Operationseinsatz Ho Chi Minh City 1999.
Interplasteinsatz in Ho Chi Minh City vom 3.12.99 - 18.12.99
Dankenswerterweise hat Herr Kollege Dr med Du Nguyen Phu, Oberarzt im Karl Olga Krankenhaus in Stuttgart, auch in diesem Jahr wieder die organisatorischen Absprachen mit den vietnamesischen Behörden übernommen.
Nach anfänglichen Koordinationsschwierigkeiten aller Termine mit den Gast-kliniken sowie der eigenen Urlaubsplanung fiel die endgültige
Entscheidung für einen Aufenthalt in Saigon (HCMC) erst Anfang November.
Erfreulicherweise konnte dann die finanzielle Ausstattung der Mission sehr kurzfristig nach Einschaltung von Frau Waltraut Huck, Vorsitzende des Vereins PRO-Interplast, sichergestellt werden. Herzlichen Dank von hier aus dafür, natürlich auch für die unbürokratische Abwicklung der Formalitäten.

Die Vorbereitung der diesjährigen Interplast-Mission nach HCMC gründete auf die Erfahrungen, die das Interplast Team im vorigen Jahr direkt vor Ort machen konnte. Schon damals bestand Konsens mit den Kollegen des Odonto-Maxillo-Facial- Centers, daß ein neuerlicher Einsatz in deren Klinik ausgesprochen willkommen sei. Dabei bekundeten die vietnamesischen Kollegen seinerzeit großes Interesse an chirurgischen Eingriffen am Gesichtsschädel, einerseits als Korrektureingriffe bei ange-borenen Fehlbildungen von z.B Ober- und/oder Unterkiefer, andererseits als primäre oder sekundäre Eingriffe nach den sehr häufigen Gesichtsschädelverletzungen durch Verkehrsunfälle.
Entsprechend berücksichtigten wir bei der diesjährigen Planung diesen
Aspekt. Herrn Kollegen Priv. Doz. Dr. Dr. Sieg aus der Klinik für Mund-
Kiefer- und Gesichtschirurgie der hiesigen Universität gelang es 2 weitere
versierte und engagierte Mitstreiter in seiner Klinik zu rekrutieren, welche
die recht aufwendige Vorbeitung dieses Teils der Mission übernahmen. Dabei gelang es ihnen, großzügige Sachspenden der Industrie, vornehmlich das sehr teure Osteosynthesematerial, sicherzustellen und deren Transport trotz erheblichen Gewichts ohne Mehrkosten zu organisieren. Den Kollegen Dr. Stephan Vogt und Dr. Jörg Zieron gebührt an dieser Stelle Dank, ein
gesonderter Einsatzbericht über die von ihnen durch-geführten 50-60
Operationen wird noch erstellt. Die Kollegen Vogt und Zieron sind allerdings erst am 18.12. aus HCM-City zurückgekehrt, so daß mit dem Bericht nicht vor Januar 2000 zu rechnen sein wird.

Mir selbst lag eine Einladung des Cho Ray Hospitals in Saigon vor, welches wir im letzten Jahr besucht hatten. Geplant und seinerzeit verabredet hatte ich einen Einsatz im dortigen mit 40 Betten sehr großen Verbrennungszentrum. Auf Grund des leider sehr straffen Zeitplanes konnte ich dann für lediglich 4 Tage in der in vorbildlicher Weise geführten Abteilung arbeiten. Bemerkenswerterweise wurde ich von der ersten Minute an in das Op-Programm eingebunden und gebeten, eigene Ansichten und Op-Verfahren vorzustellen. Die operative Behandlung umfaßte dabei sowohl die primäre Versorgung von Verbrennungspatienten, als auch die sekundäre Rekonstruktion einschließlich aufwendiger Lappenplastiken. Operiert wurde an 2 Tischen jeweils vormittags in rascher Folge. So konnten täglich ca 5 - 6 Verbrennungspatienten entweder mittels Spalthautdeckung zur Defekt-deckung frischer Verbrennungen oder
Patienten mit ausgeprägten Kontrakturen im Bereich der Gelenke mittels
Vollhauttransplantaten und/ oder Lappenplastiken versorgt werden. Diese
Eingriffe wurden sowohl seitens der Pfleger und Schwestern als auch seitens der Ärzte sehr routiniert und kompetent ausgeführt. Besonders beeindruckend dabei war für mich die außerordentliche Effizienz bei der Nutzung von zeitlichen und materiellen Ressourcen, eine derartig "schlanke" Vorgehensweise ist in deutschen Ops angesichts der üblichen
Absicherungsmedizin und der immer noch vorherrschen-den "Koste es was es wolle" - Mentalität schlechterdings nicht vorstellbar. Etwaige Engpässe bei der Ausstattung der Station bzw. des Ops werden mit praktischer Vernunft und Phantasie gelöst, teure Fettgaze z.B. wird ersetzt durch mittels Vaseline versetzter Mullkompressen, von der möglicherweise sogar verläßlicheren Wirkung dieser Verbände zum Schutz von Transplantaten und Spalthauthebe-defekten konnte ich mich selbst überzeugen.

