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Eritrea – Einsatz 16. bis 26.11.1999
Mit einem kleinen Team der Vredener INTERPLAST-Sektion beteiligten
wir uns im vergangenen Monat an einem größeren Einsatz
des Hammer Forums in Asmara und Massawa in Eritrea/Ostafrika.
Eritrea ist einer der jüngsten Staaten unserer Erde, aber auch
eines der ärmsten Länder. Von Ende des vergangenen Jahrhunderts
bis zur Mitte des zweiten Weltkrieges war Eritrea italienische Kolonie,
im Krieg zogen die Engländer als neue Kolonialherren ein. In
den Fünfziger-Jahren wurde Eritrea als Provinz von Äthiopien
annektiert, vom 1.9.1961 an kämpfte Eritrea gegen Äthiopien
für seine Selbständigkeit. Selbständiger Staat wurde
Eritrea 1993, es folgte die UNO-Anerkennung.
Eritrea wurde jahrzehntelang geschwächt durch den Befreiungskamp
gegen Äthiopien, aber auch durch Bürgerkriegs-ähnliche
Streitigkeiten verschiedener Gruppierungen im eigenen Lande. Hinzu
kam eine jahrelange Dürreperiode mit Hungersnöten.
Nach Erlangung der Unabhängigkeit erfuhr Eritrea eine Phase
der relativen Blüte, die jäh endete durch wieder aufflammenden
Grenzkonflikt mit Äthiopien. Das Land befindet sich derzeit
wieder im Ausnahmezustand. Von der Weltöffentlichkeit weitgehend
unbeachtet haben Eritrea und Äthiopien ihre Truppen an den
Landesgrenzen zusammengezogen und mobilisiert.
Die grundsätzliche INTERPLAST-Idee ist folgende: Mit möglichst
kleinen plastisch-rekonstruktiv tätigen Teams in solche Länder
zu fahren, wo zum einen der Bedarf an plastisch-rekonstruktiven
Maßnahmen besonders hoch ist, zum anderen sich die dortige
Bevölkerung solchen Eingriffen nicht unterziehen kann, da entweder
diese Techniken im jeweiligen Land nicht bekannt sind oder die Bevölkerung
sich diese Techniken finanziell nicht leisten kann. Es sind dies
im wesentlichen Dritt-Weltländer in Asien, Afrika und Lateinamerika.
INTERPLAST-Teams werden nur auf Einladung einer dortigen Klinik
tätig.
Das Hammer Forum, auf dessen Initiative wir nach Eritrea reisten,
leistet humanitäre medizinische Hilfe für Kinder aus Kriegs-
und Krisen-Gebieten. Das Hammer Forum ist in Eritrea seit vielen
Jahren außerordentlich aktiv. Dr. Belger, Augenarzt aus Ahaus,
der ebenfalls bereits viele Male in Eritrea weilte, dort u.a. moderne
Verfahren der Katarakt (grauer Star) – Chirurgie eingeführt
hat, hatte Kenntnis von zahlreichen querschnitts-gelähmten
Patienten in Eritrea, die an Druck-Liegegeschwüren leiden.
Wir stellten uns der Aufgabe, diese Patienten durch sogenannte Muskellappenplastiken
zu operieren und gleichzeitig die Operationstechniken heimischen
Ärzten nahezubringen.
Gleich am ersten Morgen – wir trafen in der späten Nacht
in Asmara, der Hauptstadt Eritreas ein – konnten alle von
uns zu operierenden Patienten auf der Station besucht werden, das
Operationsprogramm für die kommenden Tage wurde abgesteckt.
An 4 Operationstagen operierten wir in Asmara 12 Dekubitus-Patienten,
denen dadurch wieder die Möglichkeit gegeben wird, ohne teilweise
riesige, bis auf Knochen reichende Wunden, z.B. im Rollstuhl zu
sitzen. Da wir nur ein kleines Team waren – Dr. med. Arnulf
Lehmköster, Chefarzt der Plastischen Chirurgie am St.Marien-Hospital
in Vreden sowie die Op.-Schwester Silvia Schroer – waren wir
auf Hilfe einheimischen Personals ohnedies angewiesen, die Zusammenarbeit
gestaltete sich völlig problemlos. Die Ausstattung der dortigen
Operationsräume ist durchaus gut, Verbrauchsmaterialien, die
wir für diese Operationen benötigten, brachten wir, großteils
durch Firmenspenden zusammengetragen, selbst mit.
