Operationseinsatz nach Gangtok, Sikkim / Indien 1998
vom 02.11. - 17.11.1998

Prof. Dr. Hajo Schneck

Nach den außerordentlich guten Erfahrungen im letzten Jahr war Gangtok, die Hauptstadt von Sikkim im indischen Norden, erneut Ziel eines INTERPLAST-Einsatzes.
Der Kontakt zur dortigen Klinik war über das Jahr nicht abgerissen; die örtlichen KollegInnen hatten uns u.a. wiederholt über die Verläufe der 1997 operierten Patienten informiert. Auf Einladung des S.T.N.M. Hospital startete daher ein achtköpfiges Team, bestehend aus dem Handchirurgen Dr. Günter Zabel, Schopfheim, dem Kieferchirurgen Dr. Danièle Bouillet, Konstanz, dem Plastischen Chirurgen Dr. Nuri Alamuti, Bad Kreuznach, Dr. Jens-Peter Sieber, Villingen-Schwenningen, den AnaesthesistInnen Dr. Ruth Mann und Prof.Dr. Hajo Schneck und den Op-Schwestern Adelheid Fechner und Isabel Hesse, alle aus München, am 1.11.98 in Frankfurt (den Firmen Deutsche Lufthansa, AirIndia und Jetair ein herzliches Dankeschön für die kostenlose Beförderung unseres Übergepäcks).
Die KollegInnen in Gangtok hatten wiederum umfangreiche und sehr qualifizierte Vorarbeit geleistet, schon Monate zuvor den Einsatz über Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen angekündigt und in mehreren über das Land verteilten Sammelstellen eine Patientenvorauswahl getroffen. Besonders freute es uns (und sie), daß sich aus den Heimatorten von 1997 operierten Patienten weit überdurchschnittlich viele Bewerber vorgestellt hatten. In der Gangtoker Klinik warteten 210 Patienten auf uns, unter welchen wir letztlich 78 auswählten. Die Schwerpunkte unserer insgesamt 96 Eingriffe umfassenden operativen Tätigkeit lagen wieder bei den Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (22 Pat., überwiegend Säuglinge und Kinder) und bei den funktionell beeinträchtigenden Verbrennungskontrakturen im Gesicht, am Stamm und an den Extremitäten (36 Patienten). Ergänzt wurde das operative Spektrum durch Hämangiome und faziale Formen des M. Recklinghausen.
Wie schon im Vorjahr war es auch heuer nur durch die engagierte und kompetente Mitarbeit der örtlichen KollegInnen möglich, eine verhältnismäßig große Zahl von Eingriffen durchzuführen. Zu unserer Freude waren im Laufe des Jahres die gemeinsam erarbeiteten Therapiekonzepte, z.B. bei Lippenspalten, angewandt und weitergeführt worden; diese Tendenz hoffen wir durch die auch diesmal wieder konsequent angewandte verantwortliche Einbeziehung örtlicher Operateure weiter verstärkt zu haben.

Fazit: Die nach dem ersten Aufenthalt 1997 geäußerte Vermutung, das Krankenhaus in Gangtok könnte ein besonders geeigneter Ort für die Umsetzung der INTERPLAST-Ziele sein, hat sich in jeder Hinsicht bestätigt:
- die vorhandene fachliche Qualifikation auf allen Ebenen und in jeder beteiligten Disziplin ist hoch;
- die personelle Zusammensetzung auf ärztlicher, pflegerischer und organisatorischer Seite war im S.T.N.M. Hospital gegenüber 1997 praktisch unverändert, so daß von Beginn an auf die eingespielten Interaktionen und den zuletzt bekannten Ausbildungsstand zurückgegriffen werden konnte;
das Interesse hat in keiner Hinsicht nachgelassen (wie wir es bei anderen Wiederholungseinsätzen bereits erlebt haben), im Gegenteil waren sogar die minimalen organisatorischen Mängel vom letzten Jahr registriert, überdacht und behoben worden;
- der finanzielle Einsatz von Seiten der Gastgeber (Unterkunft und Verpflegung), verbunden mit einer nicht zu beschreibenden Gastfreundlichkeit in jeder Hinsicht drückt u.a. auch das anhaltende Interesse der örtlichen Behörden aus. Dieses Interesse besteht offensichtlich unverändert weiter, wie wir aus der Tatsache schließen, daß eine schriftliche Einladung für 1999 bereits während des laufenden Einsatzes durch den Gesundheitsminister übergeben wurde.

Es ist daher nicht verwunderlich, daß erneut ausnahmslos alle Mitglieder des INTERPLAST-Teams eine Weiterführung der Arbeit in Gangtok befürworten (und am liebsten wäre es jedem, wenn er selbst wieder dabeisein könnte).

Das Zusammentreffen der genannten Gegebenheiten (finanzieller Einsatz der Gastgeber, Kulanz der Fluggesellschaften, Sachspenden der pharmazeutischen Industrie) machte es möglich, daß letztlich – neben einigen Bagatellbeträgen für nachgekaufte Medikamente – nur die Flugkosten für das Team aus Vereinsmitteln zu bestreiten waren. Damit gelang es erneut, die notwendigen Mittel pro Operation unter DM 200.- zu halten, eine Größenordnung, die wir im Sinne der eigenen Qualitätskontrolle für erstrebenswert (und offenbar realistisch) halten. Für die Übernahme der Gesamtkosten i.H.v. ca. DM 19.000.- gilt unser herzlicher Dank auch diesmal Waltraud Huck (pro interplast Seligenstadt), ohne deren rastlose und effiziente Arbeit der Einsatz nicht möglich gewesen wäre. Der Sektion Bad Kreuznach danken wir für die Finanzierung eines kompletten Sets von Intubationsspateln im Wert von DM 1.500.-, welches dem S.T.N.M. Hospital zur Verbesserung der anaesthesiologischen Ausrüstung als Geschenk überreicht wurde.

Prof. Dr. Hajo Schneck

 

 

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Einsatzberichte 2009

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