Einsätze im tansanischen Sumbawanga im Frühjahr und Herbst 2019

Im Frühjahr und im Herbst 2019 führten wir 4 chirurgische Einsätze in Sumbawanga durch. Nach fast 10 Einsatzjahren vor Ort hat sich eine sehr gute Zusammenarbeit entwickelt, so dass auch diesmal wieder alles bestens von der Leitung des Hospitals und den Mitarbeitern vorbereitet war.

Außerdem erfolgten 2 sehr erfolgreiche augenärztliche Einsätze im Dr. Atiman Hospital, zwar anmelde-technisch über unsere Sektion aber ansonsten autark und selbständig finanziert, unter der Leitung von Dr. Karsten Paust. Dabei war, neben den Operationen als solches, die Ausbildung von Cataractchirurgen und augenärztlichen Schwestern ein Schwerpunkt der Einsätze. Insgesamt konnten in beiden Camps 453 Patienten am grauen Star operiert werden, ein großer Teil davon bereits von den einheimischen Kollegen.

Dem geplanten Bau einer Augenklinik und der Übernahme dieser durch das ausgebildete lokale Personal ist man somit diesem Ziel schon wieder näher gekommen. Dieses soll schrittweise bereits 2020/2021 realisiert werden.

Das chirurgische Spektrum umfasste, neben plastisch- und MKG-chirurgischen, sehr viele traumatologische , wie auch kinderchirurgische Operationen. Insgesamt konnten 345 Patienten operiert werden. Manche von ihnen, wie auch der kleine Lewin ( siehe Bilder ) kamen schon das 2. und 3. mal zu unseren Einsätzen ins Hospital. Aufgrund ihrer schweren Verbrennungen und Kontrakturen war eine mehrzeitige operative Versorgung erforderlich.

Die weitere postoperative Betreuung der Patienten, insbesondere auch die amputierter Patienten betreffend, konnten wir Dank mitgereister Orthopädiemeister große Fortschritte erzielen. Nach Abdrucknahme bei den betroffenen Patienten im Frühjahr vor Ort, sowie dem Bau der Prothesen in der Firma Stamos und Braun in Dresden, konnten diese jetzt im Herbsteinsatz bei 24 Patienten angepasst werden. Das erforderliche Gehtraining wurde von 2 Physiotherapeuten gemeinsam mit dem bereits im vergangenen Jahr ausgebildeten Personal des Hospitals durchgeführt.

Neben der Betreuung der prothetisch versorgten sowie der aktuell operierten Patienten wurden auch noch 60 ambulante Patienten physiotherapeutisch behandelt.

Der Aufbau einer Orthopädiewerkstatt ist geplant. Die Ausbildung von Personal, zur Gewährleistung der weiteren Betreuung der prothetisch versorgten Patienten nach Abreise des Teams, ist gut angelaufen. Kleinere, im Verlauf erforderliche Korrekturen an den Prothesen können die angelernten Pfleger mit der gesponserten Trichterfräse und den mitgebrachten Polstermaterialien schon selbst durchführen.

Sowohl im Frühjahr wie auch im Herbst nahmen wiederholt Hebammen am Einsatz teil. Sie haben in bewährter Weise gemeinsam mit den Hebammen des Hospitals die Entbindungen im Kreißsaal betreut und insbesondere zu einer besseren Versorgung der Neugeborenen bei Sectiones beigetragen.

Aus Gründen, die dann vor Ort nicht recht nachvollziehbar waren, konnte das erste Herbst-Team nicht im Dr. Atiman Hospital operieren. Es hat auf Wunsch der Krankenhausleitung mit einem kleinen Team in einem Healthcenter der Diozöse von Sumbawanga einen OP-Saal eingerichtet und dann dort kinderchirurgisch operiert. Auch da wurden wir sehr freundlich aufgenommen und unterstützt.

Im Anschluss an diesen Einsatz haben sich der Kinderchirurg und ich noch auf eine kleine Reise (1000 km) in den Süden Tanzanias gemacht. Eine Anfrage und Bitte um Unterstützung des Krankenhauses in Litembo mit einem Interplast-Einsatz war beim Vorstand von Interplast vom Bischof der Diocöse Mbinga eingegangen. Nach anstrengender Anreise wurden wir vom Leiter des Hospitals, P. Raphael freudig begrüßt und konnten am Folgetag das Krankenhaus kennenlernen und einen OP-Tag miterleben. Danach war für uns klar: es besteht Bedarf an Unterstützung und insbesondere auch ein sehr großes Interesse an Ausbildung verschiedene Fachgebiete betreffend. Wir haben uns deshalb entschieden im März 2020 einen Ersteinsatz in das Hospital in Litembo durchzuführen und perspektivisch eine kontinuierliche Zusammenarbeit anzustreben.

Unabhängig davon werden natürlich weiterhin regelmäßig Einsätze nach Sumbawanga erfolgen, um das Projekt weiter zu betreuen. Diese werden zukünftig über die Sektion München organisiert werden.

An dieser Stelle nochmals vielen Dank an alle Einsatzteilnehmer und die vielen Spender für ihre Unterstützung, mit der die Durchführung dieser Einsätze erst ermöglicht wurde.

Sabine Wetter

Nachrichten aus dem Verein und den Sektionen