Aufgrund der hervorragenden Organisation und Beziehungen im Lande,
insbesondere von Frau Dr. Brigitte Behrens vom Hammer Forum, bekamen
wir Gelegenheit an einem operationsfreien Nachmittag auch etwas
vom Land zu sehen, die freundliche, aufgeschlossenen eritreischen
Menschen sowie die Eigenheiten der eritreischen Landschaft hinterließen
tiefe Eindrücke.
Während die Möglichkeiten medizinischer Versorgung in
der Hauptstadt Asmara als durchaus gut zu bezeichnen sind, besteht
ein deutliches Gefälle zum Hinterland hin. Patienten, die medizinische
Hilfe in Anspruch nehmen wollen, müssen oft tagelange Reisen
zu Fuß, auf Kamelen oder in Bussen auf sich nehmen. Mit diesen
Verhältnissen wurden wir in Massawa, der Hafenstadt Eritreas
am Roten Meer konfrontiert. Von einigen wenigen Operationen, die
wir durchführen konnten, u.a. Stellungskorrekturen von Gelenken
an gelähmten Händen, Verbesserung von Gelenkbeweglichkeiten
nach Verbrennungsnarbenkontrakturen, konnten wir uns bei diesem
Einsatz nur beschränken auf grundsätzliche Gespräche
mit den dortigen Ärzten. Es ist unser Plan, ähnlich wie
wir in Asmara jetzt eine Serie von Druck-Liegegeschwüren operiert
haben, die Arbeit mit jeweils anderen Schwerpunkten auf plastisch-rekonstruktivem
Gebiet fortzusetzen.
Auch die Hafenstadt Massawa hinterließ bei uns tiefe Eindrücke,
ein abendliches Fischessen in der Altstadt unter freiem Himmel mit
anschließender Kaffee-Zeremonie wird unvergessen bleiben,
ebenso wie der Spaziergang durch die Altstadt bei Sonnenaufgang
(vor unserem Op.-Programm) und das Bad im Roten Meer vor der Rückfahrt
nach Asmara.
Wir sind dem Hammer Forum dankbar, daß sie uns ins eritreische
Boot gezogen haben. Wir planen fest, unsere Arbeit auch in Eritrea
fortzusetzen, sei es in eigener Regie, da die notwendigen Kontakte
zu dortigen Krankenhäusern geknüpft sind, sei es gern
auch wieder mit dem Hammer Forum zusammen.
Anknüpfend an unseren Pakistan-Aufenthalt im Jahre 1998 planen
wir für April/Mai 2000 einen weiteren Einsatz im afghanischen
Flüchtlingslager in Quetta/Pakistan, der Hauptstadt der Provinz
Belutschistan. Die entsprechende Einladung der dortigen Shuhada-Klinik,
unter Einleitung von Frau Dr. Samar, liegt uns vor.
Weitere Pläne:
· Afrika-Einsatz in der zweiten Jahreshälfte 2000 in
Eritrea oder einem Missions-Hospital in Malawi, Süd-Westafrika.
· Ausbildung ausländischer Chirurgen in speziellen Techniken
plastisch-rekonstruktiver Operationen.
Da wir von der Sektion Vreden von INTERPLAST-Germany e.V. unsere
Einsätze selbst finanzieren, z.B. auch eine Grundausstattung
an bestimmten, teilweise sehr kostenintensiven Geräten benötigen,
auch unsere Verbrauchsmaterialien zu den jeweiligen Einsätzen
selbst beschaffen und mitnehmen, sind wir auf Spenden angewiesen.
Unsere Bankverbindung lautet: INTERPLAST-Germany e.V., Sektion
Vreden,
Sparkasse Vreden, BLZ 401 548 70, Konto-Nr.: 304 451.
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