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vom 9.-25.11.00
Der Einsatz in Osttimor war ein erster Kontakt von Interplast-Germany
zu einem unter der Leitung der belgischen Sektion von „Medecins
sans Frontieres„ (MSF) stehenden Hospital in Baucau auf Osttimor.
Der Kontakt kam zustande durch eine Anfrage von Herrn Dr. Eimo Heeren,
der zweimalig mit der Organisation „Ärzte für die
Dritte Welt„ auf Osttimor war und dort im Rahmen seiner Tätigkeit
eine Anzahl von Patienten mit unbehandelten Lippen- Kiefer- Gaumenspalten
vorfand. Der Kontakt von „Ärzte für die Dritte Welt„
besteht zu den auf Osttimor befindlichen Häusern des Salesianer-Ordens.
Die dortigen Schwestern bieten unter anderem auch medizinische Betreung
für die Bevölkerung.
Ursprünglich war geplant, das von „Ärzte für
die Dritte Welt„ finanziert lediglich ein Chirurg nach Osttimor
fliegt, da in dem ausgewählten Krankenhaus die übrigen
Voraussetzungen für eine operative Therapie gegeben seien.
Da sich während der Vorbereitung des Einsatzes in den Sommermonaten
diesen Jahres bedingt durch die Änderung der politischen Verhältnisse
nach Beendigung des Bürgerkrieges und die Öffnung des
Landes z.B. in Richtung australische Nachbarn verschiedenen Hilfsorganisationen
in Timor angekündigt hatten, stand nach wechselhaften per mail
übersandten Informationen lange infrage, ob ein Einsatz in
Osttimor sinnvoll sein würde. Letztlich zeigte sich, daß
dort „chirurgische Hilfe„ von anderer Seite nicht erfolgte
und in dem Krankenhaus in Baucau lediglich die räumlichen Möglichkeiten
vorhanden und OP-Personal zur Verfügung stehen würde.
Da aber weder Anästhesiepersonal noch -equipement vorhanden
war, flogen wir zu Dritt,
Katharina Kamm,
Jens Hennicke,
Peter Sieg
im November nach Baucau. Die entstehenden Kosten wurden teils von
„Ärzte für die Dritte Welt„, teils von „Interplast„
getragen.
Der Flug mit Garuda-Air bzw. Quantas über Bankok/Denpassar/Darwin/Dili
war lang aber komplikationslos. Die zuvor getroffenen Übergepäckvereinbarungen
führten zu reibungslosem Transport unseres erheblichen Übergepäcks.
Von Dili, der Hauptstadt von Osttimor gelangten wir nach 2 ½
-stündiger Autofahrt nach Baucau, einer kleinen Stadt an der
Nordküste der Insel.
Nachdem wir die ersten zwei Tage von den Sialienser-Schwestern untergebracht
und verpflegt wurden und am Tag nach der Ankunft bereits in umliegenden
Dörfern Patienten mit LKG-Spalten für die ersten OP-Tage
vorgestellt bekamen, haben wir dann für zwei Wochen im „House„
der MSF-Mitarbeiter (unentgeltlich) Unterkunft und Verpflegung gefunden.
Im nahen Krankenhaus standen uns großzügige saubere OP-Räume,
Wasser und Strom, hilfreiche OP-Pfleger und ein unentbehrlicher
Dolmetcher zur Verfügung. Auf Timor werden ca. 80 verschiedenen
untereinander häufig unverständliche Dialekte gesprochen,
die frühere Amtssprache portugisisch wird zunehmend durch englisch
abgelöst.
