bad Kreuznach
Sr. Marianne Zabel, Schopfheim
Sr. Jenny Scholz, Bad Kreuznach

Die diesjährige Reise nach Kamerun war nicht als reiner Operationseinsatz geplant, sondern auch als Visite bei den übrigen Projekten und Hospitälern der Region.

Dies erfolgte in Absprache mit Dr. Mvungi, Chefarzt der Medical Institutions Manyemen. Der Grund liegt einerseits darin, dass wir vereinbart hatten, in jedem Jahr einen Einsatz durchzuführen. Wegen der begrenzten finanziellen Möglichkeiten sollte jedoch alle 2 Jahre nur ein "kleiner Einsatz" erfolgen mit einer reduzierten Teamstärke, was den Ehrgeiz des einheimischen Teams, als gleichwertig angesehen zu werden und als Partner zu agieren, deutlich verstärkt; andererseits sollten auch die mit Manyemen zusammen arbeitenden Hospitäler besucht und unterstützt werden.

 

 

So besuchten wir am ersten Tag das Hospital in Nyasoso, welches über eine längere Zeit von einem Medizinmann geleitet worden war, in dessen "Amtszeit" viele Todesfälle und andere Unregelmäßigkeiten vorkamen. Es war dann über längere Zeit völlig verwaist, bis jetzt seit dem 1.4.99 Dr. Christian Strehlke aus Hamburg über die Basler Mission die Leitung übernahm.
Er hat es geschafft, innerhalb kurzer Zeit sich das Vertrauen der einheimischen Bevölkerung zu sichern und hierauf seine Arbeit aufzubauen.
Die Arbeit als One-Man-Team ist beschwerlich, der Einsatz rund um die Uhr gefordert. Das Spektrum ist weitgespannt, von der Geburtshilfe, Pädiatrie, Chirurgie bis zur Behandlung und Betreuung von Tbc- und Aids- Kranken.
Das Hospital macht einen außerordentlich gutem und sauberen Eindruck, wenn auch mit einfachsten Mitteln ausgestattet.
Von dort ging es weiter nach Dikome in den Rumpi-Hills nördlich des Mont Kamerun, wo eine seit 20 Jahren von Schopfheim unterstützte Health-Station sich befindet. Die dortige Schwester Veronika wurde zeitweilig auch am Krankenhaus Schopfheim ausgebildet.

Die Gesundheitsstation befand sich nur in einem durchschnittlich guten Zustand, aus finanzieller Not war sie nur von wenigen Patienten belegt.

 

Eingang zum OP.

 

Immer wieder wurden wir auch auf das Thema Aids angesprochen. Das Interesse war groß. Die Dorfältesten sahen ein, dass eine Zukunft nur mit gesunden Menschen zu erreichen ist, nicht mit einer Generation, die zu 20 - 30 % mit Aids infiziert ist, z.T. in einer Untersuchung von 12 - 17 jährigen Mädchen zu 70 %. Es wurde daher vereinbart, dass beim nächsten Einsatz eine entsprechende Aufklärungs-kampagne in diesen Dörfern durchgeführt werden soll.

Im Gegensatz zu früheren Einsätzen in Manyemen fiel diesmal kein Tropfen Regen. Entsprechend staubig und ausgedörrt war die Landschaft.

Nun ging es wieder mit Jeeps nach Manyemen, wobei zuvor in Kumba eine weitere Außenstelle des Zentralkrankenhauses von Manyemen angefahren werden musste, um dort auf uns wartende Patienten zu untersuchen und gegebenenfalls für einen Operationstermin einzuplanen.

Wieder warteten zahlreiche Patienten in der Ambulanz von Manyemen, als wir dort endlich spät am Tage eintrafen. Das Spektrum der Operations-indikationen war wieder ähnlich wie in den früheren Jahren.

 

 

Die Sektion Schopfheim hatte mit Unterstützung der Sektion Bad Kreuznach einen Halothan - Vaporisor dem Hospital Manyemen zukommen lassen wobei in dieser Zeit auch ein Anästhesiefachpfleger in der Handhabung dieses Gerätes in Tansania ausgebildet worden war. So konnte die Narkosetechnik einen deutlichen Fortschritt verzeichnen. Die von uns durchgeführten Operationen in Allgemeinnarkose wurde alle von dem einheimischen Anästhesisten zu unserer vollsten Zufriedenheit bewältigt.

Die Verbandstechniken,die Frage der Drainagen bezw. der Dauer der Drainagen, die Art der Konditionierung von Hautweichteildefekten, die zeitlichen Programme nach Hauttransplantationen, die Warnsignale nach Operationen wie Fieber, stehen in dieser tropischen und unglaublich feuchten Region unter völlig anderen Kautelen. So wird Fieber zunächst immer als ein Malariaschub gedeutet, was wesentlich wahrscheinlicher ist als ein Wundinfekt. Drainage müssen nach wesentlich kürzerer Zeit entfernt werden, da sie sonst zu Eintrittspforten nicht nur der ganz kleinen Erreger werden.

Desweiteren haben die Einsätze in der tropischen Region von Afrika gegenüber allen anderen Einsätzen die Besonderheit, dass sehr viele Tumoren vorkommen, deren Ursache zunächst völlig ungeklärt ist. Außer den üblichen gu- und bösartigen bekannten Haut- und Weichteiltumoren finden sich viele auf Grund von Parasiten und Würmern, die für einen Europäer völlig unbekannt sind und wo die Mitarbeit und Unterstützung durch die einheimische Mannschaft eine große Hilfe darstellen.

 

 

Bei Abschluß des Operationseinsatz konnten wir festhalten, dass keinerlei Komplikationen aufgetreten waren, weder von operativer noch anästhesiologischer Seite, was uns auch zu einem späteren Zeitpunkt nochmals bestätigt wurde.

Für das Jahr 2001 ist nun wieder im März ein größerer und längerer Einsatz geplant. Wieder werden auch die regionalen Spitäler besucht und mit Ausrüstungen versehen werden. Wie versprochen wird auch eine Aidsaufklärungsaktion in mehreren zentralen Dörfern erfolgen.

In Manyemen wird wieder eine komplette Anästhesiemannschaft dabei sein und die einheimischen Mitarbeiter schulen.

Die kontinuierliche Zusammenarbeit der Sektion Schopfheim mit dem General Hospital Manyemen ist zu einer gut funktionieren Einrichtung geworden.

 


Bei meinem Team darf ich mich für den überaus gelungenen Einsatz in menschlicher und medizinischer Hinsicht in Manyemen bedanken.


Für die finanzielle Unterstützung dieses Einsatzes in Kamerun darf sich die Sektion Schopfheim ganz herzlich bei Frau Waltraud Huck, Vorsitzende von Pro Interplast e.V., bedanken.

 



Dr. G. Zabel

 

 

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