Die gesamte Verbrennungsabteilung gliedert sich in eine Station für die
akute Verbrennungsbehand-lung mit insgesamt 4 Badewannen, eine Station für die Patienten mit sekundären Korrektureingriffen, sowie den OP-Trakt. Die hier geleistete Arbeit ließe sich treffend mit dem bei uns zu Werbezwecken gebrauchten Slogan "Reduced to the Max" beschreiben, insofern wäre gerade die eben beschriebene Abteilung mit Sicherheit dazu geeignet, jungen Kollegen aus hiesigen Verbrennungsabteilungen, eine neue Sicht über die Notwendigkeiten und Möglichkeiten bei der Verbrennungsbehandlung zu vermitteln.

Es fand auch ein reger Gedankenaustausch mit den vietnamesischen Kollegen über die Arbeit der Interplast-Teams statt. Übereinstimmend stellten wir dabei fest, daß wirkundsvolle Arbeit, wie immer, außerhalb der großen Städte in den Provinzen vordringlich und sinnvoll ist. Mit Hilfe der
Dolmetschertätigkeit vom Kollegen Phu gelang es uns dann auch eine Option für eine Mission im Jahre 2000 in einer Provinz im ehemaligen Nordvietnam zu entwickeln. Der leitende Oberarzt der Verbrennungsabteilung des Cho Ray Krankenhauses wird sich hierfür als "Verbindungsoffizier" zu einem Provinz-krankenhaus in seinem Heimatort zur Verfügung stellen.

Am 10.12.und 11.12. folgten Dr. Phu und ich dann einer Verabredung in Phnom Penh, Kambodscha. Ich hatte Kontakt geknüpft zu einem deutschen
Dermatologen, der dort seit 4 Jahren vor Ort im Rahmen des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) tätig ist und somit ausgezeichneter Kenner der gesamten Medizinszene. Da Interplast - Germany bisher noch keinen Einsatz in Kambodscha abgewickelt hat, galt es die Bedingungen hierfür direkt vor Ort zu evaluieren. Mit Hilfe von Herrn Kollegen Christoph Bendick gelang es dann auch, insgesamt 3 NGO-gestützte (non government organisation) Krankenhäuser in PNP zu besuchen und mit den verantwortlchen Ärzten zu reden. Es zeichnete sich jedoch schnell ab, daß offensichtlich ein ausreichendes Angebot an externer medizi-nischer Hilfe in PNP selbst existiert. Auch in Kambodscha ist natürlich die Landbevölkerung kata-strophal unterversorgt, zumal staatlich betriebene Krankenhäuser kaum funktionieren sollen, nach übereinstimmender Aussage aller Gesprächspartner ist dies die Folge der hemmungslosen Korruption im gesamten Lande. Eine aussichtsreiche Perspektive immerhin konnten wir mit der Vertreterin der GTZ
in PNP, Frau Dr. Gertrud Schmidt-Ehry, Team Leader des "Cambodian-German Health System Development" entwickeln. Etwa ab Herbst 2000 ist der Einsatz einer deutschen Chirurgin in einem Provinzkrankenhaus im Nordwesten des Landes geplant. Dieser längerfristige Einsatz soll vom Deutschen Entwicklungsdienst getragen werden, hierdurch könnte dann eine verläßliche Basis auch für Interplast-Teams eventuell geschaffen werden. An der dringenden und allerorten offenkundigen Notwendigkeit einer Versorgung der ärmsten Landbevölkerung mittels geeigneter plastisch-chirur-gischer Maßnahmen könne nach Aussage der von uns konsultierten, landeskundigen europäischen, australischen und amerikanischen Ärzte und Krankenschwestern überhaupt kein Zweifel bestehen. Es bleibt also abzuwarten, inwieweit der Aufbau einer tauglichen "Verbindungsstation" im Lande selbst, im Laufe des nächsten Jahres gelingt.

Vietnam stellt also aus meiner Sicht auf Gund der bestehenden Verbindungen und insbesondere in Anbetracht des großen Interesses der dortigen Kollegen sowie der enormen Gastfreundschaft auch für die Zukunft ein interessantes Ziel für Interplast-Germany dar.

Kamboscha ist insgesamt als weitaus schwierigeres Terrain anzusehen.
Mangelnde verläßliche Strukturen vor Ort in Verbindung mit der
allumfassenden Korruption im Lande bieten derzeit keine ad hoc Möglichkeit für eine Interplast-Mission. Dennoch sollte über die jetzt geknüpften Kontakte der Boden hierfür zu einem späteren Zeitpunkt geebnet werden.


Dr. med. H. Aschoff Lübeck, 22.12.1999

 

 

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Einsatzberichte 2010

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