Hintergrund der widersprüchlichen „mail-Informationen„
vor unserer Reise nach Baucau war der geplante Besuch eines „Cleft-teams„
aus Adelaide/Australien, das in Zukunft regelmäßig nach
Osttimor reisen soll. Diese sechsköpfige Gruppe war auch für
einige Tage in Baucau. Aus Gründen, die uns nicht ganz einsichtig
wurden – z.B.: „OP sei nicht klimatisiert und somit
die Hitze unakzeptabel„ wurden aber in dieser Zeit nur zwei
Operationen durchgeführt und viele Kinder vergeblich aus entlegenen
Dörfern nach Baucau gebracht. Vor diesem Hintergrund waren
vor unserer Ankunft keinen Anstrengungen unternommen worden, potentielle
Patienten von unserem Aufenthalt zu informieren.
Wir empfanden die Umstände in Baucau vergleichsweise günstig,
in der Tat war viel Wasser trinken und schwitzen obligat. Nach einem
Aufruf am Wochenende unserer Ankunft, der in den Kirchen verlesen
wurde und Verbreitung unserer Anwesenheit durch das MSF-team kam
umgehend eine größere Anzahl von Patienten. Da als „Cleft-palate-team„
angekündigt haben wir vorwiegend Kinder und Jugendliche mit
LKG-Spalten gesehen und operiert. Die
OP-Pfleger standen uns ganztägig zur Verfügung, mußten
während unseres Aufenthaltes gegen ihre Gewohnheit täglich
Überstunden akzeptieren, die nach kurzer Verhandlung dankenswerterweise
von MSF bezahlt wurden.
Katharina Kamm und Jens Hennicke gerieten nie an ihr Limit. Auch
unter den anaesthesiologisch äußerst dürftigen Bedingungen
konnten selbst 6 Monate alte Säuglinge narkotisiert und operiert
werden. Jens Hennicke war erst kurz vor unserer Abreise wegen der
anfangs beschriebenen Situation hinzugestoßen und konnte es
erfreulicherweise kurzfristig einrichten, für 10 Tage mitzureisen.
Seine Erfahrung und Gelassenheit ermöglichte es, in der ersten
Woche die kleinen Kinder zu operieren. In der zweiten Woche war
es für Katharina Kamm (früher Chirurgie, jetzt Anästhesie),
die ursprünglich vorrangig als chirurgische Assistenz mitreisen
sollte, nie ein Problem, den anaesthesiologischen Part zu leisten
und nebenher für MSF kurzfristig auch z.B. für eine eilige
Sectio zur Verfügung zu stehen.
So hatten alle Beteiligten am Ende den Eindruck daß, obwohl
es ein langer Weg nach Osttimor war, wir als kleines 3-Mann-Team
auf eine sehr günstige Aufwand/Nutzen – Relation blicken
konnten.
Zu den Salesianer-Schwestern – insbesondere zu Schwester Alma,
einer aus Oberitalien stammenden Ärztin, hatten wir bis zu
unserer Abreise nicht nur durch gemeinsame Patienten Kontakt. Schw.
Alma fühlte sich bis zu unserer Abreise verantwortlich für
die für uns notwendigen Arrangements bezüglich Transport,
Unterkunft und Verpflegung. Ihre warmherzige und kompetente Art
zu agieren, hat uns sehr beeindruckt.
Gewiß hinterlassen die verschiedenen Einsätze unabhängig
von den beruflichen Erlebnissen unterschiedlich starke persönliche
Eindrücke. Die freundliche, offene und warmherzige Ausstrahlung
der Timoresen, die wir in Anbetracht der noch nicht lange zurückliegenden
Kriegswirren, deren Folgen man noch überall sehen konnte, nicht
unbedingt erwarteten sowie die landschaftlich sehr reizvolle Insel
sind Gründe, daß Osttimor uns sicher länger gegenwärtig
bleiben wird.
Die vorgefundenen Strukturen und Möglichkeiten sprechen dafür,
einen erneuten Einsatz auf Osttimor zu planen. Ich denke aber, daß
in naher Zukunft auch von australischer Seite Einsätze in das
nahe gelegene Timor erfolgen werden. Gewiß werden wir die
diesbezügliche Entwicklung dort verfolgen und den Kontakt halten.
Peter Sieg
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